Hilfe für überforderte Eltern

Erol Kamisli

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Lippes Nachwuchs im Blick: Martina Schlüpmann (Mitte) vom Kreisgesundheitsamt hat das Familienhebammenprojekt angestoßen. Hebamme Annette Vauth (links) und Familienkinderkrankenschwester Michaela Stölting besuchen Menschen, die Hilfe brauchen. 
- © Bernhard Preuss
Lippes Nachwuchs im Blick: Martina Schlüpmann (Mitte) vom Kreisgesundheitsamt hat das Familienhebammenprojekt angestoßen. Hebamme Annette Vauth (links) und Familienkinderkrankenschwester Michaela Stölting besuchen Menschen, die Hilfe brauchen. (© Bernhard Preuss)

Kreis Lippe. Sie beraten Suchtkranke, Schwangere und Familien, die mit ihrer gegenwärtigen Lebenssituation überfordert sind. Familienhebamme Annette Vauth und Kinderkrankenschwester Michaela Stölting arbeiten seit Jahresbeginn im Kreisgesundheitsamt und stehen bedürftigen Familien mit Rat und Tat zur Seite.

"Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, für alle Familien da zu sein, ob das jetzt gut abgesicherte Familien sind, Hartz-IV-Empfänger oder Flüchtlingsfamilien", betont Martina Schlüpmann, Kinder - und Jugendärztin im Kreisgesundheitsamt. Kein Fall gleiche dem anderen. Die Ärztin ist sehr glücklich darüber, dass der Kreis die Stelle eingerichtet hat. "Von der Idee bis zur Umsetzung hat ein wenig gedauert, aber jetzt sind wir froh, dass wir es geschafft haben", sagt Schlüpmann.

Es gehe darum, eine bessere Verzahnung von Jugend- und Gesundheitshilfe zu erreichen, um ein niedrigschwelliges Angebot, das nicht stigmatisieren sollte, für Schwangere oder eben Familien mit Kindern zu schaffen. "Wir versuchen allen zu helfen, je nach ihren eigenen Bedürfnissen", erklärt Schlüpmann und betont, es gehe um Hilfe zur Selbsthilfe, um kurzfristige Unterstützungen in Belastungssituationen. "Die Experten für die Kinder sind die Eltern", betont Familienhebamme Annette Vauth, und das sollten sie auch bleiben. Niemand solle sich scheuen, die Hilfe in Anspruch zu nehmen: "Eine Mama, die uns um Unterstützung bittet, ist keine schlechte Mama, sondern eine Mama mit sehr hohem Verantwortungsbewusstsein."

Annette Vauth, die seit 20 Jahren als Hebamme tätig ist, hat festgestellt, dass viele Mütter perfekt sein wollen und Anspruch und Wirklichkeit dann nicht zusammenpassten: "Durch die Fülle an Informationen sind viele noch verunsicherter. Sie erwarten zu viel und zu schnell etwas von ihrem Kind."

Zustimmung von Kinderkrankenschwester Michaela Stölting aus Blomberg. Oft reiche es in der Beratung dann, ein Zahnrädchen zu verstellen, und es gehe allen Beteiligten besser. Gerade auch bei dem zunehmendem Phänomen der Schreibabys müsse man sich genau die Ursachen anschauen. In vielen Fällen sei das häufige Schreien der Säuglinge eine Folge einer traumatischen Geburt. Oder es übertrage sich die Unruhe der nervösen Eltern auf das Kind. "Wir klären die Eltern auf, sie sind der Dreh- und Angelpunkt dafür, dass es dem Kind gut geht und es sich beruhigen kann", betonten die beiden Expertinnen.

Die Gründe, warum Familien Hilfe suchen, seien vielfältig. Wenn beispielsweise ein Frühchen mit hohem Pflegebedarf nach Hause geschickt werde, könne das die ganze Familienkonstellation durcheinanderbringen. Oder auch, wenn der Vater arbeitslos geworden ist und Existenzsorgen die Familie belasten. "Wir haben stets das Ganze im Blick", sagt Schlüpmann. Das bedeutet auch, mal dem Zehnjährigen mit Schulproblemen eine Nachhilfe zu vermitteln oder sich die Beziehung der Eltern anzuschauen.

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