Berlin/Düsseldorf. Das Ende der Herbstferien in NRW beginnt für viele Schüler wieder mit Unterrichtsausfall. Aufgrund des Lehrermangels können viele Schulleiter den Unterricht nicht sicherstellen und zwar über das gesamte Schuljahr hinweg. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung offenbart nun, dass sich das Problem in den kommenden Jahren bundesweit verschärfen wird. Besonders hart trifft es demnach die Berufskollegs.
An den Berufsschulen in Deutschland werden der Studie zufolge bis 2030 60.000 neue Lehrkräfte benötigt. Allein bis 2020 werden jährlich 4.000 neue Lehrer benötigt, ausgebildet werden derzeit aber nur 2.000 pro Jahr. Im Auftrag der Gütersloher Stiftung hat der Bildungsforscher Klaus Klemm ermittelt, dass fast die Hälfte der aktuell 125.000 Berufsschullehrer bis 2030 in Rente gehen wird, neu ausgebildete Kräfte diese Lücke aber bei weitem nicht schließen können.
Die Folge: Für die bundesweit 2,5 Millionen Jugendlichen an Berufsschulen sinkt die Unterrichtsversorgung immer weiter ab. „Bereits jetzt liegt die Unterrichtsversorgung nur noch 90 Prozent“, erklärt Joachim Maiss, Vorsitzender des Bundesverbandes der Lehrer an berufsbildenden Schulen. „Ein Mangel an Berufsschullehrern schwächt das Ausbildungssystem. Das nimmt Jugendlichen Bildungschancen und schadet der Wirtschaft“, moniert auch Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung.
Die Berufsschulen trifft der Lehrermangel laut Klemm bereits seit Längerem besonders hart. Keine andere Schulform ist in so hohem Maße auf Quereinsteiger angewiesen. Seiteneinsteiger verfügen in der Regel zwar über einen Hochschulabschluss, allerdings nicht fürs Lehramt. Bundesweit sind bereits ein Drittel der Lehrkräfte keine ausgebildeten Berufsschullehrer.
Die Ausbildung von Berufsschullehrern dauert durchschnittlich sieben Jahre. Um den sich abzeichnenden Mangel aufzufangen, fordert die Bertelsmann Stiftung eine Aufstockung der Studienplätze für Berufsschullehrer. „Während andere Schulformen bereits kurzfristig Antworten auf die steigenden Schülerzahlen finden müssen, erreicht der Mangel an Berufsschullehrern erst später seinen Höhepunkt. Deshalb ist noch Zeit zu handeln“, sagt Dräger, der eine bundesweite Strategie fordert: „Lehrer werden überall gebraucht. Es hilft nicht, wenn die Länder sich Lehrer gegenseitig abwerben.“
Neben den Berufsschulen ist die Personalnot auch an Grundschulen besonders stark zu spüren. Bis 2025 müssen 105.000 Grundschullehrer neu eingestellt werden. Allerdings schließen bis dahin nur 70.000 ihr Studium ab. Um die Zahl der Grundschullehrer zu steigern, bemüht sich das Schulministerium in NRW um eine Ausweitung der Studienplätze. Zudem fördert das Ministerium auch Seiteneinsteiger. Trotzdem konnten zum Beginn des Schuljahres 2018/19 von 3.339 offenen Stellen nur die Hälfte besetzt werden.
An den Schulen in OWL ist die Personalsituation nach Angaben der Bezirksregierung Detmold etwas entspannter, doch auch in der Region fehlten zum Schuljahresbeginn 200 Lehrer. „Die Mangelbereiche sind auch in OWL überwiegend Grundschulen und Berufskollegs. Wobei Schulen im ländlichen Bereich größere Schwierigkeiten haben, offene Stellen zu besetzen“, erklärt Sprecher Andreas Moseke.