Lippische Landes-Zeitung: Nachrichten aus Lippe, OWL und der Welt

Hoffenheims Höhenflug

Torjäger und emotionaler Leader: Kramaric glänzt mit TSG

Mann des Abends in Sinsheim und von den Fans gefeiert: Andrej Kramaric. © Uwe Anspach/dpa

So aufgewühlt hat man Andrej Kramaric in seiner langen Zeit bei der TSG 1899 Hoffenheim selten erlebt. Nach dem 5:1 gegen Borussia Mönchengladbach und seinen drei Toren stand der 34-Jährige mit dem Spielball unter dem Arm in der Interviewzone und alle Emotionen brachen aus ihm heraus. Und er gab ein großes Ziel aus für das Überraschungsteam der Bundesliga-Hinrunde, das auch im neuen Jahr mit furiosem Fußball glänzt.

«Ich habe nie gedacht, dass ich hier zehn Jahre spielen werde und so eine Geschichte schreibe. Nicht nur hier in der TSG, auch allgemein in der Bundesliga», bilanzierte Kramaric strahlend und ergänzte: «Ich bin realistisch. Ich bin kein Ronaldo, kein Messi, kein Harry Kane. Aber ich bin sehr stolz auf mich persönlich, auf meine Familie und Freunde.»

Kroate mit den meisten Bundesliga-Spielen

Dreifachtorschütze Andrej Kramaric (l) wird von Nationaltorwart Oliver Baumann beglückwünscht. - © Uwe Anspach/dpa
Dreifachtorschütze Andrej Kramaric (l) wird von Nationaltorwart Oliver Baumann beglückwünscht. (© Uwe Anspach/dpa)

Mit seinem 302. Einsatz kürte sich der WM-Zweite von 2018 zum kroatischen Rekordhalter im Oberhaus vor Zvonimir Soldo (301) und hat nun 132 Tore auf dem Konto. Zum sechsten Mal erzielte er drei oder mehr Treffer in einem Spiel.

An der Fitness des lauffreudigen 34-Jährigen hat ohnehin niemand Zweifel, sein Spielwitz ist immer noch bemerkenswert. Einmal traf er in Sinsheim per Elfmeter, einmal beim Wirbeln mit seinen jungen Nebenleuten Tim Lemperle und Fisnik Asllani aus kurzer Distanz - und beim 4:0 mit einem grandiosen Heber in den Torwinkel.

«Sehr emotional für mich»

«Ja, das ist schon wahnsinnig, sehr emotional für mich», sagte Kramaric. «Ich weiß, dass ich nicht bis 50 Jahre hier spielen werde und deswegen würde ich gerne diese Zeit nutzen», sagte er. «Einfach genießen auf dem Platz, das ist ein Traum für jeden Fußballspieler.» Trainer Christian Ilzer betonte: «Was man vielleicht vergisst, ist, dass er auch seine taktischen Aufgaben macht, gegen den Ball.»

Empfohlener redaktioneller Inhalt


Wir bieten an dieser Stelle weitere externe Informationen zu dem Artikel an. Mit einem Klick können Sie sich diese anzeigen lassen und auch wieder ausblenden.

Externe Inhalte

Wenn Sie sich externe Inhalte anzeigen lassen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Weitere Hinweise dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

In der vergangenen Krisensaison gehörte der Stürmer zu den größten Kritikern, unvergesslich seine Aussage: «Ich fühle eine große Scheiße im Club.» Jetzt strebt Kramaric die Königsklasse an mit einer Mannschaft, die nach einem Komplettumbruch im Sommer Fans und Experten staunen lässt. «Wir wollten drei Punkte holen. Wir müssen ja Spiele gewinnen und Punkte holen, weil ganz klar die Champions League unser Ziel ist», sagte er.

Champions League wie damals unter Nagelsmann?

«Das ist mein Traum», so der Edeltechniker. «Die Mannschaft verdient viel mehr. Viele junge Spieler, unterschiedliche Spieler, unterschiedliche Charaktere. Alle wollen trainieren, alle wollen Gas geben. Keiner meckert.» Wie er das Team in seiner TSG-Historie einordnet? «Auf jeden Fall in die Top-2. Wir hatten auch eine Top-Mannschaft in der Julian-Nagelsmann-Zeit.» Also zu Champions-League-Zeiten der Kraichgauer.

Ilzer will - entgegen der sonstigen Branchengepflogenheiten - seinen Torjäger verbal erst gar nicht ausbremsen: «Extrem groß zu denken - das liebe ich.» Am Samstag fordert Hoffenheim in Bayer Leverkusen nun einen direkten Konkurrenten im Kampf um ein Königsklassen-Ticket.

Mit seinem Gala-Auftritt empfahl sich Kramaric auch für eine Weiterbeschäftigung bei der TSG. Er ist nur bis zum Saisonende an die TSG gebunden, macht aber keinen Hehl daraus, dass er gerne bleiben würde. Also auch über seine angepeilte dritte Weltmeisterschaft mit Kroatien hinaus. Ob der neue Vertrag schon bereitliegt? «Diese Frage gebe ich volley gechipt an Andi Schicker weiter», sagte llzer breit grinsend und verwies auf die Zuständigkeit des Sport-Geschäftsführers.


Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2026
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.