Torunfall in Augustdorf: Streit um Schmerzensgeld

Vor zwei Jahren verletzte ein kippendes Fußballtor Fynn-Luca schwer / Junge leidet noch immer

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Augustdorf. Der Unfall ist exakt zwei Jahre her, und noch immer leidet ein Junge aus Lage jeden Tag an den massiven Folgen. Ihm war bei einem Hallen-Fußballturnier in Augustdorf ein Tor auf den Kopf gefallen, das wohl nicht ausreichend gesichert war. Neben strafrechtlichen Konsequenzen, die am Freitag vor dem Amtsgericht Detmold verhandelt werden, stehen nun auch hohe zivilrechtliche Forderungen im Raum.

Montag jährte sich das Unglück. Am 12. Januar 2013 hatte sich der heute 13 Jahre alte Fynn-Luca R. bei den Kreismeisterschaften der D-Jugend zusammen mit seinen Mitspielern der SpVG Hagen-Hardissen in einer Nebenhalle aufgewärmt, wo an den Stirnseiten je zwei Handballtore standen.

Als der Ball von einem Spieler gegen die Latte geschossen wurde, fiel eines der Tore um und schlug auf die rechte Gesichtsseite des Opfers.

Der Junge habe bei diesem Unfall "bleibende Schäden wie etwa den Verlust des Geschmackssinnes und den teilweisen Verlust seiner Hörfähigkeit" davongetragen, sagt der Lemgoer Rechtsanwalt Wolfgang Stückemann. Es sei für ihn "ziemlich schwer", sich mit diesen dauerhaften Einschränkungen abzufinden, zumal sich seit dem Unfall "kein einziger Verantwortlicher um Fynn-Luca persönlich und sein Wohlergehen gekümmert" habe.

Den Eltern, die selbst sportbegeistert sind, gehe es "nicht so sehr um eine Bestrafung der Verantwortlichen", sondern um den Ausgleich des Schadens. Stückemann hat bereits eine Zivilklage vorbereitet. Darin wird ein Schmerzensgeld "nicht unter 80.000 Euro" sowie der Ersatz des materiellen und immateriellen Zukunftsschadens gefordert. Falls es nicht zu einer außergerichtlichen Einigung komme, werde sich die Klage nach bisherigem Stand gegen fünf Personen richten, sagte Stückemann im Gespräch mit dieser Zeitung. Darunter seien vier Personen, die ehrenamtlich für den FC Augustdorf tätig sind, sowie die Gemeinde Augustdorf, vertreten durch Bürgermeister Andreas Wulf. Auch die Gemeinde treffe möglicherweise ein Organisationsverschulden, sagte der Anwalt.

Drei der vier beschuldigten Ehrenamtlichen haben mittlerweile Geldauflagen zwischen 360 und 700 Euro akzeptiert. Im Gegenzug stellte die Staatsanwaltschaft Detmold Strafverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung ein. Die drei Beschuldigten, darunter auch der Hausmeister, waren am Unfalltag für die Sicherheit in der Halle zuständig gewesen. Ihnen wurde ein geringes Verschulden attestiert.

Volker D., damals verantwortlicher Betreuer bei dem Turnier, weigert sich bislang, eine Sanktion zu akzeptieren. Deshalb muss er sich am kommenden Freitag erneut vor dem Detmolder Amtsgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten. Nachdem ein erster Verhandlungstermin im Oktober ohne Ergebnis vertagt wurde, sollen jetzt neun Zeugen aussagen, wie Amtsgerichtsdirektor Michael Wölfinger auf Anfrage bestätigte.

Die umfangreichen staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen hatten bereits einige Versäumnisse zu Tage gebracht. So sollen die beiden Tore in der Nebenhalle auf Rollvorrichtungen gestanden haben. Dadurch konnten sie leicht umkippen. Auch ein Schloss in der Schiebetür, die den Eingang zur Nebenhalle ermöglichte, sei schon lange defekt gewesen.

Im konkreten Fall seien "Richtlinien zur Unfallverhütung nicht beachtet worden", sagt Rechtsanwalt Stückemann. Jann Poppkes, der Verteidiger von Volker D., nimmt eine ganz andere Perspektive ein. Falls sein Mandant im Strafverfahren verurteilt werde, "dann werden sich kaum noch Leute finden, die in Vereinen mitmachen wollen", sagte er.

Information
In der Augustdorfer Halle wurde nach dem Unfall ein neues Hinweisschild angebracht. Dort steht nun, dass die Aufsichtspersonen Handball- und Fußballtore "gegen das Umkippen" sichern müssen.

Wie gefährlich kippende Sportgeräte sind, zeigt auch ein anderer Fall: Im Mai 2013 wurde ein sieben Jahre alter Junge in Hamburg-Harburg von einem umkippenden Fußballtor erschlagen.

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