Bielefeld. Die Kanadierinnen Brenley MacEachern und Lisa MacIsaac schreiben im Duo „Madison Violet“ seit mehr als 20 Jahren zusammen Songs, nehmen Platten auf und gehen international auf Tour. Anfangs schlug das stilistische Pendel mehr in Richtung Pop aus, später traten ihre Folk-Wurzeln stärker hervor. Auf dem Album „Eleven“ haben die Siegerinnen des John Lennon Songwriting Contest nun eine unwiderstehliche Balance zwischen beiden Welten erreicht. Am Sonntag, 5. März, ist „Madison Violet“ in Bielefeld im Konzert zu erleben (Bunker Ulmenwall, 20 Uhr).
Die zehn neuen Lieder, überwiegend ruhige, meist nur auf wenigen Akkorden basierende Erzählungen über Liebe, Leidenschaft und Verlust, sind in der langen Tour-Zwangspause während der Pandemie entstanden. In dieser Zeit erwarb Brenley einen alten Airstream-Wohnwagen samt eingebautem Tonstudio, in dem die beiden Sängerinnen und Multiinstrumentalistinnen die neuen Songs mit einer Handvoll Gastmusiker einspielten. „Utah“ setzt zu Beginn den atmosphärischen, nachdenklichen Ton des Albums. Folk, Pop, Bluegrass und Country mischen sich ganz selbstverständlich. Brenley singt mit unverwechselbar rauchiger Stimme, Lisa begleitet einfühlsam auf der Fiddle. Es ist ein Liebeslied – wobei sich das Gefühl von Befreiung und Weite, das die Musik verströmt, auf Utah den Bundesstaat und eine geliebte Person dieses Namens gleichermaßen beziehen könnte.
Neil-Young-Hommage
Nur noch Erinnerung sind die Gefühle im eingängigen „Sweet Desperado“, in der Neil-Young-Hommage „Jackson“ und im poppigen „Hard to Imagine“. Das sphärisch-folkige „Here For You to Love“ lebt von der Hoffnung, dass aus Freundschaft doch noch einmal mehr wird. Bisweilen bleibt die Liebe aber von vornherein unerfüllt („Not Allowed to Love You“). Umso betörender verschmelzen hier die Stimmen der Sängerinnen, die einst ein Paar waren, inzwischen aber nur noch Duo sind.
Der Tod eines nahestehenden Menschen wird im pochenden „We Lost the Light“ beklagt. Insgesamt ein sehr persönlich gefärbtes Stimmungsgefüge, das mit einer intimen Coverversion von Neil Youngs melancholischem „Out on the Weekend“ ausklingt. Ein wunderbares Album.