Lippische Landes-Zeitung: Nachrichten aus Lippe, OWL und der Welt

Kommentar

Die Olympischen Spiele sind politisch – und das ist eine Chance

Es ist nun schon das dritte Mal, dass sich die besten Athleten in Paris zum größten Sportereignis der Welt versammeln. Keine andere Metropole kann sich rühmen, häufiger als Gastgeber ausgewählt worden zu sein. Vielleicht kein Wunder, denn 1892 schlug der französische Baron Pierre de Coubertin genau dort ein internationales Sportfest vor, das dem Frieden und der Völkerverständigung dienen und den Namen der berühmtesten Wettkampfveranstaltung des Altertums tragen sollte – die Olympischen Spiele.

Zum 33. Mal im Sommer werden sie nun eröffnet. Die Welt erwartet gigantische Bilder eines Ereignisses, das Millionen in die zahlreichen Sportstätten und Milliarden vor die TV-Schirme locken wird. Die Olympischen Spiele, oft als überholt und überflüssig gebrandmarkt, erleben die x-te Renaissance, sind im 21. Jahrhundert angekommen.

Daran ändern auch die anhaltenden Vorwürfe nichts, die dem Internationalen Olympischen Komitee eine rücksichtlos überdimensionierte, klimafeindliche und politisch fragwürdige Haltung bei der Organisation der Spiele unter dem Dach der fünf Ringe vorwerfen.

Olympia-Sportstätten werden zu Festungen

Was ist tatsächlich geblieben von der Idee Coubertins, den Sport in den Dienst des Friedens und der Völkerverständigung zu stellen? Auf den ersten Blick nicht viel, blickt man auf den gewaltigen Sicherheitsapparat, den die französischen Gastgeber angeworfen haben.

Neben den zehntausend Polizisten, die aus dem ganzen Land nach Paris und in die anderen Austragungsstätten beordert wurden, hat die Armee in der Hauptstadt ein Lager für 4.500 Soldaten eingerichtet. Während der gesamten Dauer mobilisieren die Streitkräfte insgesamt 15.000 Soldaten. Die Angst insbesondere vor islamistischem Terror lässt die schicken Sportstätten zu Festungen werden.

Soldaten patrouillieren vor den Olympischen Spielen in Paris. - © dpa
Soldaten patrouillieren vor den Olympischen Spielen in Paris. (© dpa)

Denn eines sind die Olympischen Spiele nicht, auch wenn die Funktionäre dies immer wieder betonen: unpolitisch. Extremisten sehen eine maximale Chance, größtmögliche Aufmerksamkeit zu erreichen. Politiker, die in diplomatischen Sackgassen stecken, nutzen die Bühne immer wieder für Boykotte oder Ausgrenzungen zum vermeintlichen Vorteil der jeweiligen Gesinnung.

Coubertins Idee muss weiterleben

Eine Unterbrechung jedweder Feindseligkeiten, damit den Athleten sieben Tage sichere Anreise sowie sieben Tage sichere Abreise gewährt werden konnte, wie es die griechischen Stadtstaaten im Altertum praktizierten, ist heute angesichts zahlreicher Kriege wahrlich Geschichte.

Trotzdem geben wir die Hoffnung nicht auf, dass die Spiele 2024 friedvoll werden und Signale senden, die die Menschen unterschiedlichster Nationen und Kulturen wieder ein Stück weit zusammenführen – damit Coubertins Idee weiterleben kann.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2026
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.