Gemeinschaftsschule Kalletal ist mit Gift belastet

Thomas Reineke und Jens Rademacher

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Gemeinschaftsschule in Kalletal. - © Archivfoto: Jens Rademacher
Gemeinschaftsschule in Kalletal. (© Archivfoto: Jens Rademacher)

Kalletal-Hohenhausen. Kurz vor den Ferien haben Schüler und Eltern der Gemeinschaftsschule in Hohenhausen gestern die Nachricht bekommen, dass das Schulgebäude mit Schadstoffen belastet ist. Ein Gutachter habe Konzentrationen des Stoffs PCB in der Luft festgestellt, die „Handlungsbedarf" bedeuteten, sagte Bürgermeister Mario Hecker am Freitag der LZ.

Die Gemeinde habe am Mittwochmittag von den erhöhten Werten erfahren und sofort die Schule und weitere Beteiligte informiert. An die Schüler seien gestern Briefe für die Eltern verteilt worden, in denen über das Thema informiert wird, so Hecker. Nach den Ferien gibt es eine Infoveranstaltung.

Information
Eine Infoveranstaltung mit einem Schadstoffexperten ist für Dienstag, 25. April, 19 Uhr im Pädagogischen Zentrum der Grundschule Hohenhausen geplant.

Von den erhöhten PCB-Konzentrationen sind die Klassenräume in allen Gebäudeteilen betroffen – laut Schulleiter Dr. Eike Stiller zwölf an der Zahl –, nicht aber die Aula. PCB gilt als krebserregend. Der Stoff kommt vom weißen Flammschutz-Anstrich der Deckenplatten. Diese wurden beim Bau der ehemaligen Hauptschule vor Jahrzehnten angebracht, sagte Bauamtsleiterin Ewa Hermann.

Die Belastung der Raumluft war einem Schadstoffgutachter aufgefallen, der im Vorfeld der geplanten Bauarbeiten Proben genommen hatte. Für den Sommer war der Start der energetischen Sanierung und des Umbaus der Aula vorgesehen.

Laut PCB-Richtlinie besteht bei Konzentrationen zwischen 300 und 3000 Nanogramm pro Kubikmeter Raumluft „mittelfristiger Handlungsbedarf". „In diesem Bereich liegen wir", sagte Hermann. Laut Richtlinie dürften die Schüler zwar weiter in den Räumen unterrichtet werden, wenn gut gelüftet und sachgemäß geputzt werde. „Wir wollen die Kinder und Lehrer der möglichen Gesundheitsgefährdung aber nicht weiter aussetzen und handeln sofort."

Das bedeutet laut Bürgermeister Hecker, dass die Schule mit ihren 420 Schülern nach den Osterferien in die benachbarte und leerstehende ehemalige Fröbelschule zieht, zumal die anderen Räume im Schulzentrum laut Gutachter nicht belastet seien. Die Gemeinschaftsschule werde bis zur Sanierung komplett geschlossen. So schnell wie möglich solle ein Klassenraum probesaniert werden.

„Wir sind der Gemeinde dankbar", sagte Schulleiter Stiller zu dem Schritt. Andernorts sei in solchen Fällen im Gebäude weiterunterrichtet worden. Nach Bekanntwerden der Probleme seien in den Klassenräumen die Fenster geöffnet worden, Klassen seien ins Fachzentrum ausgewichen. Die Schule hofft nun, im Laufe des nächsten Schuljahrs wieder in das Gebäude ziehen zu können – nach PCB-Sanierung und dem weiteren Umbau des Schulzentrums. Die Kosten für die PCB-Sanierung seien noch nicht bezifferbar, hieß es.

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