Die schönste weibliche Brieftaube kommt aus dem bayerischen Forchheim und das schönste Männchen aus Grevenbroich in Nordrhein-Westfalen. Bei der Deutschen Brieftauben-Ausstellung in Dortmund kürten Züchter und Liebhaber am Samstag die schönsten Vögel des Jahres. Auch der Gesamtsieg des Schönheitswettbewerbs ging nach Forchheim - allerdings an einen anderen Züchter. Dieser habe die vier schönsten Tauben nach Dortmund mitgebracht, teilte Harald Herbach, Präsidiumsmitglied des Brieftaubenverbands, mit.
Erstmals nach zwei Jahren Corona-Zwangspause traf sich die internationale Szene der Brieftaubenzüchter wieder zu ihrer zentralen Fachschau in Dortmund. Für die Mitglieder des Verbands Deutscher Brieftaubenzüchter sei das ein «absolutes Highlight», hieß es zum Start.
Messe und Brieftaubenverband erwarteten rund 130 Aussteller und 10 000 Besucher aus aller Welt zu der bis Sonntag dauernden zweitägigen Ausstellung. Präsentiert wurden auch spezielle Transportfahrzeuge. Es ging laut Veranstaltern zudem um wissenschaftliche Fragen, Fütterung, Taubenschlagbau und Themen rund um Wettflüge. Herbach war schon am Samstag höchst zufrieden mit der Besucherzahl. «Die Leute haben darauf gewartet», sagte er.
Bei der laut Veranstalter weltgrößten Brieftauben-Ausstellung könnten bis Sonntag etwa 1000 Brieftauben begutachtet werden. Darunter waren den Angaben zufolge in der «Ausstellung der Superstars» auch die knapp 40 besten Vögel Deutschlands, die erfolgreich an der diesjährigen Brieftauben-Olympiade in Rumänien teilgenommen hatten.
Auf der größten Publikums-Taubenauktion Europas wurden zudem 64 internationale und deutsche Top-Brieftauben versteigert. Der Gesamterlös von rund 41.000 Euro komme dem Förderverein des Verbandes und in Not geratenen Mitgliedern zugute, sagte Herbach. Die teuerste Brieftaube brachte 4000 Euro ein.
In Deutschland gibt es dem Verband zufolge rund 25.680 Brieftaubenzüchter. In den Boom-Zeiten der 1960er Jahre waren es einst mehr als 100.000. Im Ausland sei vor allem in Polen und auch in Portugal die Brieftaubenzucht heute sehr populär, sagte Herbach. In Deutschland kämpft der Verband mit dem demografischen Wandel: Vielen Vereinen brechen die zumeist älteren Mitglieder weg - und jüngere Menschen mit einer Vorliebe für das «Rennpferd des kleinen Mannes» kommen nicht nach.
Das Brieftaubenwesen war im März auf die Liste des immateriellen Unesco-Kulturerbes gesetzt worden. Dennoch bleibt der sportliche Einsatz von Brieftauben umstritten. Kritiker sehen die Vögel bei Wettflügen erheblichen Stress ausgesetzt.