Das Böse fasziniert. Deshalb gibt es seit Menschengedenken den besten Stoff ab für Lagerfeuergeschichten, Bücher und natürlich auch Serien. In den Mediatheken wird gemordet, geprügelt und betrogen. Alles nichts Neues, alles schon gesehen. Aber was, wenn die Bösen vielleicht gar nicht immer böse und vor allem, die Rechtschaffenden grausam sind? Dann wird es richtig spannend, denn es stellt die Moral der Zuschauer auf die Probe. Drei Beispiele:
„Wissen Sie, was ich an der britischen Aristokratie bewundere? Sie sind die eigentlichen Gangster.“ - „The Gentlemen“
Nach dem Dahinscheiden des alten Herzogs erbt zur Überraschung aller nicht der älteste Sohn das feine Anwesen samt Titel, sondern sein jüngerer Bruder. Schon in der ersten Folge wird klar: Haus und Würde wurden nicht nach Vorliebe vererbt - es war eine knallharte Geschäftsentscheidung. Das Geschäft heißt hier „Marihuanaanbau in industriellem Stil“ und liegt gut verborgen unter der herrschaftlichen Villa. Dafür wäre der koksende Stammhalter sicher weniger geeignet gewesen als der galante Businessmann aus der zweiten Reihe. Beim Versuch das kriminelle Großunternehmen von seinem Anwesen zu entfernen, verwickelt sich der neue Lord in jede Menge Streitigkeiten der Unterwelt – und findet langsam gefallen an seiner neuen Rolle. Wer ist jetzt hier der Gangster?
Die Serie „The Gentleman“ ist ein Spin-Off des gleichnamigen Films aus dem Jahr 2019. Die erste Staffel umfasst acht Folgen und ist bei Netflix verfügbar.
„Mein Rat an die Jugend: Lest Karl Marx“ - Emmanuel Macron in „Machine“
Machine ist einsam und will das auch nicht ändern. Sie ist genervt von allen und will auch das nicht ändern. Als Hilfsarbeiterin in einer Waschmaschinenfabrik gerät sie in einen Arbeitskampf der harten Sorte, denn die neuen koreanischen Besitzer wollen die Produktion nach Polen verlagern. Die Gewerkschaft lässt sich das nicht gefallen und kämpft nach bester französischer Revolutionskultur. Machine will sich eigentlich aus allem raushalten, aber der unverbesserliche Marxist JP hängt ihr andauernd auf der Pelle und will sie für den Arbeitskampf gewinnen. Die Sympathien scheinen klar verteilt, hinge nicht über allem eine zweite Ebene: Machines Vergangenheit. Das, was sie beim Militär ausgefressen hat, muss so groß sein, dass der Geheimdienst nach ihr sucht. Was macht Sie zur Bösen?
„Machine - Die Kämpferin“ ist noch bis zum 16. Mai kostenlos in der Arte-Mediathek verfügbar. Die erste Staffel umfasst sechs Folgen.
„Ihr versucht zu fliehen und deshalb werden wir euch brechen“ Wärter in Papillon
Noch faszinierender wird das Böse, wenn es echt ist. Was ist, wenn die Kriminellen die eigentlichen Opfer eines noch grausameren Systems sind? In „Papillon“ wird bei Netflix die brutale Geschichte des Strafgefangenen Henri Charrière erzählt, der alles daran setzt, aus der Hölle der französischen Strafkolonie Guyana zu entkommen. Großartig unterstützt wird der Hauptdarsteller Charlie Hunnam von seinem oskarprämierten Mitstreiter Rami Malek. Dem Zuschauer stellt sich die Frage: Was heißt hier Gerechtigkeit?