Rock-Poetin Ulla Meinecke serviert kritische Töne

Heidi Stork

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Melancholische Kostprobe: Das Publikum hat auch nach zwei Stunden noch nicht genug von dem Pop-Urgestein Ulla Meinecke und ihren Musikern Ingo Yorck (links) und Reinmar Henschke. - © Heidi Stork
Melancholische Kostprobe: Das Publikum hat auch nach zwei Stunden noch nicht genug von dem Pop-Urgestein Ulla Meinecke und ihren Musikern Ingo Yorck (links) und Reinmar Henschke. (© Heidi Stork)

Bad Salzuflen. Es ist eines ihrer ersten Konzerte in diesem Jahr, denn die Deutsch-Pop-Ikone Ulla Meinecke ist in den 40 Jahren ihrer Karriere erstmals von einer Grippe aus den Puschen gehauen worden. Gerade rechtzeitig hat sie sich erholt, um in Bad Salzuflen aufzutreten.

„Ich habe wirklich gedacht, nie wieder ein Fuß vor den anderen setzen zu können", sagte die Sängerin im voll besetzen Bahnhof, bevor sie mit dem Stück „Süße Sünden" eine melancholische Kostprobe ihrer Stimme gab. Eingerahmt von ihren zwei brillant aufspielenden Multi-Instrumentalisten Ingo Yorck und Reinmar Henschke, der mit einmaliger lyrisch-perkussiver Klavierkunst beeindruckte, ohne dabei eine Miene zu verziehen.

Das aktuelle Musikprogramm des sehr gut aufeinander abgestimmten Trios zehrte dabei nicht ausschließlich vom verblassten Ruhm vergangener Tage. Vielmehr verzauberte die Rock-Poetin mit ihrer tiefen, sinnlichen Stimme ihre treue Salzufler Fangemeinde und nahm sich zwischen den Liedern Zeit, um auf die Inhalte einzugehen. Mit spitzer Zunge warf sie einen nachdenklich-ironischen Blick auf die kleinen und großen Probleme des Lebens, machte sich lustig über die Beauty-Industrie, die 17-jährige Models für Anti-Aging-Produkte werben lässt.

„Und wenn man alles richtig macht, läuft man mit 90 Jahren immer noch faltenfrei durch die Gegend", frotzelte die 63-jährige Sängerin augenzwinkernd, bevor sie das Stück „Bin zu alt" anstimmte.

Bis zur Pause dominierten die eher ruhigen Stücke. Doch Meinecke und ihre musikalischen Weggefährten beherrschen die Register des Showgeschäfts perfekt, denn das Beste kommt zum Schluss. Den Ohrwurm „50 Tipps ihn zu verlassen" konnte anschließend fast jeder der Anwesenden mitsingen. „Hör nicht mehr zu, Lu – spiel nicht mehr mit, Grit – mach die Tür zu, Su" raunten sie im Kollektiv durch die Bahnhofshalle.

Anfang der 1980er-Jahre gelang der Künstlerin mit dem Song „Die Tänzerin" der Durchbruch, nachdem sie ihre Karriere als Assistentin von Udo Lindenberg begann. Bereits bei den ersten Klängen riss es das Publikum endgültig von den Stühlen und es gab kein Halten mehr für die Fangemeinde, die sich später mit lang anhaltendem Applaus für einen gelungenen Konzertabend bedankte.

Infos zum Album von Ulla Meinecke und weiteren Konzerten gibt es unter www.ulla-meinecke.de

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