Doppelpacker Harry Kane freute sich nach dem souverän erreichten Etappenziel in der Champions League und einem großen Europapokal-Meilenstein des FC Bayern aufs nächste Schnitzel. Mit seinen zwei Toren führte der 32-Jährige die Münchner zum 2:0 gegen Royale Union Saint-Gilloise und damit vorzeitig ins Achtelfinale der Fußball-Königsklasse.
«Aber wie wir wissen, hat die entscheidende Phase der Saison noch gar nicht begonnen», mahnte Kane, der für jedes Bayern-Tor von einem Wirt in seiner Nachbarschaft ein Schnitzel mit Röstkartoffeln oder Kartoffelsalat geliefert bekommt. «Die Spiele im März, April und Mai, wenn es am wichtigsten ist, werden richtig hart, insbesondere in der Champions League. Darauf müssen wir vorbereitet sein», sagte der Bayern-Angreifer.
250. Sieg für den FC Bayern
Genau dabei kann die im Gegensatz zum Vorjahr gesparte Extra-Runde der Playoffs im Februar helfen. Der direkte Achtelfinaleinzug entscheide zwar nicht, «wer die Champions League gewinnt», ordnete Trainer Vincent Kompany ein. «Aber wir werden die Zeit im Februar nutzen, um den Kader ready zu haben für die wichtigen Momente.» Nach sieben Spielen in nur 21 Tagen des Januars bestreitet der FC Bayern im gesamten Februar lediglich fünf Partien.
Durch den Doppelpack von Kane per Kopfball (52. Minute) und Foulelfmeter (55.) feierte der FC Bayern gegen Belgiens Champion den 250. Sieg in Europas Elite, also in Champions League und Landesmeister-Cup. Nur Real Madrid (307) gewann öfter. Nicht ins Gewicht fiel dabei, dass Kane das persönliche Jubiläum von 100 verwandelten Strafstößen als Profi bei seinem Lattentreffer aufschieben musste. Und dass die Münchner nach Gelb-Rot für Minjae Kim eine halbe Stunde in Unterzahl spielen mussten.
Kane: Das ist ein großer Anreiz
Der Südkoreaner wird zum Abschluss der Ligaphase am kommenden Mittwoch bei der PSV Eindhoven gesperrt fehlen. Ob der kranke Verteidigerkollege Dayot Upamecano dann wieder fit ist, ist offen. In den Niederlanden reicht den Münchnern ein Punkt, um Platz zwei hinter dem bislang einzigen Bayern-Bezwinger der Saison, dem FC Arsenal, zu sichern. Das würde bedeuten, dass das Ensemble um Kane bis ins Halbfinale immer das entscheidende Rückspiel vor eigenem Publikum spielen darf.
«Ich denke, das ist ein großer Anreiz», sagte Kane. «Es ist nicht alles entscheidend, aber es ist wichtig. Natürlich wissen wir, dass die Mannschaft mit dem Heimspiel im Rückspiel einen kleinen Vorteil hat.» Zudem könnte man dann frühestens im Endspiel auf Arsenal treffen.
Wiedersehen mit Sané? Dortmund? Leverkusen?
«Wir wollen versuchen, diesen zweiten Platz zu behaupten», erklärte Sportvorstand Max Eberl. Der 52-Jährige war erleichtert, dass man nicht zur «Riesenmasse aus großen Clubs» gehört, die noch gegen die Playoffs und um einen sicheren Achtelfinalplatz kämpfen. Dazu zählen etwa Titelverteidiger Paris Saint-Germain, Real Madrid, Manchester City oder Inter Mailand.
Noch recht offen ist, wer am 10./11. und 17./18. März in der Runde der letzten 16 Mannschaften Gegner des FC Bayern werden kann. Im Achtelfinale könnte es etwa ein Wiedersehen mit Leroy Sané (Galatasaray Istanbul) geben. Aber auch ein deutsches Duell mit Leverkusen oder Dortmund ist im Bereich des Möglichen. Der potenzielle Münchner Achtelfinalkontrahent müsste aber erst mal die Playoffs im Februar meistern.
Kimmich: Vorteil, aber...
«Ich glaube schon, dass es ein Vorteil sein kann, nicht durch die Playoffs zu müssen», sagte Bayern-Anführer Joshua Kimmich. «Auf der anderen Seite ist Paris letztes Jahr auch durch die Playoffs gegangen und hat das Ding gewonnen.» Aber der gesparte Umweg werde auf jeden «helfen, was die Körner angeht», sagte der Mittelfeldchef.
«Es ist nicht einfach, in die Top 8 zu kommen in diesem Champions-League-Format», goutierte Kompany gerne den erfolgreichen Zwischenschritt. Dieser bringt den Münchnern schon jetzt mehr als 50 Millionen Euro alleine an Prämien. Über den Elfmeter-Fehlschuss von Kane konnte der 39 Jahre alte Coach schmunzeln. «Er hat verschossen und wir haben gewonnen. Jetzt kann er seine neue Liste wieder aufbauen», sagte Kompany.
Ballack: «Ist und bleibt menschlich»
Englands Nationalmannschaftskapitän hatte in dieser Saison beim Sieg im Freundschaftsspiel gegen die Tottenham Hotspur und beim Weiterkommen im DFB-Pokal gegen den SV Wehen Wiesbaden einen Strafstoß vergeben. Vor dem Wiesbaden-Fehlschuss hatte er in Pflichtspielen 31 Mal nacheinander vom Punkt getroffen.
«Auch er ist menschlich und bleibt menschlich», sagte Ex-Nationalspieler Michael Ballack als DAZN-Experte. In 29 Saison-Pflichtspielen kommt Kane nun auf 34 Tore. Gegen den Club aus der Region Brüssel war der Stürmer wieder «der Flaschenöffner», wie Eberl nach dem phasenweise zähen Pflichtsieg bemerkte.
Und immer wieder Schnitzel
Lohn sind neben den Siegen kiloweise Schnitzel. «Es ist eine schöne Geschichte. Ich finde, es gehört zur Gemeinschaft und dazu, die Leute hier kennenzulernen», sagte Kane. Der Wirt habe das unbedingt machen wollen. «Er hat wahrscheinlich nicht erwartet, dass ich so viele Tore schieße.»
Schnitzel sei vermutlich sein Lieblingsessen in Deutschland, aber allzu viele dürften es auch nicht sein. «Ich kann nicht behaupten, dass ich alle esse», sagte Kane. Aber wenn nicht: Familie, Freunde oder Gäste würden sich darüber freuen.