Horn-Bad Meinberg/Feldrom-Veldrom-Kempen. Eine auffällige Färbung des Wassers in seinem Ententeich hat Johannes Glitz stutzig gemacht. Er wurde neugierig und fragte sich, woher dieses Rostrot kommt? Als das Wasser der Durbeke im Herbst etwas weniger wurde, fand er schließlich die Antwort. Wo heute ruhig das Wasser steht, wurde vor mehreren Hundert Jahren Eisen hergestellt.
„Ziemlich genau hier muss einmal ein Ofen gestanden haben", erklärt Johannes Glitz vor Ort an seinem Teich und zeigt auf die Stelle am Ufer, von der aus sich die rötliche Farbe über das Wasser ausgebreitet hatte. „Wenn der Pegel tief genug ist, sieht man es noch besser", fährt er fort, während er mit einem kleinen Stock in der Erde stochert. Kleinere Stücke und Überreste aus der Eisengewinnung treten dabei zu Tage.
Die großen Schlackebrocken hat der Kempener bereits aufgesammelt und eingelagert. Dass er ausgerechnet hier auf seinem Grundstück Reste eines historischen Schmelzofens gefunden hat, wundert ihn nicht, schließlich reicht die Geschichte Kempens weit zurück auf dem Zeitstrahl. Es gibt Vermutungen, dass es auf der Anhöhe zwischen der heutigen Ortschaft und dem benachbarten Feldrom ein Römerkastell gegeben hat.
Belegte Informationen gibt es dann spätestens seit dem Mittelalter, für Kempen ab dem Jahr 850. Für spätere Jahrhunderte ist außerdem dokumentiert, dass Kempen lange Zeit einmal das war, was wir heute vielleicht ein Industriegebiet nennen würden. Im späten Mittelalter wurde hier unter anderem Glas hergestellt und, passend dazu, gab es Köhlereien in den umliegenden Wäldern, deren Spuren mit aufmerksamem Auge noch heute im Profil der Landschaft zu finden sind.
Um den Fund der Ofenstelle wissenschaftlich richtig in das Gesamtbild des Dorfes einfügen zu können, hat Johannes Glitz seinen Fund dem Lippischen Landesmuseum mitgeteilt. Dort ist die stellvertretende Leiterin Dr. Elke Treude zuständig für die Bodendenkmalpflege. Zur Beurteilung und Katalogisierung des Fundes ist die Historikerin inzwischen in Kempen vor Ort gewesen, einige Proben zur genaueren Untersuchung im Landesmuseum hat sie ebenfalls mitgenommen.
Der Rennfeuerofen
Diese Art von Öfen war in Europa über viele Jahrhunderte hinweg weit verbreitet. Das einfache, aber funktionale System zur Gewinnung von Eisen aus Erz gibt es auf dem Kontinent seit der Eisenzeit, und erst mit den modernen Hochöfen des 19. Jahrhunderts verschwanden die Rennfeueröfen.
Konstruiert wurden die vergleichsweise kleinen, bis etwa zwei Meter hohen Öfen aus Lehm oder Stein. Im schachtförmigen Inneren konnten Temperaturen bis zu 1300 Grad Celsius erzeugt werden – genug, um Eisen gewinnen zu können. Die Rennöfen funktionierten in einer Einwegbauweise.