Weiße Löwen mitten in Lemgo

"Circus Probst" bringt 100 Tiere mit - Haltung im Zirkus ist umstritten

Marlen Grote

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Beliebt: Dem Charme der weißen Löwenbabys kann kaum jemand widerstehen. Tierlehrer Ludvik Berousek zieht sie mit der Flasche groß, nachdem ihre Mutter sie nicht angenommen hat. - © Grote
Beliebt: Dem Charme der weißen Löwenbabys kann kaum jemand widerstehen. Tierlehrer Ludvik Berousek zieht sie mit der Flasche groß, nachdem ihre Mutter sie nicht angenommen hat. (© Grote)

Lemgo. Sie sind die Stars des "Circus Probst": Weiße Löwen ziehen Kinder und Erwachsene gleichermaßen an. Die exotischen Tiere im Zirkus werden von Tierschützern dagegen nicht gerne gesehen.

Die Tür geht auf, und die Löwen stürmen in das Freigehege. Hinter dicken Gitterstäben tollen die Raubkatzen ausgelassen herum, jagen einen Ball und wetzen ihre Krallen an bereit liegenden Baumstämmen. Nebenan balgen zwei junge Löwen in einem eigenen Gehege. Die Tiere sind imposant, aber sind sie im Zirkus gut untergebracht?

Diese Frage spielt für das Publikum meistens keine große Rolle. "Die Besucher wollen das sehen", bestätigt Sonja Probst vom gleichnamigen Zirkus, der ab heute in Lemgo gastiert, bei einer Führung durch die Stallanlagen. Neben vielen Artisten gehören Tiere bei Probst daher fest dazu. Um jeden Preis zeigt "Circus Probst" die beliebten Exoten aber nicht. Elefanten gehören schon seit einiger Zeit nicht mehr zum Programm, da der Zirkus ihnen nicht genug Platz bieten kann, sagt Sonja Probst.

Außer Löwen sind noch viele andere Tiere mit auf Reisen. Pferde, Dromedare, Lamas, exotische Rinder, Zebras, Ziegen und zwei Emus tummeln sich zur Zeit auf dem Regenstorplatz. Die meisten Tiere bewohnen mobile Offenställe, davor haben einige der 75 Mitarbeiter des Zirkus Ausläufe aufgebaut. Für eine Koppel für die Pferde reicht der Platz in Lemgo nicht, sie stehen zwischen dem morgendlichen Training und ihren Auftritten in Boxen.

Zu wenig Platz, lange Transporte, unnatürliche Kunststücke - der Zirkus muss sich oft mit Kritik von Tierschützern auseinandersetzen. Auch Karl-Heinz Westerheide vom Tierschutzverein Lemgo sieht die Tierhaltung kritisch, wenngleich er nicht kategorisch dagegen ist. "Gegen Hunde, Ziegen und andere kleinere Nutztiere ist nichts einzuwenden", meint der Tierschützer. Große Tiere, besonders Wildtiere, könne man im Zirkus aber nicht artgerecht halten: "Die brauchen Bedingungen, die ein Zirkus nicht bieten kann."

"Circus Probst" stellt seine von den Amtstierärzten immer wieder als "vorbildlich" bewertete Tierhaltung dagegen. Neben Ausläufen gehört dazu ein fester Reitstall, wo die Tiere untergebracht werden, wenn es zwischen den Tourneen Pausen gibt oder sie nicht mehr fit genug für die Manege sind. "Wir verkaufen kein Tier, weil es ,unbrauchbar ist - sie gehören zur Familie", betont Sonja Probst.

Die Löwen sind nur für diese Saison Teil des Zirkus, Tierlehrer Ludvik Berousek wird mit ihnen 2015 mit einem anderen Zirkus reisen. "Circus Probst" zeigt in der kommenden Saison keine Raubkatzen: "Wir haben keinen Ersatz gefunden, der unseren Ansprüchen im Tierschutz entspricht."

Der "Circus Probst" gastiert bis 16. November auf dem Regenstorplatz in Lemgo. Premiere ist am heutigen Mittwoch, 12. November, um 16 Uhr. Donnerstag ist Familientag.

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