Desiree Singh will es wissen

Sebastian Lucas

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Platz acht im vergangenen Winter, Position sechs im Sommer. Die Detmolderin Desiree Singh (20) möchte sich 2015 weiter in der nationalen Stabhochsprung-Spitze nach vorne schieben. Die Rahmenbedingungen passen.

Detmold. Desiree Singh ist eine ganz besondere Sportlerin. 2011 gewann die Athletin der LG Lippe-Süd völlig überraschend den U18-Weltmeistertitel, ein Jahr später brachte sie Tochter Emma zur Welt. Vielen Verantwortlichen gefiel es nicht, dass sie - die Sportlerin mit so viel Potenzial - sich für ihren Nachwuchs entschied. Sie würde ihre Karriere wegschmeißen, lautete die Kritik. Doch Singh ließ sich nicht umstimmen, sie lebt nach dem Motto: "Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann nicht überholt werden." Ihre Anhänger folgen ihr. Beim sozialen Netzwerk Facebook sind es über 2200 Fans. Eine unglaubliche Zahl. Doch viele von ihnen lesen nicht nur gerne, was die Sportlerin "postet". Über Kommentare machen sie ihr auch Mut. Denn jeder, der selber ein Kind hat, weiß, dass es als Alleinerziehende nicht immer einfach ist. Als Leistungssportlerin sowieso. "Emma bedeutet mir alles", stellt die Detmolderin klar.

Das Grabbe-Gymnasium verließ Desiree Singh im Sommer und macht nun beim Kreissportbund ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), an dessen Ende das Fachabitur steht. Aber nicht nur deshalb ist dieser Schritt sinnvoll gewesen. Die Ausnahmeathletin betont: "Mein Leben ist nicht mehr so stressig. Zu Schulzeiten habe ich teilweise nachts noch gelernt." Trainer Olaf Hilker hilft Singh, wo er kann, und weiß: "Vor allem für einen Spitzensportler ist es wichtig, dass er ausreichend Zeit zur Regeneration bekommt. Die vergangenen Jahre waren nicht immer leistungsfördernd für ,Desi?. Jetzt hat sie zum Beispiel die Zeit, um Physio-Termine wahr zu nehmen."

Doch FSJ bedeutet nicht, zuhause Däumchen zu drehen. 39 Stunden in der Woche engagiert sie sich im Kinder- und Jugendbereich. Ihre Trainer-C-Lizenz erwarb Singh vor einigen Monaten. "Ich trainiere unseren Nachwuchs im Turnen und im Stabhochsprung, unterstütze also auch meinen Trainer. Zudem arbeite ich unter anderem in der offenen Ganztagsschule in Heiligenkirchen und bietet ,Spiel und Spaß? beim TV Heidenoldendorf an. Es ist also ein Mix aus Leistungs- und Breitensport", gibt die U18-Weltmeisterin einen Einblick in ihre Arbeit.

"Der Aufwand ist nicht geringer geworden, aber ,Desi? macht den ganzen Tag Dinge, die ihr Spaß machen", nennt Hilker den entscheidenden Vorteil. Durchgängig 15 Stunden wöchentlich habe Singh zuletzt trainiert. Tochter Emma ist oft dabei, aber auch bei Tagesmutter Steffi fühlt sich die Zweieinhalbjährige pudelwohl. Im Sommer geht?s in den Kindergarten. Sein Schützling sei "athletischer und technisch besser" geworden, sagt Hilker: "Wir sind den nächsten Schritt gegangen, nun soll wieder einer folgen." Konkret: Nach 4,30 Metern Ende 2014 strebt das Duo für diese Wintersaison 4,40 Meter an. "Die sind drin", ist sich die Sportlerin sicher.

Aber nicht nur in der Halle, sondern auch außerhalb sollen in Kürze weitere Weichen gestellt werden. "Keine Stabhochspringerin in Deutschland besitzt so viel Potential wie Desiree", meint Olaf Hilker. Entsprechend gelte es, nun auf allen Ebenen noch professioneller zu arbeiten: "Wir benötigen Sponsoren, denn die LG Lippe-Süd kann dieses Projekt finanziell nicht alleine stemmen." Interessant für Partner ist Singh mit Sicherheit. Sie ist in der Region fest verwurzelt und "will hier auch nicht weg". Sie möchte sportlich für Furore sorgen. Bei den Deutschen Meisterschaften am 21. Februar misst sie sich in Karlsruhe mit der nationalen Konkurrenz und kann beweisen, dass sie sich auf dem richtigen Weg befindet.

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