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FC Augsburg düpiert FC Bayern

Chaves feiert Traumeinstand: «Megacoole Geschichte»

Arthur Chaves feiert einen Einstand nach Maß beim FC Augsburg. © Peter Kneffel/dpa

Nach seinem Traumeinstand beim FC Augsburg in der Gefriertruhe der Münchner Arena freute sich Arthur Chaves auf eine heiße Dusche. Der brasilianische Innenverteidiger - mit deutschen Wurzeln - bot nur zwei Tage nach seiner Verpflichtung eine imposante Vorstellung beim Coup seiner neuen Mannschaft gegen Harry Kane, Luis Diaz & Co.

«Ich bin so glücklich. Ich hätte mir die Situation heute gar nicht ausmalen können», sagte der 24-Jährige nach dem völlig überraschenden 2:1 (0:1) seiner Augsburger beim bis dato ungeschlagenen Spitzenreiter der Fußball-Bundesliga, dem FC Bayern München.

Vollgas - und dann nicht mehr vom Gas

Mit seinem Kopfballtreffer nach einer Ecke von Mert Kömür in der 75. Minute erzielte Chaves nicht nur den zwischenzeitlichen Ausgleich. Der Mann aus Florianopolis südlich von São Paulo setzte auch ein starkes Signal: Hier geht noch mehr! «Mit der Zeit ist der Glaube gewachsen, dass wir noch ein Tor schießen können», sagte Trainer Manuel Baum.

Manuel Baum (l) zeigt vollen Körpereinsatz. - © Peter Kneffel/dpa
Manuel Baum (l) zeigt vollen Körpereinsatz. (© Peter Kneffel/dpa)

Der clevere Coach hatte seiner Mannschaft trotz Rückstands zur Halbzeit mit auf den Weg gegeben, gegen zuletzt vor allem in der zweiten Hälfte dominierende Bayern «noch eine Schippe» draufzulegen. Von 20, 25 Minuten «Vollgas» sprach Baum. Am Ende gingen die Augsburger quasi gar nicht mehr vom Gas, denn Han-Noah Massengo (81.) erzielte sogar noch den Siegtreffer.

Ein Sieg für Augsburgs Geschichtsbücher

Zwei Tage nach seiner Leihe von der TSG 1899 Hoffenheim war Chaves gleich einer der Hauptdarsteller bei einer Sternstunde für die Geschichtsbücher des FC Augsburg. Im April 2014 hatten die bayerischen Schwaben einst die längste Ungeschlagenserie der Münchner nach 53 Bundesligapartien ohne Niederlage mit einem 1:0 beendet. Nun stoppten Baums widerspenstige Balljäger den FC Bayern nach 27 ungeschlagenen Ligaspielen bei dessen zweitlängster Serie.

«Das Schöne am Fußball ist, dass es solche Geschichten gibt», meinte Baum und durfte damit sowohl Chaves als auch den FC Augsburg meinen. Das sei eine «megacoole Geschichte» gewesen.

«Verrückt, einfach verrückt»

Chaves zeigte sich ziemlich unbeeindruckt von der Kulisse und auch der Power der Münchner. Mit Keven Schlotterbeck und Cedric Zesiger harmonierte er in der Dreierkette schon richtig gut. Und das, obwohl er nicht nur kaum Trainingszeit mit seinen neuen Teamkollegen hatte, sein letztes Bundesligaspiel hatte er außerdem Ende September beim 1:1 gegen den SC Freiburg bestritten. Seitdem saß er nur noch auf der Hoffenheimer Ersatzbank. «Verrückt, einfach verrückt», fand Chaves das Ganze.

Die Augsburger können sich nach jetzigem Stand schon über einen cleveren Transfer freuen. Im Anschluss an die Leihe besitzen sie eine Kaufoption. «Man freut sich, wenn die Dinge aufgehen», räumte Sportchef Benni Weber ein. Chaves passe jedenfalls zum FC Augsburg. «Er sagt selbst über sich: Er ist der deutscheste Brasilianer, den man sich vorstellen kann», sagte Weber. «Er verteidigt mit Leidenschaft, extrem bissig, griffig, mit einem sehr guten Laufvermögen, sehr guter Endschnelligkeit.»

Chaves sucht etwas ganze Bestimmtes

Die nächsten Ziele für Chaves und den FC Augsburg, der sich mit dem Coup in München Luft im Abstiegskampf verschafft hat? «Wir brauchen Punkte, wir müssen weiter arbeiten», sagte Chaves. Kommenden Samstag empfangen die Augsburger den abstiegsbedrohten FC St. Pauli. «Und ich muss ein Haus finden in Augsburg», ergänzte Chaves lachend. Aktuell lebt er noch im Hotel.


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