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Politik

Mobbing an Grundschulen

Köln. Als die zehnjährige Lilli in den Klassenraum kommt, stehen ihre Mitschüler in einer Gruppe zusammen, drehen ihr den Rücken zu, fangen an zu tuscheln. „Hau ab, dich wollen wir hier nicht", sagt ein Mädchen gehässig. Ein paar Minuten später darf Lilli wieder in den Kreis hinein und schildert, wie sie die Situation erlebt hat: „Das war schwer. Ich habe mich gefühlt, als ob ich ganz allein wäre und keine Freunde hätte."

Was für die Viertklässler einer Kölner Grundschule ein Rollenspiel im Rahmen eines Präventionsprojekts war, ist für viele Kinder traurige Realität. In einer 2017 veröffentlichten Studie des „Bündnis gegen Cybermobbing" gab gut ein Viertel der befragten Schüler zwischen 10 und 21 Jahren an, schon einmal Mobbing-Opfer gewesen zu sein – etwa durch Hänseln, Rufschädigung, Ausgrenzung und absichtliches Kaputtmachen von Sachen.13 Prozent erlebten Cybermobbing, zum Beispiel das gezielte Verbreiten fieser Bilder oder Kommentare über soziale Netzwerke oder Chats.

Die Täter und auch die Opfer werden 
immer jünger

„Das Thema Cybermobbing landet zunehmend auch an Grundschulen", sagt Diplom-Pädagoge Matthias Felling von der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (AJS) NRW. Grund dafür sei, dass immer mehr Grundschüler inzwischen eigene Smartphones besitzen. „Täter und Opfer werden immer jünger", bestätigt auch Catarina Katzer, Leiterin des Instituts für Cyberpsychologie und Medienethik in Köln.

„Kinder haben Smartphones und WhatsApp zur Verfügung, verstehen aber nicht, was sie anderen damit antun können." Deshalb müsse Präventionsarbeit schon bei den Jüngsten ansetzen. So wie das Programm „Du doof?!" der in Köln gegründeten Stiftung „Mobbing stoppen! Kinder stärken!".

Ein Pädagogik-Team will künftig an Grundschulen bundesweit Aktionstage anbieten und so Kinder ermutigen, sich gegen Mobbing zu wehren. Dabei arbeiten die Macher unter anderem mit Rollenspielen und multimedialen Lernmaterialien.

„Ich habe als Kind über einen längeren Zeitraum Mobbing am eigenen Leib erfahren", sagt der TV-Moderator und Komiker Tom Lehel, der die Stiftung gegründet hat. „Ich weiß, welche schlimmen Gefühle und Ängste es auslöst." Mit den Folgen habe er manchmal noch heute zu kämpfen: So fühle er sich beim Betreten eines Raumes, in dem sich andere Menschen aufhalten, oft erst mal unsicher. Als dann auch noch sein jüngerer Sohn zum Opfer wurde, habe er beschlossen, sich öffentlich gegen Mobbing zu engagieren, erklärt Lehel.

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