Heimatdichter war Nazi und soll nicht länger mit Straße geehrt werden

Sven Koch

Negativ behaftet: Die Otto-Franzmeier-Strasse soll einen anderen Namen erhalten. - © Vera Gerstendorf-Welle
Negativ behaftet: Die Otto-Franzmeier-Strasse soll einen anderen Namen erhalten. (© Vera Gerstendorf-Welle)

Detmold-Hohenloh. Im März 2004 ist die Otto-Franzmeier-Straße (an der Moritz-Rülf-Straße) nach einem 1980 verstorbenen Detmolder Heimatdichter benannt worden. Jetzt soll sie umbenannt werden, denn: Der Oberlehrer ist unter anderem Kreisredner der NSDAP gewesen. Ortsbürgermeister Werner Meise hat sich der Sache angenommen. Meise erklärt: Als Lehrer habe Franzmeier seine nationalsozialistische Gesinnung auch vor Schülern offen ausgelebt.

Stadtarchivarin Dr. Bärbel Sunderbrink hat sich das Thema genauer angeschaut und festgestellt: Franzmeiers NS-Vergangenheit hat bei der Straßenbenennung wohl keine Rolle gespielt, entsprechende Akten aus Archiven seien nicht ausgewertet. Die an der Straßenbenennung geäußerten Bedenken seien nachvollziehbar: Der Heimatdichter sei in vielen NS-Organisationen aktiv gewesen und  wegen seiner Funktion als NSDAP-Kreisredner im Mai 1945 von der britischen Militärregierung aus dem Schuldienst entlassen worden. Sunderbrink  betont, Franzmeier sei ein gutes Beispiel dafür, wie NS-Verstrickungen bekannter Persönlichkeiten verdrängt worden seien. Franzmeiers NS-Aktivitäten seien in keinen Nachschlagewerken oder anderswo angemerkt - auch in einer 1985 erschienenen Schrift zu seinem 100. Geburtstag nicht.

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