Lemgo. Wie geht es weiter mit dem Klassentrakt am Engelbert-Kaempfer-Gymnasium? Die jüngsten Untersuchungen geben keine Entwarnung, damit steht jetzt auch ein Abriss im Raum. Einfluss auf die Entscheidung könnten auch neue Richtlinien für PCB-Konzentrationen nehmen. Die setzen deutlich strengere Grenzwerte an. Wie berichtet, ist der Klassentrakt am EKG seit 2024 gesperrt, nachdem bei Routine-Kontrollen zu hohe PCB-Werte ermittelt wurden. Es folgten zeitaufwendige Untersuchungen und im Sommer 2025 eine Probesanierung. Hoffnungen lagen jetzt auf den jüngsten Untersuchungen, die Aufschluss über den Erfolg der Maßnahmen geben sollten. Mit niederschmetterndem Ergebnis: Offenbar reichten die Arbeiten nicht aus. Laut Verwaltung liegen weiterhin zum Teil „vergleichsweise hohe PCB-Belastungen“ in den betroffenen Klassenräumen vor. Dabei gehe es vor allem um das Fugenmaterial, das offenbar in den tiefer liegenden Schichten unterhalb des sanierten Bereiches noch kontaminiert sei. Auch im Fugenmörtel sei noch PCB vorhanden, die ebenfalls in die Raumluft austreten. Sanierung mit ungewissem Ende Immerhin: Wand- und Bauteiloberflächen in den Räumen seien überwiegend nur gering belastet und würden daher als unkritisch eingestuft. An der Fassade des Gebäudes hätten sich keine relevanten PCB-Anteile finden lassen. Was also tun? Die Gutachter schlagen weitere Probesanierungen der Räume K 11,12 und 13 vor. Dafür sei ein Rückbau auf den Rohbauzustand nötig, wobei das Ganze luftdicht vom übrigen Gebäude abzudichten sei. Sollte es anschließend noch zu hohe PCB-Werte geben, müssten auch Bodenbeläge, Sockelleisten, Abhangdecken entfernt werden. Sanierung mit ungewissem Ergebnis oder doch tabula rasa? Die Verwaltung bringt als weitere Alternative den Abriss des Klassentraktes in die Diskussion. Abriss samt Entsorgung müssten dabei streng nach den Vorgaben des Schadstoffkatasters erfolgen; ein aufwendiges Unterfangen, allerdings wäre das PCB-Risiko damit vollständig beseitigt. Geht die Verwaltung bei der weiteren Sanierung von einer sechsstelligen Summe aus, so seien die Kosten für den Abriss derzeit noch nicht zu beziffern. In beiden Fällen will die Stadt prüfen, ob es Fördermöglichkeiten gibt. Neue Richtlinien als Maßstab? Als mögliche Entscheidungshilfe bringt die Verwaltung auch eine neue Schadstoff-Richtlinie ins Gespräch. So habe der Ausschuss für Innenraumrichtwerte (AIR) beim Umweltbundesamt im Jahr 2025 neue Richtwerte für PCB-Konzentrationen aufgeführt. Und die seien deutlich strenger als die aktuell noch geltenden PCB-Richtlinien des Landes NRW: Gelten in NRW bislang 300 Nanogramm pro Kubikmeter (ng/m3) als gesundheitsunbedenklicher Schwellenwert, so setze der Ausschuss für Innenraumrichtwerte (AIR) diesen Wert auf 80 ng/m3 deutlich herab. Damit, so schlussfolgert die Verwaltung, müsste bei einer möglichen Sanierung des Klassentraktes vorab geprüft werden, ob eine Belastung von unter 80 ng/m³ überhaupt zu erreichen sei, um „langfristige Gesundheitsrisiken auszuschließen“. Wie könnte es nach Abriss weitergehen? Eine schwierige Vorlage für die Politik, die sich am Montag, 26. Januar, ab 18 Uhr im Gemeinsamen Betriebsausschuss mit dem weiteren Vorgehen befassen wird. Dann muss auch beraten werden, wie es im Anschluss an einen möglichen Abriss weitergehen könnte. Mit dem Klassentrakt fehlen dem Engelbert-Kaempfer-Gymnasium derzeit 16 Klassenräume. Um die gröbste Raumnot zu lindern, hatte die Stadt auf dem Schulhof einen Modulbau mit 9 Klassenzimmern für 2,6 Millionen Euro errichtet, der pünktlich zum Schuljahr 2025/2026 fertig wurde.