Mit etwas Abstand zu den wilden Schlussminuten mit dem entscheidenden Treffer durch einen Kopfball seines Torwarts gab sich José Mourinho cool wie immer. «Wir wussten, dass wir es schaffen können. Wir wussten, dass der große Kerl dazu in der Lage ist», sagte der Portugiese nach dem 4:2 von Benfica Lissabon über sein Ex-Team Real Madrid dem TV-Sender CBS. Erst das letzte Tor durch Torwart Anatoliy Trubin sorgte in der achten Minute der Nachspielzeit für die Tordifferenz, die zum Einzug in die Playoffs der Champions League reichte.
Dabei hatte es noch wenige Momente vor dem Tor so ausgesehen, als wusste Mourinho gar nicht, dass noch ein vierter Treffer zum Weiterkommen fehlt. «Das ganze Stadion wusste es, der Präsident wusste es, nur Mourinho, der eigentlich auf alles eine Antwort hat, wusste es nicht», sagte Ex-Mourinho-Schützling Sami Khedira als Experte am DAZN-Mikrofon. «Aber dann hatte er es erkannt. Das ist der Special One, einfach ein großartiger Trainer. Ich freue mich für ihn persönlich.»
Mourinho schiebt Verwirrung auf Fehlinformationen
Mourinho selbst beschrieb seinen Sinneswandel und die Anweisung, auch Torwart Trubin nach vorne zu schicken, so: «Als ich die letzten Wechsel gemacht habe, hieß es, wir sind durch, nur Absichern. Dann ein paar Sekunden später erfahre ich, wir brauchen noch eins. Aber da kann ich nicht mehr Wechseln. Wir haben den Lucky Punch bekommen mit dem Standard.» Durch das Tor kletterte Lissabon an Olympique Marseille vorbei auf Rang 24. Dieser berechtigt zur Teilnahme an den Playoffs.
Im Estadio da Luz spielten sich nach dem Tor verrückte Szenen ab. Spieler und Betreuer fielen voller Ekstase über den Matchwinner Trubin her. Der Ukrainer sprach danach von «einem verrückten Moment. Ich bin es nicht gewohnt, zu treffen. Ich bin 24 Jahre alt und das war das erste Mal.» Mourinho, der Benfica zu dieser Saison übernommen hatte, jubelte zunächst Arm in Arm mit einem Balljungen und brüllte dann etwas auf die Tribüne. Vor dem Trubin-Tor hatten für Lissabon schon Andreas Schjelderup per Doppelpack und Evangelos Pavlidis mit einem Foulelfmeter getroffen.
Real und Benfica könnten direkt wieder aufeinandertreffen
Real reichten zwei Tore von Superstar Kylian Mbappé nicht, die Spanier rutschten aus den Top 8 und stehen deshalb ebenfalls in den Playoffs - und könnten dort direkt wieder auf Benfica treffen. Bei der Auslosung am Freitag in Nyon sind Benfica und Madrid mögliche Gegner füreinander. Ansonsten ginge es für Lissabon gegen Inter Mailand - ebenfalls ein Ex-Team Mourinhos.