Historiker referiert im Detmolder Landesmuseum über Lippe um 1600

Thorsten Engelhardt

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Das Lippische Landesmuseum in Detmold. - © Sabine Herzog
Das Lippische Landesmuseum in Detmold. (© Sabine Herzog)
Referiert in Detmold: Historiker Lennart Pieper. - © Privat
Referiert in Detmold: Historiker Lennart Pieper. (© Privat)

Kreis Lippe. Kindesentführung, Verfolgungsjagd zu Pferde – der Stoff würde heute mühelos für einen Mantel- und Degen-Film reichen. Für die Menschen der frühen Neuzeit um 1600 aber waren die Hintergründe solcher Ereignisse von existenzieller Bedeutung. Es ging nämlich um das Seelenheil.

Das „konfessionelle Zeitalter" von der Reformation bis zum Ende des 30-jährigen Krieges ist eine Epoche, in der das richtige religiöse Bekenntnis extrem wichtig war. Kriege wurden darum geführt, Zerwürfnisse führten bis in Familien hinein. „Für die Menschen damals ging es um die Erlösung, das ewige Leben", sagt Lennart Pieper. Er forscht als Historiker in Münster zu diesem Thema und wird sich in einem Vortrag in Detmold am Donnerstag, 8. Juni,mit der Frage beschäftigen, was in Lippe davon zu spüren war. Der Titel: „Das Grafenhaus zur Lippe zwischen konfessioneller Einheit und dynastischen Krisen (1548-1650)."

Im Mittelpunkt seiner Betrachtungen steht das Herrscherhaus zur Lippe. Pieper interessiert vornehmlich, wie die Dynastie damit umging, wenn Mitglieder des Hauses in Sachen Glaube eigene Wegegehen wollten.

Dabei stand schließlich seit dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 viel auf dem Spiel. Cuius regio, eius religio lautete der Grundsatz: Wer in einem Land das Sagen hatte, bestimmte über die Religion der Untertanen.

Zu welchen Verwerfungen da Bekenntniswechsel führen konnten, hatten die Lipper zu Beginn des 17. Jahrhunderts schon selbst erlebt. 1609 griffen die Bürger der wohlhabenden Stadt Lemgo zu den Waffen, weil sie am Luthertum festhalten wollten, Landesherr Simon VI. aber den reformierten Glauben angenommen hatte. Sein Sohn Simon VII. hatte im „Röhrentruper Rezess" 1617 der selbstbewussten Hansestadt viele Zugeständnisse machen müssen. In seinen Augen war das Verhalten der Lemgoer aber eine „hochgefährliche cyclopische und barbarische Rebellion". Und außerdem hatte er salopp gesagt das Problem im Haus. Seine zweite Frau Maria Magdalena von Waldeck-Wildungen war Lutheranerin. Die Frage, in welchem Glauben die Kinder als potenzielle Nachfolger aufgezogen wurden, bekam damit Brisanz, schließlich sei es damit auch sofort um Fragen von Herrschaft und Handlungsfähigkeit gegangen, erklärt Pieper.

Nach dem Tode ihres Mannes 1627, so hat Pieper recherchiert, wollte Maria-Magdalena ihren Sohn Jobst Hermann vor ihrem Stiefsohn, dem Thronfolger Simon Ludwig, in Sicherheit bringen, um ihn weiter im lutherischen Bekenntnis erziehen zu können. Sie floh mit ihm zur Abtei Herford, verfolgt von einer Schar Berittener mit Simon Ludwig an der Spitze, der sie aber knapp entwischen konnte.

Neben Simon VII. hat Pieper deshalb besonders auch diesen Simon Ludwig im Blick, der mit Katharina von Waldeck-Wildungen abermals eine Lutheranerin heiratete – eine jüngere Schwester seiner Stiefmutter. Simon Ludwig starb früh, seine Witwe versuchte die Erbfolge für ihre Kinder zu sichern und musste sich dabei gegen Johann Bernhard, den Bruder ihres Mannes durchsetzen. Im Endeffekt siegte Johann Bernhard in dem Streit, denn der eigentliche Thronfolger Simon Philipp zur Lippe starb schon mit 18 Jahren an den Pocken. Johann Bernhard folgte und mit ihm setzte sich auch das reformierte Bekenntnis im lippischen Grafenhaus endgültig durch.

Lennart Pieper hält seinen Vortrag am Donnerstag, 8. Juni, ab 19.30 Uhr im Landesmuseum, Ameide 4, Detmold. Der Eintritt ist kostenfrei, um Anmeldung unter (05231) 99250 wird gebeten.

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