Lügde/Klagenfurt. 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42 Kilometer Laufen – der Ironman ist einer der härtesten Ausdauerwettkämpfe der Welt. Lennard Großmann aus Lügde hat ihn gemeistert. Mit nur 21 Jahren absolvierte der Mechatroniker im österreichischen Klagenfurt seinen allerersten Ironman. Und das eigentlich nur, weil er eine Pause von seiner sportlichen Passion einlegen musste. Ursprünglich macht Lennard, der als Sportler schnell das Du anbietet, etwas ganz anderes: Er boxt. Doch nach einer ausgekugelten Schulter und einer OP hieß es plötzlich: ein halbes Jahr kein Boxen. Für Lennard unvorstellbar. „Ohne sportliche Ziele? Das ist nichts für mich“, sagt er. In der Garage fuhr er mit dem Arm in einer Schlaufe schließlich Fahrrad, um sich fit zu halten. Die Schulter sollte geschont, aber gleichzeitig trainiert werden. „Schwimmen wäre sicher auch gut“, dachte der 21-Jährige – und fing damit an. Bald kombinierte er Schwimmen und Radfahren. „Ich war vom Boxen ohnehin konditionell fit“, sagt er. Laufen stellte für ihn also auch kein Problem dar. Als er schließlich YouTube-Videos über den Ironman sah, war für ihn klar: „Das will ich auch schaffen.“ Im Dezember meldete er sich an - der Startschuss für sein neues Ziel. Strenger Trainingsplan Ein halbes Jahr bereitete er sich intensiv vor. „Ich habe mir ein Whiteboard gekauft, darauf jede Woche den Trainingsplan geschrieben: zwei Mal Laufen, ein Mal Schwimmen, zwei Mal Radfahren.“ Anfangs schwamm er im Hallen- und Freibad, später wagte er sich im Neoprenanzug ins Freiwasser - wie beim Ironman eben. „Grüne Brühe, du siehst nichts, keine Richtung, da hatte ich echt Paranoia vor Fischen.“ Erst im Schiedersee, später im Bodelheimer See in Höxter gewöhnte er sich daran. Auch das Radtraining wurde ernst: Nach dem Strampeln in der Garage kaufte er sich ein Rennrad. Seine längste Strecke vor dem Ironman: 140 Kilometer an der Weser – flach, ohne Höhenmeter. In Klagenfurt warteten hingegen 180 Kilometer mit 1800 Höhenmetern. Um auch mit Steigung zu trainieren, fuhr er immerhin einige Male den Köterberg hoch. „Da musste ich richtig beißen“ Mitte Juni war es dann so weit. „Das Schwimmen im Wörthersee ging schnell vorbei, wie ein Wimpernschlag.“ Doch auf dem Rad wurde es hart: 90 Kilometer flogen dahin, dann ging es an die Substanz. „32 Grad in der Mittagssonne, da musste ich richtig beißen.“ Beim Laufen war er zunächst beflügelt, die Radstrecke überstanden zu haben. Doch ab Kilometer 30 wurde es brutal. „Alles tat weh. Die Füße waren tot. Ich dachte kurz: Warum habe ich mich eigentlich angemeldet?“ Doch Zuschauer und Stimmung halfen ihm, durchzuhalten. Mit dabei war seine Mutter, die ihn tatkräftig unterstützte. Seine Zeit: 15 Stunden und 8 Minuten. „Ich bin so stolz und freue mich riesig“, sagt Lennard, der auf Platz 2069 von rund 3000 Teilnehmern ins Ziel kam, nur 2200 beendeten das Rennen überhaupt. Es bleiben Schmerz und Stolz „Direkt danach ging gar nichts mehr, allein der Weg zum Auto war ein Krampf“, erzählt Lennard. Für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii hat es nicht gereicht. „Da musst du unfassbar gute Zeiten bringen. Der Schnellste war nach weniger als acht Stunden im Ziel.“ Aber darum ging es dem Lügder auch nicht: „Ich wollte wissen, wie weit ich mich pushen kann, auch wenn der Kopf sagt, dass der Körper nicht mehr kann.“ Das nächste Ziel hat er schon vor Augen. Nächstes Jahr will Lennard einen Marathon im norwegischen Oslo laufen. Und wenn die Schulter wieder mitmacht, zurück in den Ring. Sein Motto? „Das Anfangen ist der wichtigste Schritt. Wenn du anfängst, machst du mehr als die meisten. Belohne dich für kleine Erfolge, bleib positiv – dann geht alles von allein.“ Kurz erklärt: Der Ironman Ein Ironman ist ein Triathlon und gilt als eine der härtesten Ausdauerprüfungen im Sport. Er besteht aus drei Disziplinen, die direkt hintereinander und ohne Pause absolviert werden müssen: 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer laufen. Diese Distanzen sind standardisiert und stammen vom ersten offiziellen Ironman-Wettkampf, der 1978 auf Hawaii stattfand. Und hier finden jedes Jahr die „Ironman World Championship“ statt. Dieses Jahr am 11. Oktober. Um an einem Ironman auf Hawaii teilzunehmen, muss man sich entweder durch Top-Platzierungen bei anderen Ironman-Rennen qualifizieren oder einen Startplatz durch eine Lotterie gewinnen. (kef)