Warum der SC Paderborn Cauly Souza nach Bulgarien ziehen lässt

Frank Beineke

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SC Paderborn 07 - Eintracht Frankfurt, 17. Spieltag in der Benteler-Arena. Paderborns Spieler feiern nach dem Spiel. - © Friso Gentsch/dpa
SC Paderborn 07 - Eintracht Frankfurt, 17. Spieltag in der Benteler-Arena. Paderborns Spieler feiern nach dem Spiel. (© Friso Gentsch/dpa)

Paderborn. Dass der SC Paderborn am Montag einen Abgang verkündete, war keine Überraschung. Schließlich will der Bundesliga-Aufsteiger noch Akteure wie Kapic, Dörfler, Hilßner, Ritter oder Rumpf verleihen. Zudem steht Babacar Gueye auf der Verkaufsliste. Doch keiner dieser Namen tauchte in der Pressemitteilung auf, die der Verein um 14.52 Uhr herausgab. Stattdessen gab’s doch eine Überraschung: Mittelfeldspieler Cauly Souza, der beim SCP einen Vertrag bis Juli 2021 hatte, wechselt mit sofortiger Wirkung zum bulgarischen Meister Ludogorez Rasgrad.

Die Vertragslaufzeit ist noch ein Geheimnis. Über die Ablösesumme vereinbarten beide Klubs das obligatorische Stillschweigen. Doch der SCP dürfte durchaus den taxierten Marktwert von 1,5 Millionen Euro einstreichen, denn den Bulgaren fehlt es nicht am nötigen Kleingeld.

Serienmeister in Bulgarien

Pharma-Unternehmer Kyril Domustschiew hatte den erst 2001 gegründeten Klub aus der 30.000-Einwohner-Stadt im Nordosten Bulgariens mit seinem Vermögen in die erste Liga geführt. Seit dem Aufstieg 2011 gewann Rasgrad dabei stets den Titel. Und so kickt Cauly Souza fortan für einen Verein, der Dauergast in den europäischen Klubwettbewerben ist.

„Ich hatte Mitte vergangener Woche eine Anfrage aus Rasgrad erhalten und diese an Cauly weitergeleitet", berichtet SCP-Sportchef Martin Przondziono. Souza fehlte daraufhin am Samstag im Testspiel bei Hannover 96. Offiziell wegen eines Infektes. Doch in Wahrheit hatte er sich am Samstag auf den Weg nach Bulgarien gemacht, um mit Ludogorez zu verhandeln. Beide Parteien wurden sich einig. Und der SCP legte dem 24-Jährigen keine Steine in den Weg.

SCP macht ein gutes Geschäft

„Cauly hat dort die Chance, international zu spielen. Und wir ködern Neuzugänge ja auch damit, dass sie sich hier in Paderborn bestens entwickeln können, um ihnen den nächsten Karriereschritt zu ermöglichen", erklärt Przondziono und schränkt ein: „Solche Transfers dürfen nur nicht unsere sportlichen Ziele gefährden. Einen Sebastian Vasiliadis würden wir in diesem Winter sicher nicht abgeben."

Finanziell haben die Paderborner wieder einmal alles richtig gemacht. Im vergangenen Sommer wechselte Cauly Souza ablösefrei vom MSV Duisburg zum Bundesliga-Aufsteiger. Nun fließt vermutlich eine siebenstellige Summer aufs SCP-Konto.

Souza schien zunächst eine große Verstärkung zu sein. Der im Rheinland aufgewachsene Deutsch-Brasilianer stand zu Saisonbeginn sieben Mal in der Startelf und schoss beim 1:1 in Wolfsburg und beim 1:5 gegen Schalke jeweils ein Tor. Ab dem neunten Spieltag kam Souza aber nur noch sporadisch zum Einsatz. Die Konkurrenz im Mittelfeld war zu groß. Und dem 1,75 Meter großen Edeltechniker fehlte letztlich die Dynamik, so dass er nur bedingt zum Paderborner Tempo-Fußball passte.

Sportchef verspürt keinen Zeitdruck

In Rasgrad strebt er mit dem Team des neu verpflichteten tschechischen Trainers Pavel Vrba nun den erneuten Gewinn der bulgarischen Meisterschaft an. Am Montag meisterte Cauly Souza den Medizin-Check. In Kürze geht’s für ihn ins Trainingslager nach Belek, wo sich Rasgrad bis zum 8. Februar auf den Start ins Spieljahr 2020 vorbereitet. Falls Souza für die Europa League nachgemeldet wird, darf er sich zudem Hoffnungen auf Einsätze in den Sechzehntel-Finalspielen gegen Inter Mailand machen.

Beim SCP geht derweil die Suche nach einem Mittelfeldspieler weiter. Der Abgang von Cauly Souza erhöhe aber nicht den Zeitdruck. „Ich bin kein Freund von blindem Aktionismus. Wir schauen lieber, wie sich der Markt entwickelt", sagt Przondziono. Der finanzielle Spielraum dürfte sich durch die Souza-Einnahmen vergrößert haben. Doch auch jetzt wird der SCP wohl jeden Euro zweimal umdrehen.

Information

Rumpf in der Warteschleife

Der SC Paderborn würde in diesem Winter bekanntlich gerne das ein oder andere Leihgeschäft tätigen, um Reservisten wie Kapic, Ritter oder Dörfler Spielpraxis zu ermöglichen. Doch noch kann kein Vollzug gemeldet werden. Dies gilt auch für Jan-Luca Rumpf. Der 20 Jahre junge SCP-Innenverteidiger bestritt in der vergangenen Woche ein Probetraining bei Rot-Weiß Essen und konnte trotz eines unglücklichen Testspiel-Einsatzes (Eigentor beim 2:6 gegen Groningen) durchaus überzeugen. Die Essener, die am Montag ins Trainingslager nach Südspanien geflogen sind, haben sich aber noch nicht entschieden. "Für Jan-Luca gibt es auch noch zwei andere Anfragen aus der Regionalliga", berichtet SCP-Sportchef Martin Przondziono. Im Fall Babacar Gueye, der den SCP im Winter verlassen kann, würde es unterdessen keine neuen Entwicklungen geben.

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