Bad Salzuflen/Werl-Aspe. Ihren persönlichen Traum haben sich die Mitglieder des Radsportvereins Knetterheide (RSV) erfüllt. In der Turnhalle des Ortes absolvierten die Jungen und Mädchen des RSV mit Kunstradweltmeister David Schnabel einige Trainingseinheiten. Zugegeben, David Schnabel wirkt unscheinbar, fast schüchtern. Und doch saß ein echtes Idol der Kunstradszene auf der kleinen Holzbank in der Turnhalle.
„Wir sind im Frühjahr von der Stiftung Ohne Fleiß keinen Preis ausgezeichnet worden. Vom Preisgeld hatten sich die Sportlerinnen gewünscht, für ein Training David Schnabel zu uns einzuladen", sagt RSV Pressewart Mathias Stalter. Dass es dann wirklich geklappt hat, war für alle dann doch überraschend. „Er ist so unkompliziert und praxisorientiert", lobt Trainerin Sixta Jodeleit.
Der Weltrekord steht
David Schnabel, Jahrgang 1984, lebt in Mühlheim an der Ruhr. Nachdem er 2001 zum ersten Mal Deutscher Meister wurde, setzte sich seine Erfolgsserie fort. Belohnt wurde sein intensiver Trainingseinsatz mit den Weltmeistertiteln 2005, 2006, 2007 (Vize-Weltmeister) sowie als Weltmeister von 2008 bis 2012.2011 holte Schnabel den Weltrekord mit 208,91 Punkten. Ein Jahr drauf wurde ihm die Auszeichnung des „Silbernen Lorbeerblatts" verlieren. Aktuell arbeitet er hauptberuflich als Ergotherapeut. Die Nachwuchsförderung liegt ihm am Herzen. Deswegen finden Trainingcamps mehrmals statt.
Nachdem zunächst in großer Runde trainiert wurde, ging es tags drauf in zwei Gruppen weiter. „Er hat schon so viel erreicht. Außerdem kann er toll erklären, weil er halt weiß, wovon er redet", schwärmte Saskia Bültemeier. Auch wenn David Schnabel 2013 auf dem Gipfel des Erfolgs seine Karriere beendet hat, sind seine Auszeichnungen für die Kunstradbranche dicke Meilensteine.
Auf Tricks aus seinem Geheimrepertoire mussten die Teilnehmer allerdings verzichten: Der Mühlheimer kam ohne Kunstrad. „Die jungen Fahrerinnen und Fahrer stehen im Vordergrund", betonte Schnabel, der sich eher Hintergrund sieht. 2005 war das anders. Damals gewann er nur einen Steinwurf entfernt in Aspe den Deutschen Meistertitel.
Potenzial von Nachfolgern, die in seine Fußstapfen treten könnten, hat er auch in Knetterheide ausgemacht. „Alle hier sind hochmotiviert und brennen für den Radsport. Das ist einfach toll", lobt der Weltmeister. Dass sich jedoch in der Region nur wenige Jungen für die Akrobatik auf dem Rad interessieren, ist seiner Einschätzung nach eher ein ostwestfälisches Problem: „In anderen Städten in NRW sind deutlich mehr Jungs aktiv." Auch er würde jederzeit wieder den Weg als Kunstradfahrer einschlagen. „Der Sport hat mir unheimlich viel gegeben und macht es immer noch", so Schnabel weiter.
Der hohe Frauenanteil in den Kunstradvereinen habe zudem für ihn, Schnabel, noch einen weiteren Vorteil: „Wo sonst bekommst du als Mann eine solche Aufmerksamkeit, wenn 60 Prozent aller Kunstradfahrer weiblich sind?", zwinkerte Schnabel schelmisch. In Bad Salzuflen hat er auch ohne eigenes Rad und Kunststückchen einen bleibenden Eindruck hinterlassen, bei dem so manches Mädchenherz deutlich höher schlug.