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Fußball-Bundesliga

BVB-Reaktion: Mit «erwachsenem Fußball» zum Bayern-Jäger?

Nico Schlotterbeck hat die Meisterschaft noch nicht abgeschrieben. © Soeren Stache/dpa

Einen Plan für eine Meister-Aufholjagd nach dem überraschenden Bayern-Patzer und dem souveränen BVB-Sieg in Berlin hat Nationalspieler Nico Schlotterbeck schon im Kopf. «Wenn es dann irgendwann mal vielleicht vier, fünf Punkte sind, da kommen sie auch mal ans Überlegen. Sie kommen noch zu uns», sagte der 26-Jährige nach dem 3:0 bei Union, bei dem er per Kopf traf. «Ganz weg sind sie nicht, sie sind schon ein bisschen enteilt, aber wir wollen einfach dranbleiben.»

Acht Punkte beträgt der Abstand aber auch nach der Münchner Niederlage gegen Augsburg noch und in Dortmund sind sich alle bewusst, dass es noch ein weiter Weg zu einem echten Titelkampf ist. «Ich glaube, ihr wollt das auch nicht, dass irgendwie im Februar, März die Meisterschaft entschieden ist», sagte Schlotterbeck.

BVB zeigt Reaktion nach Pleite bei Tottenham

Emre Can (M) stand im Mittelpunkt des Geschehens in Köpenick. - © Soeren Stache/dpa
Emre Can (M) stand im Mittelpunkt des Geschehens in Köpenick. (© Soeren Stache/dpa)

Viel Mut machte den Dortmundern, die Platz zwei weiter festigten, der blitzsaubere Auftritt in Berlin-Köpenick. Nach der besonders in der ersten Hälfte desolaten Champions-League-Pleite bei Tottenham kam beim BVB schon wieder eine Mentalitätsdebatte auf, doch die Dortmunder gaben eine schnelle Antwort.

Nico Schlotterbeck traf gegen seinen Ex-Club. - © Soeren Stache/dpa
Nico Schlotterbeck traf gegen seinen Ex-Club. (© Soeren Stache/dpa)

«Die Mannschaft hat sofort reagiert auf das, was wir in London in der ersten Halbzeit nicht gemacht haben», lobte Trainer Niko Kovac. «Wir haben den Kampf angenommen, haben die Intensität und die Aggressivität hochgeschraubt, haben dann phasenweise auch ordentlich Fußball gespielt.»

BVB-Trainer Niko Kovac freute sich über eine Reaktion seines Teams. - © Soeren Stache/dpa
BVB-Trainer Niko Kovac freute sich über eine Reaktion seines Teams. (© Soeren Stache/dpa)

Sein Team kontrollierte das Geschehen weitgehend, nutzte seine Chancen in den richtigen Momenten und ließ aus dem Spiel fast nichts zu. Schon zum zehnten Mal spielte der BVB in der Liga zu null. «Dann schmeckt es am besten», freute sich Keeper Gregor Kobel. Nur Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain hat in Europas Ligen eine so hohe Quote an weißen Westen.

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Schlotterbeck: «Erwachsener Fußball» statt «Kinderfußball»

Fußballerisch spielten die Dortmunder auch gegen Union nicht die Sterne vom Himmel. Doch dafür ist die Alte Försterei bei Minusgraden auch schlicht der falsche Ort. «Wenn du hierherkommst und möchtest nur Fußball spielen, dann wird es sehr problematisch», sagte Kovac.

Schlotterbeck befand nach dem Auftritt bei seinem Ex-Club: «Heute war es echt erwachsener Fußball. In Tottenham war es so ein bisschen Kinderfußball.» Exemplarisch dafür stand Emre Can. Der Kapitän verwandelte nicht nur seinen zwölften Bundesliga-Elfmeter eiskalt zum 1:0, sondern ging auch danach in Sachen Zweikampfhärte und Einstellung voran.

«Darum geht es hier in Berlin, wirklich mit Messer zwischen den Zähnen die Zweikämpfe anzunehmen. Das ist kein Zirkus, wo du nur mit Kunststückchen gewinnst, sondern da geht es Mann gegen Mann», sagte Geschäftsführer Lars Ricken.

Erst Mitte der zweiten Halbzeit wurde es dann etwas zu hitzig. Für einen Schubser gegen Janik Haberer sah Can die Gelbe Karte. Nach einer weiteren Situation nahm ihn Kovac zur Sicherheit vom Platz. «Es sind Emotionen, passiert im Fußball, sollte nicht passieren, aber das kommt einfach hoch», sagte der 32-Jährige selbst bei Sky.

Dass die folgenden Beschimpfungen von den Rängen den Defensivspieler arg gestört hätten, glaubte man beim BVB im Anschluss aber nicht. «Über einen aggressiven Emre freue ich mich immer, weil den will man nicht bespielen», sagte Schlotterbeck. Kobel sah es ähnlich: «Ich glaube, er mag das.»

Schlotterbeck will sich Deadline für Entscheidung setzen

Auch wenn der Abstand jetzt einstellig ist, sind die Titelchancen der Dortmunder in dieser Spielzeit weiter eher gering. Die realistische Aussicht darauf soll bei Schlotterbecks Überlegungen für seine Zukunft in Dortmund aber eine große Rolle spielen.

Der umworbene Nationalspieler gab ein Update, wie er die Entscheidung über eine mögliche Verlängerung seines Vertrages beim BVB, der aktuell bis 2027 läuft, angeht. «Ich bin Bauchmensch. Ich werde irgendwann eine Entscheidung treffen, aber ich sage euch nicht, wann die Deadline ist.»

Gemeinsam mit seinem Vater und Bruder Keven, der ebenfalls Profi ist, werde er irgendwann eine Grundsatzentscheidung treffen. Vor dem Sommer, wie er bei Sky ergänzte. Auch die Bayern sollen an Schlotterbeck dran sein.

Ricken sagte: «In Zeiten, wo immer mehr Spieler immer schneller auch wechseln, wäre es natürlich ein überragendes Zeichen.» Das Gesicht eines Vereins zu werden, schafften nicht so viele Innenverteidiger.

Bevor die Dortmunder am kommenden Sonntag den Tabellenletzten Heidenheim empfangen, steht am Mittwoch in der Königsklasse der letzte Spieltag der Ligaphase an. Inter Mailand kommt nach Dortmund. Die direkte Qualifikation für das Achtelfinale ist genauso unwahrscheinlich wie das Aus, doch für den BVB geht es noch um die Ausgangsposition in der K.-o.-Runde. «Wir müssen jetzt scharf bleiben», sagte Ricken.


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