Lemgoer Fotograf verblüfft mit ungewöhnlichen Montagen

Alexandra Schaller

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Schiff - © Merten Kunisch
Schiff (© Merten Kunisch)

Lemgo. Auf dem Lemgoer Marktplatz liegt ein Schiff vor Anker, Elefanten stapfen durch die Mittelstraße, und das Parkhaus Wüste hat plötzlich mehr als zehn Stockwerke. So unwirklich das klingt – auf Merten Kunischs Bildern wirkt es faszinierend real. Dass seine Fotomontagen – auch „Composings" genannt – aber über Facebook und Instagram so gut ankommen, damit hätte der Hobbyfotograf nicht gerechnet.

Inspirieren ließ er sich vom Endzeitfilm „I am Legend", der im verwaisten New York spielt. „Da habe ich mir überlegt, wie Lemgo wohl so verwahrlost aussehen würde", erinnert sich Kunisch. So entstand seine erste Montage: der Lemgoer Marktplatz mit halb zerfallenen Gebäuden und von Grünzeug überwuchert. „Das hat so viel Spaß gemacht, dass ich einfach weiter gemacht habe", sagt er. Und da die Bega jetzt so schön breit sei, könne doch auch mal ein richtig großes Schiff in Lemgo Halt machen. Mehr als 25.000 Menschen hat diese Fotomontage bislang erreicht – allein auf Facebook wurde sie knapp 130 Mal geteilt, mehr als 2000 Menschen folgen Kunisch unter seinem Namen „bildakrobat" auf Instagram. „Denn wie ein Akrobat seine Kunststücke vorführt, so setze ich meine Ideen in Bildern um."

Mit acht Jahren hat Merten Kunisch mit der Fotografie begonnen. „Die Fotos meines Vaters haben es sogar in den ’Stern’ geschafft. Das hat mich motiviert." Zur Konfirmation gab es die erste Spiegelreflexkamera, später ein Praktikum bei einem Lemgoer Fotografen. Den Rest habe er sich selbst beigebracht. Und vor einigen Jahren bereits ein Gewerbe als Fotograf angemeldet – nach der Geburt seiner Tochter aber vorerst pausiert. „Fotografieren ist einfach das, was ich am besten kann. Toll wäre, wenn ich mit meinen Lemgoer Ideen irgendwann meine Existenz bestreiten könnte", verrät der gelernte Fachinformatiker.

Und seine Ideen sind sein Alleinstellungsmerkmal: „Heutzutage meint jeder fotografieren zu können. Aber gutes Equipment ist nicht alles – man braucht auch das Auge dafür. Und: ich versuche es anders anzugehen als andere", sagt er. Erst werde der Ort fotografiert, dann so viele Einzelmotive wie möglich. Abstraktere Objekte wie das Schiff hole er sich über frei zugängliche Internetportale.

Mehrere Stunden sitzt er dann am Computer und bastelt. Für das Schiff habe er etwa 30 verschiedene Einzelmotive verwendet. So wurden die einzelnen Trümmerteile in Kleinstarbeit von ihm ins Bild montiert. „Ganz fertig bin ich nie. Ich könnte immer noch etwas verändern", sagt der zweifache Vater und lacht. Noch vor Ende dieses Jahres sei eine erste Ausstellung geplant. Dort werden die Lemgo-Fotomontagen, aber auch andere von Kunischs Fotografien zu sehen sein. „Die Kanzlei am Wall stellt mir die Räumlichkeiten zur Verfügung", ist Kunisch dankbar. Vier Motive hat er bereits als Postkarten drucken lassen – mit dazugehörigen Sprüchen.

Passend zur Weihnachtszeit stehe die nächste Postkarte bereits in den Startlöchern, verrät er. Und: Auch in benachbarten Städten bestünde Interesse an Kunischs Ideen. Die Postkarten sind in Lemgo in der Buchhandlung Pegasus, bei Lemgo Marketing, im Eiscafé Cavallino und in der Papeterie S erhältlich.

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