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Gütersloh

Ein Studienkredit birgt viele Hürden

Gütersloh. Wie kann ich mein Studium finanzieren? Diese Frage stellen sich viele Studienanfänger. Wenn mit Bafög, Stipendium oder Nebenjob das Studium nicht ausreichend finanziert werden kann, hilft meist ein Studienkredit. Doch da entstehen wieder neue Fragen, wie zum Beispiel: Welcher Kredit ist der Beste? Laut dem Studienkredit-Test des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh bieten alle Studienkredite Vor- und Nachteile für bestimmte Gruppen, weil Studierende unterschiedliche Ziele haben. „Manche Kredite schließen zum Beispiel Auslandsemester aus", sagt Experte Ulrich Müller.

Müller warnt vor Studienkrediten im Internet, die nicht von Banken, sondern von Webportalen bereitgestellt werden. „Viele dieser Kredite sind für Studierende ungeeignet, weil die Konditionen nicht auf die Lebenswelt abgestimmt sind", erklärt Müller. Teilweise wird die Auszahlung auf einen Schlag ausgezahlt. Auch horrende Zinssätze machen Kredite aus dem Internet häufig unattraktiv.

Wer plant, einen Studienkredit abzuschließen, sollte laut Müller erst alle anderen Möglichkeiten ausschöpfen. „Ein Bafög-Antrag sollte unbedingt gestellt werden." Wer gefördert wird, muss nur die Hälfte des Geldes zurückzahlen. Stipendien werden auch schon beim ehrenamtlichen Engagement vergeben und auch ein Nebenjob nahe am Studienfach bietet Vorteile beim Berufseinstieg, sagt Müller. „Auch die Unterstützung der Eltern sollte ausgeschöpft werden, denn ein Studienkredit ist nur ein Lückenfüller." Durchschnittlich werden Kredite mit einer monatlichen Auszahlung von lediglich 500 Euro vergeben, weiß Müller.

Sind Studierende dennoch auf einen Kredit von Banken oder Studentenwerken angewiesen, sollten nach Angaben des Experten erst der Zeitraum und der tatsächliche Bedarf kalkuliert werden. Problematisch sei die Finanzierung eines hohen Lebensstandards mit exotischen Urlauben. Als Faustregel gilt: „So wenig Kredit aufnehmen wie möglich, aber so viel wie für ein reibungsloses Studium erforderlich ist."

Wenn der tatsächliche Bedarf bemessen ist, sollten Studenten laut Müller die individuellen Anforderungen abstecken. Kredite können über Altersbeschränkung Studierende ausgrenzen und keinen Auslandsaufenthalt fördern. Frauen sollten laut Müller zudem großen Wert auf Flexibilität legen, um bei Schwangerschaft oder Elternzeit Raten aussetzen oder reduzieren zu können. Der Zeitraum der Rückzahlung kann bis zu 25 Jahre betragen.

Darüber hinaus sollte ein Kredit „in der derzeitigen Niedrigzinsphase einen festgeschriebenen Zinssatz beinhalten", rät Müller. Ein Tilgungsrechner im Internet könne genutzt dafür werden, um die realen Kreditkosten zu beziffern. So können Studierende ein Gefühl von der Gesamtsumme bekommen, sagt Müller. Zudem sollten in der Auszahlungsphase keine Zinsen gezahlt werden, sonst reduziere sich der ausgezahlte Betrag. „So können nach zwei Jahren von den anfänglichen 400 Euro nur noch 350 Euro übrig sein." Auch die Rückzahlungsmodalitäten sollten beim Abschluss vereinbart werden. „Wenn die Konditionen erst nach Studienabschluss verhandelt werden, hat der Studierende eine deutlich schlechtere Verhandlungsposition."

Haben Studierende im Ausschlussverfahren ihre besten Angebote herausgefiltert, sollten sie sich laut Müller verbindliche Angebote einholen. Im Beratungsgespräch können individuelle Lösungen und Details geklärt werden. Auf teure Extras, wie zusätzliche Versicherungen, sollte verzichtet werden. Zudem können Finanzberater des örtlichen Studentenwerks Rat geben.

Ein Studienabbruch sei das Worst-Case-Szenario, sagt Müller. „Die Auszahlung wird bei einer Exmatrikulation gestoppt." Teilweise sei der Kredit dann sofort fällig. Bei einem Studiengangwechsel in den ersten Semestern sowie einen Hochschulwechsel seien die Kreditgeber meist kulanter.

Weniger Kredite abgeschlossen

Aktuell benötigen rund 100.000 Studierende in Deutschland einen Studienkredit. Zudem sind weitere 180.000 Kredite laut dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in der Rückzahlungsphase.

2017 wurden im Vergleich zu 2014 ein Drittel weniger Studienkredite abgeschlossen. Die Zahl sank von 59.000 auf 41.000 Verträge.

50 Millionen Euro werden bundesweit im Monat an Studierende ausgezahlt.

Das CHE hat 46 Kreditgeber getestet, unter anderem den Studienkredit der Sparkasse Herford. www.che.de/studienkredittest

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