Bundeswehr-Skandal um Franco A.: Auch Kontrollen in Augustdorf

dpa und Thorsten Engelhardt

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Überprüft: Rommel-Kaserne in Augustdorf - © Bernhard Preuß
Überprüft: Rommel-Kaserne in Augustdorf (© Bernhard Preuß)

Berlin/Augustdorf. Im Skandal um den rechtsextremen Oberleutnant Franco A. hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel erneut hinter Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU) gestellt. Von der Leyen habe „alle Rückendeckung die sie braucht, um die Vorfälle aufzuklären und die Konsequenzen daraus zu ziehen", sagte Merkel. „Ich finde es richtig, dass sie sehr klar das Fehlverhalten benennt."

Der Ende April festgenommene Franco A. hatte sich monatelang als syrischer Flüchtling ausgegeben und plante offenbar Anschläge. Der Bundeswehr lagen schon seit 2014 Hinweise auf eine rechtsextreme Gesinnung des Offiziers vor, ohne dass Konsequenzen folgten.

Unterdessen sollen flächendeckende Durchsuchungen in sämtlichen Gebäuden der Bundeswehr für weitere Aufklärung sorgen. Nach dem Fund von Wehrmachtsandenken in mehreren Kasernen hat sich die Sensibilität für Verstöße dieser Art in der Truppe offenbar erhöht.

„Wir spüren ein höheres Meldeaufkommen als in der Normalität", sagte ein Sprecher des Ministeriums. Währenddessen sind an einer Kaserne im baden-württembergischen Donaueschingen Farbschmierereien mit dem Spruch „Nazis raus" entdeckt worden.

Auch in der Augustdorfer Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne wird in diesen Tagen nach Wehrmachtsdevotionalien gesucht. Generalinspekteur Volker Wieker hat angeordnet zu überprüfen, ob die Regeln zum Traditionsverständnis der Bundeswehr eingehalten werden.

Konkret heiße das, dass in allen Augustdorfer Unterkünften und Besprechungsräumen nach Gegenständen gesucht werde, die die Wehrmacht verherrlichten, sagte Hauptmann Martin Waltemathe, Presseoffizier der Panzerbrigade 21 „Lipperland".

Ob auch die Militärgeschichtliche Lehrsammlung am Standort Augustdorf verändert werden müsse, vermochte Waltemathe noch nicht zu sagen. Er gehe aber nicht davon aus, denn sie umfasse 200 Jahre Militärgeschichte in Lippe mit einem Schwerpunkt auf der Zeit der Bundeswehr, die mittlerweile seit 60 Jahren am Standort in Augustdorf sei.

Auch die an Generalfeldmarschall Erwin Rommel, den Namengeber der Kaserne, erinnernden Marschallstäbe und Gemälde ständen nach derzeitigem Stand der Dinge nicht im Fokus der Untersuchungen.

Im Zusammenhang mit dem mutmaßlich rechtsextremen und unter Terrorverdacht stehenden Oberleutnant hat es auch in Augustdorf Vernehmungen gegeben, bestätigte Waltemathe. Es habe sich um Zeugenvernehmungen gehandelt, nicht um Beschuldigte, betonte er.

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