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Kult-Krimiserie

„Tatort“ in der ARD: Mit diesen Teams ist bald Schluss

Bielefeld. Es war ein echter Paukenschlag, als der „Bayerische Rundfunk“ kürzlich ankündigte: Das Münchner Ermittlerteam Batic und Leitmayr, gespielt von Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl, geht bald in Rente – nach mehr als 30 Jahren und 100 Fällen, von denen einige Fernsehgeschichte geschrieben haben.

Es ist der bisherige Höhepunkt einer Ausstiegswelle bei Deutschlands ältester und beliebtester Krimireihe – der „Tatort“ steht vor einer Epochenwende. Die ARD hat es gleich mit mehreren Baustellen zu tun: überalterte Ermittler, sinkende Zuschauerzahlen und eine Kostenexplosion bei der Produktion der Filme.

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Wie sehen Sie die Zukunft des „Tatorts“?

Der „Tatort“ ist immer noch eine Institution, obwohl die durchschnittliche Einschaltquote seit zwei Jahren bröckelt. Nun treten zudem in den nächsten Jahren zahlreiche vertraute Ermittler-Oldies ab, wie unsere Autorin in ihrem Feature deutlich macht. Ist das die Chance für eine Neuausrichtung der Reihe mit den derzeitigen Ermittlerteams? Oder der Beginn von deren Niedergang? Brauchen wir überhaupt so viele einzelne „Tatort“-Folgen? Hat sich der „Tatort“ womöglich gänzlich überholt? Wie sehen Sie die Zukunft des Formats? Schreiben Sie mir gerne unter dem Stichwort „Tatort“ an meine unten stehende Mailadresse. Ich bin gespannt, wie Sie die Lage sehen: stefan.brams@ihr-kommentar.de

Kein Geld mehr für den „Tatort“?

Als Reaktion darauf bastelt der Senderverbund eifrig an frischen Ermittlerteams und anderen Neuerungen, und schon jetzt steht fest: Der „Tatort“ ändert sein Gesicht – ab 2025, spätestens 2026 wird die Krimireihe nicht mehr dieselbe sein wie heute.

Der Umbruch hat schon begonnen. Der Freiburger „Tatort“ mit Heike Makatsch wurde sang- und klanglos eingestellt – kein Geld, sagt der zuständige SWR.

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In Dortmund schrumpft das Ermittlerteam nach dem Ausstieg von Rick Okon noch dieses Jahr von drei auf zwei Köpfe.

Mit diesen „Tatort“-Sendungen ist bald Schluss

Maria Furtwängler ermittelt als Kommissarin Charlotte Lindholm künftig wieder alleine und wechselt bei dieser Gelegenheit von Göttingen zurück nach Hannover.

Ihre charismatische Kollegin Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) wechselt vorläufig an die Seite von Wotan Wilke Möhring alias Nord-Kommissar Thorsten Falke. Das Frankfurter Duo hört nach neun Jahren gleich ganz auf – freiwillig.

Das kommt 2025 und 2026

Der letzte Fall mit Wolfram Koch und Margarita Broich („Es grünt so grün, wenn Frankfurts Berge blüh‘n“) ist bereits abgedreht, aber der Verlust ist zu verschmerzen, scheiterten die Hessen-Krimis zuletzt doch öfter mal an ihren hohen selbstgesteckten Ambitionen. Wer künftig in Frankfurt am Main und Umgebung ermittelt, ist noch unklar.

2025 geht es für den „Tatort“ dann definitiv ans Eingemachte. Wenn Axel Milberg nach mehr als 20 Jahren seinen letzten Fall als Kieler Kommissar Klaus Borowski löst, endet eine Ära. Die jüngere Kollegin des Eigenbrötlers Borowski, Mila Sahin (Almila Bagriacik), macht ab 2026 mit neuem Team weiter. In der TV-Saison 2025/2026 gehen dann auch – wie bereits berichtet – die alten Münchner Haudegen Batic und Leitmayr zum hundertsten und letzten Mal seit ihrem Debüt 1991 auf Gaunerjagd.

