Plötzlicher Tod in Mastholte: Anzeige gegen Polizisten

Während die Behörden weiter schweigen, sammelt der Bruder des Opfers Beweise

Nicole Hille-Priebe

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Hier starb Pawel Iljenko bei einem Polizeieinsatz. - © Andreas Frücht
Hier starb Pawel Iljenko bei einem Polizeieinsatz. (© Andreas Frücht)

Kreis Gütersloh. Auch 23 Tage nach dem mysteriösen Tod des Salzkottener Bauhof-Mitarbeiters und dreifachen Familienvaters Pawel Iljenko (46) während eines Polizeieinsatzes in Rietberg-Mastholte tappen die Ermittler offenbar noch immer im Dunkeln. Während die Familie von Iljenko von Tag zu Tag ungeduldiger auf Ergebnisse wartet, bleibt Staatsanwalt Veit Walter bei seiner gebetsmühlenartigen Wiederholung: „Dazu sage ich nichts."

An seinem Todestag hatte Pawel Iljenko in einer Siedlung in Mastholte zunächst randaliert. Während seiner Festnahme war er laut Polizei dann kollabiert und verstarb noch vor Ort. Auf einem Foto des Toten im Sarg, das der Neuen Westfälischen vorliegt, sind schwere Gesichtsverletzungen zu erkennen, für die es bislang keine Erklärung gibt.

"Für mich war das ganz klar ein Mord"

Bei einem der Brüder des Toten stauen sich mittlerweile Wut und Frustration. „Für mich war das ganz klar ein Mord", sagte Oleg Iljenko in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Weil die ermittelnden Behörden beharrlich schweigen, hat er selbst Zeugen befragt, um den Tod seines Bruders zu rekonstruieren.

Besonders ärgert ihn ein Gerücht, das Ende vergangener Woche verbreitet wurde. „Die Behauptung, mein Bruder sei am Tag vor seinem Tod in eine Prügelei in Hövelhof verwickelt gewesen und habe sich dabei seine schweren Gesichtsverletzungen zugezogen, ist falsch. Dafür gibt es auch Beweise, denn bei der Bielefelder Kripo hat mir ein Beamter ein Handyfoto gezeigt, das ein Siedlungsbewohner gemacht hatte. Es zeigt meinen Bruder vor dem Polizeieinsatz, und da war er noch unverletzt."

Niemand will mit den Medien sprechen

Es gibt eine zweite Gruppe von Zeugen, die eigentlich genau wissen müsste, ob Pawel Iljenkos Verletzungen vom Vortag stammen: seine Kollegen vom Bauhof in Salzkotten, mit denen er am Tag seines Todes noch zusammengearbeitet hatte und denen die starken Blessuren sicherlich aufgefallen wären. Doch auch dort trifft man auf eine Mauer des Schweigens.

Laut Personalchef Michael Rölleke will keiner der Bauhofmitarbeiter mit den Medien über Pawel Iljenko sprechen. Interessant ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass die Ermittler offenbar noch gar nicht auf die Idee gekommen sind, dort nachzufragen – laut Rölleke wurde bislang niemand von der Polizei vernommen.

Bruder hat auch am Wohnort des Opfers Anzeige erstattet

Neben der Strafanzeige seines Anwalts Alexander Kin bei der Bielefelder Staatsanwaltschaft hat Oleg Iljenko inzwischen auch an seinem Wohnort Rotenburg (Wümme) Anzeige erstattet, mit konkreter Täterbeschreibung: „Gegen den dunkelhaarigen Polizisten im ersten Streifenwagen, der meinen Bruder laut Aussage eines Anwohners mit der Ferse seines Sicherheitsschuhs gegen den Kopf getreten haben soll, als dieser bereits fixiert am Boden lag." Der dortige Polizeisprecher wollte den Vorgang auf Nachfrage gestern jedoch nicht bestätigen.

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