Was die Dichte an Supermärkten und Discountern angeht, hängt Deutschland die meisten Länder in Europa locker ab. Wer aber sonn- oder feiertags noch schnell die vergessene Milch für das Frühstück oder den Senf fürs Grillen besorgen will, steht vor verschlossenen Türen – zumindest meistens. Ist der Supermarkt indes an einem bei Touristen beliebten Küstenort, kann er im Sommer auch sonntags geöffnet sein. Ebenso in größeren Bahnhöfen.
Die Beispiele zeigen: Bei den Regeln für Ladenöffnungszeiten ist Deutschland kompliziert. Dass es in Hessen künftig möglich sein soll, in Automaten-Märkten ohne Personal auch am Sonntag das Nötigste einzukaufen, erweitert das Dickicht an Regelungen noch.
Und trotzdem ist der Vorstoß richtig. Denn erstens zeigen die oben genannten Beispiele, dass es immer wieder zu Sonntagsöffnungen kommt – in der Regel sogar mit Personal. Der Bedarf ist also da. Wenn aber nur Urlauber und Stadtmenschen die Möglichkeit zum sonntäglichen Lebensmitteleinkauf bekommen, benachteiligt das die Menschen auf dem Land. Automatisierte Mini-Märkte mit klugen Konzepten könnten dem Stadt-Land-Gefälle entgegenwirken – und im Idealfall sogar den Verkauf regionaler Produkte ankurbeln.
Einkaufsmöglichkeiten müssen auf dem Land erhalten bleiben
Zugegeben: Für viele Menschen, gerade Ältere, ist der menschliche Kontakt beim Einkaufen wichtig. Die Möglichkeit dazu muss unter der Woche weiterhin bestehen. Gleichzeitig gilt, dass angesichts des Fachkräftemangels und der Digitalisierung in vielen Gemeinden die Frage nicht mehr lauten wird, ob es einen klassischen oder einen automatisierten Supermarkt gibt, sondern nur noch, ob überhaupt eine Einkaufsmöglichkeit existiert. Es ist gut, jetzt schon nach klugen Antworten zu suchen.