Wie es mit dem „Tatort“ weitergehen soll

Es sind bedauerliche, aber unvermeidliche Abgänge, denn der Zahn der Zeit nagt. Mögen die Witzchen manch älterer Ermittler, wenn sie bei Verfolgungsjagden ins Keuchen kommen, noch so nett sein – ab einem gewissen Alter leidet die Glaubwürdigkeit: Nemec/Leitmayr werden bei ihrem letzten Einsatz um die 70 sein, TV-Star Axel Milberg wird im Sommer 68, Dagmar Manzel (sie hört als Franken-Kommissarin Paula Ringelhahn auf) feiert im Herbst ihren 66. Geburtstag.

Stellt sich die Frage: Wie geht es weiter? Dreht sich einfach nur das Personalkarussell – oder stellt der „Tatort“ die Weichen für die Zukunft neu? Schon „Tatort“-Erfinder Gunther Witte hatte schließlich mal gesagt: „Der Tatort erfindet sich mit jeder Generation neu“. Es gehe nun darum, als Nachfolger für die alte Garde „tolle, bisher weniger bekannte Schauspieler und Schauspielerinnen zu gewinnen, die man bisher nicht mit dem ‚Tatort‘ verbindet“, sagte Jörg Schönenborn, „Tatort“-Koordinator der ARD, unlängst in einem Interview.

Das verdienen die „Tatort“-Stars Axel Milberg und Jan Josef Liefers

Jüngere Schauspieler können einen Generationenwechsel einläuten – und zugleich die Kosten reduzieren. Denn vor dem Hintergrund der Dauerdebatte um die Rundfunkgebühren müssen die ARD-Anstalten aufs Geld achten. Doch die großen Stars sind teuer, dem Vernehmen nach kassieren zum Beispiel Axel Milberg oder Jan Josef Liefers mehr als 100.000 Euro pro Folge, Maria Furtwängler soll sogar mehr als 200.000 Euro verdienen – unbekannte Jungdarsteller wären schlichtweg billiger.

Frische, unverbrauchte Gesichter: Das klingt zunächst ganz gut. Doch die vertrauten Teams um Oldie-Ermittler wie Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) in Ludwigshafen oder Thorsten Lannert (Richy Müller) in Stuttgart sind für viele Fans ja mit ein Grund, dem „Tatort“ die Treue zu halten – oder zumindest bei ihren Lieblingsermittlern einzuschalten. Niemand weiß, ob die neuen Teams eine ähnliche Zugkraft entwickeln.

So viele Menschen haben den „Tatort“ vergangenes Jahr gesehen

Und das in einer Zeit, in der die Zuschauerzahlen beim „Tatort“ bröckeln und mancher schon das Ende des Hypes ausruft: 2021 schalteten durchschnittlich 9,2 Millionen Menschen pro Folge den Fernseher ein, 2023 „nur“ noch 8,5 Millionen. Derweil ist das Produktionsbudget pro Folge unter anderem durch höhere Energiekosten von rund 1,4 Millionen Euro im Jahr 2017 auf zuletzt 1,94 Millionen Euro gestiegen.

Damit das „Lagerfeuer des Sonntagabends“ weiter lodert, sollen die Krimis für die ARD-Mediathek weiterentwickelt werden, kündigt Tatort-Koordinator Schönenborn an.

Immerhin erreichte 2023 jede Folge durchschnittlich eine Million Krimifans auf diesem Weg. Schon voriges Jahr wurde außerdem ein interaktives „Tatort“-Game rund ums Stuttgarter Team entwickelt, um neue Zielgruppen zu erreichen: „Der Tatort möchte auch für junge Leute relevant bleiben“, sagt Daniel Stolz von der Innovationsabteilung des SWR. Die Resonanz war so gut, dass eine Fortsetzung geplant sein soll.

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