Unbekannte installieren "Irminsul"-Symbol auf den Externsteinen

Astrid Sewing und Thorsten Engelhardt

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Weil die Gefahr sehr groß war, dass der Holzpfosten abstürzen und Spaziergänger verletzten konnte, entfernte die Feuerwehr Horn-Bad Meinberg die hölzerne Konstruktion bereits am Sonntag. - © Torben Gocke
Weil die Gefahr sehr groß war, dass der Holzpfosten abstürzen und Spaziergänger verletzten konnte, entfernte die Feuerwehr Horn-Bad Meinberg die hölzerne Konstruktion bereits am Sonntag. (© Torben Gocke)

Horn-Bad Meinberg. Auf den Externsteinen thronte am Neujahrstag eine Holzsäule, die offenkundig eine Nachbildung der Irminsul sein sollte. Die Feuerwehr Horn-Bad Meinberg baute sie am Sonntagabend mit großem Aufwand wieder ab. Die Denkmalstiftung des Landesverbandes will Anzeige erstatten.

Der Bereich um den Felsen war gesperrt; Wanderer hatten Dr. Michael Zelle, Direktor des Landesmuseums, am Sonntagmittag angerufen, und dieser fuhr sofort nach Holzhausen-Externsteine. Die Holzsäule war weiß-rot-schwarz angestrichen. In der Kombination schwarz-weiß-rot sind das die Farben des Deutschen Reiches. Zelle wertet das als Hinweis, dass hier rechtes Gedankengut im Spiel war.

Weil die Gefahr sehr groß war, dass der Holzpfosten abstürzen und Spaziergänger verletzten konnte, rückte am Sonntag gegen 16.30 Uhr die Feuerwehr Horn-Bad Meinberg aus. Ein Höhenretter der Feuerwehr Paderborn beriet seine lippischen Kameraden beim Abbau der skurrilen Säule. Die Aktion dauerte rund drei Stunden. „Das Ding war massiv", berichtete Feuerwehr-Pressesprecher Claus Müther. Wer immer es dort oben angebracht habe, habe sehr leichtsinnig gehandelt. Und er dürfte dabei geschwitzt haben.

Die Irminsul war ein Heiligtum der Sachsen, das Karl der Große zerstört haben soll. Immer wieder wird vermutet, es habe auf den Externsteinen gestanden. „Der Platz ist immer wieder mystifiziert worden, im Nationalsozialismus wurde die Irminsul als Gegensymbol zum christlichen Kreuz verherrlicht", sagt Dr. Zelle. Eine wissenschaftliche Grundlage gebe es dafür nicht.

Kommentar: Rechte haben zu viel Freiraum
Von Astrid Sewing
Am Hermannsdenkmal rufen die Rechten einen König aus, auf den Externsteinen wird eine nachgebaute Irminsul aufgestellt, die in den Farben des Deutschen Reiches angepinselt ist, die Reichsbürger blockieren die Behörden mit ihren kruden Ideen, es gebe keine Bundesrepublik – das alles könnte man, wenn es denn Einzelfälle in einem längeren Zeitraum wären, als Spinnerei abtun.

Aber die einzelnen Aktionen zeigen, dass es weitaus hoffähiger geworden zu sein scheint, sein braunes Gedankentum öffentlich auszubreiten. Das hat auch etwas damit zu tun, dass einzelne Politiker der AfD munter hetzen und sich über die sozialen Netzwerke Kanäle suchen, um gegen Flüchtlinge, Einwanderer und etablierte Parteien mobil zu machen. Das tun sie in unserer Demokratie, die eben auch die Freiheit der Meinung respektiert. Das tun sie öffentlich, und sie ziehen damit eben auch die an, die Zeiten zurück haben wollen, die mit Diktatur, Krieg und Zerstörung einhergegangen sind.

Es sind deshalb eben keine Spinnereien, sondern Straftaten. Die Stärke einer Demokratie liegt in der Diskussion, aber die, die das ausnutzen, um krude Ideologien – egal, in welcher politischen Richtung – zu verbreiten, müssen spüren, dass das nicht hinnehmbar ist. Also müssen die Täter angezeigt und auch zur Rechenschaft gezogen werden. Was die AfD betrifft, da haben es die Wähler in der Hand – das gehört zur Demokratie eben auch dazu.

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