Ein Aufreger wie es ihn in Lage nie wieder gab

Wolfgang Becker

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LZ-Redakteur Wolfgang Becker (links) tauscht sich mit Heinz Walter aus Hörste aus. Walter hat die Bürgerbewegung für Lage ins Leben gerufen. - © Privat
LZ-Redakteur Wolfgang Becker (links) tauscht sich mit Heinz Walter aus Hörste aus. Walter hat die Bürgerbewegung für Lage ins Leben gerufen. (© Privat)

Lage. LZ-Redakteur Wolfgang Becker und der Lagenser Kommunalpolitiker Heinz Walter erinnern sich an die Affäre ums Homöopathische Gesundheitszentrum Lippe (HGL).

Neuer Versuch gegen das HGL - © LZ-Archiv
Neuer Versuch gegen das HGL (© LZ-Archiv)

Einmal aus dem Schatten der Provinzialität heraustreten und große Geschichte schreiben, das dachten sich Politiker in Lage, als sie im Jahr 2000 vom HGL-Virus infiziert wurden. HGL steht für Homöopathisches Gesundheitszentrum Lippe und das größte finanzielle Desaster in der Historie der Zuckerstadt. Am Sternberg im Luftkurort Hörste sollte ohne Unterstützung gesetzlicher Krankenkassen ein Sonderkrankenhaus für Homöopathie entstehen.

Die LZ war vom grandiosen Auftakt im Rathaus bis zum bitteren Ende mit dabei, das den Steuerzahler rund 2,5 Millionen Euro kostete. Im Laufe der Zeit wich meine anfängliche Euphorie für das Projekt der Ernüchterung. Vieles, was die Planer versprochen hatten, erwies sich als Luftnummer.

Ein Beispiel von vielen: Der verkündete Einstieg eines großen Telekommunikations-Unternehmens war tatsächlich nur ein Angebot für den Einbau einer Telefonanlage. Darüber und über andere Ungereimtheiten schrieb die LZ stets kritisch. In der Folge beriet der Rat nur noch nichtöffentlich hinter verschlossenen Türen übers HGL, schnell machte der Begriff „Küchenkabinett" die Runde.

Walter darf HGL-Akten einsehen - © LZ-Archiv
Walter darf HGL-Akten einsehen (© LZ-Archiv)

Als bekanntgegeben wurde, dass die Universität Witten-Herdecke ein homöopathisches Institut im HGL einrichten wollte, schrillten bei Heinz Walter die Alarmglocken. „Auch daran war nicht das Geringste wahr", erinnert er sich. Von Anfang an war er erbitterter Gegner des Homöopathischen Gesundheitszentrums. Aus der von ihm gegründeten „Bürgerinitiative gegen das HGL" entwickelte sich später die Bürgerbewegung für Lage (BBL), die seit 2004 im Rat sitzt. „Ständig wurde Geld ausgegeben für Leistungen, die aber nie erbracht wurden", so der pensionierte Lehrer aus dem Ortsteil Hörste.

Den damals bis zur Kommunalwahl 2004 politisch Verantwortlichen war Walter wegen seiner ständigen Kritik ein Dorn im Auge und nichts wurde unterlassen, ihn mundtot zu machen. Ihm wurde sogar unterstellt, eine HGL-Akte aus dem Rathaus gestohlen zu haben. Die Folge: eine Hausdurchsuchung der Polizei frühmorgens. Dabei hatte die Staatsanwaltschaft Walter die Akte selbst zu Recherchezwecken gegeben.

Das Verfahren wurde schließlich eingestellt, auch gingen die etlichen anderen Klagen der damaligen Verwaltungsspitze gegen den Hörster stets mit einem Triumph für ihn aus.

Auf dem Höhepunkt der Angelegenheit holte seine Bürgerinitiative zum Gegenschlag aus und verklagte die damalige Verwaltungsspitze wegen Untreue, hatte die Stadt doch viel Geld verloren. Niemand von ihr wurde je belangt, das Verfahren vor dem Landgericht in Detmold erst gar nicht eröffnet. Keiner habe sich persönlich bereichert, hieß es vom Gericht. Der Verwaltungsvorstand konnte glaubhaft versichern, stets zum Wohle der Stadt und mit Zustimmung des Rates gehandelt zu haben.

HGL-Gegner wollen Rechtsanwalt stoppen - © LZ-Archiv
HGL-Gegner wollen Rechtsanwalt stoppen (© LZ-Archiv)

Der damalige Vorsitzende Richter am Landgericht Detmold, Michael Reineke, würdigte die lückenlose Berichterstattung der LZ über die "HGL-Affäre": "Da haben Sie es uns allen hier leicht gemacht und uns ein komplettes Bild von den Vorgängen verschafft."

Ein Nachspiel gab es in Sachen HGL bei der Kommunalwahl 2004. Die BBL zog unter Heinz Walter in den Rat ein , und die "alte" Verwaltungsspitze verschwand nach und nach. Was aber blieb, ist ein Haushaltsloch, und das ist 2,5 Millionen Euro tief.

Zum Herunterladen
  1. 170210_1512_bericht_vom_6._januar_2000_verhandlungen_zum_hgl_erfolgreich_abgeschlossen.pdf
  2. 170210_1512_bericht_vom_8._april_2000_der_weg_fuer_das_hgl_ist_frei.pdf
  3. 170210_1513_bericht_vom_1._juni_2000_kein_mietvertrag_fuer_das_hgl.pdf
  4. 170210_1513_bericht_vom_30._januar_2002_bau_gestoppt_hgl_gescheitert.pdf
  5. 170210_1514_bericht_vom_14._februar_2002_politische_konsequenzen.pdf

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