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Leopoldshöhe

Lungenkranke trainieren in der Gruppe "Air-Condition" mit dem Leiden zu leben

Sportlehrer Jens Fischer leitet die Teilnehmer in der alten Aula im Schulzentrum an

Leopoldshöhe. Wolfram Kassner ist außer Atem. Der 55-Jährige hat sich während der Übungen in der alten Aula des Schulzentrums ordentlich angestrengt. Doch Kassner ist schnell außer Atem, denn er leidet an COPD - einer chronisch obstruktiven Bronchitis. Deswegen nimmt er jede Woche an den Übungen der Selbsthilfegruppe "Air-Condition" teil. 

Die COPD entwickelt sich über Jahre. Erkrankte leiden an Husten, Auswurf und unter Atemnot bei starker Anstrengung.

Information

Das Training

Das Lungensport-Training findet immer montags von 16.15 bis 17.30 Uhr in der Grundschule Nord in Leopoldshöhe statt. Für den Notfall steht der Arzt Boris Hoffmann zur Verfügung. Termine in den Sommerferien werden gesondert abgesprochen unter Tel. 0151/10632469.

Die meisten Teilnehmer sind unter 60 Jahre, einige noch berufstätig, wie Elke Will: "Ich bin Busfahrerin", sagt sie. Gleich nach der Sportstunde muss sie zum Dienst. Andere wie Kassner sind in Rente. "Ich kann auf ebener Strecke gut gehen, aber sobald es etwas bergauf geht, bekomme ich Atemnot", sagt er. Die Ärzte haben ihm gesagt, seine Krankheit sei durchs Rauchen verursacht. "Kassner zuckt mit den Schultern: "Ich habe schon lange aufgehört."

Die Übungen in der Lungensportgruppe sollen den Teilnehmern helfen, einen Teil ihrer Leistungsfähigkeit zu erhalten. Weil sie wegen ihrer zunehmenden Atemnot immer mehr Mühe haben, sich zu bewegen, verkümmern die Muskeln. Mit elastischen Stäben, Bändern, Bällen und anderen Geräten üben sie deshalb ihre Koordinationsfähigkeit und stärken gleichzeitig bestimmte Muskelpartien in Rücken und Brust.

Jens Fischer, Sportlehrer im Dienst der Gemeinde Leopoldhöhe, leitet die Gruppe an. Er hat dafür die spezielle Trainerlizenz erworben. "Die Teilnehmer dieser Gruppe können noch richtig viel", sagt Fischer. In einer anderen Gruppe seien die meisten schon mit sehr einfachen Übungen überfordert. Dort seien die meisten auf Sauerstoffgeräte angewiesen.

Regelmäßig fragt Fischer nach den Übungen, wie sich die Teilnehmer auf einer Skala von null, nicht anstrengend, bis zehn einstufen. Bei Stufe "vier" werden die Übungen als anstrengend empfunden. "In der anderen Gruppe melden manche Teilnehmer wesentlich höhere Stufen", so Fischer.

Die Teilnehmer bekommen die Reha-Sport-Übungen auf Rezept, sagt Fischer. 50 bis 120 Einheiten können sie innerhalb von 36 Monaten absolvieren. Im April 2014 gründete Hermann Berends die Selbsthilfegruppe für Lungenkranke. Er leidet selbst an schwerer COPD. Die inzwischen 23 Mitglieder wählten ihn zum Vorsitzenden.

Elke Will hatte von der Gruppe in der Zeitung gelesen. "Wenn ich hier raus gehe, geht es mir besser", sagt sie. So empfindet das auch Wolfram Kassner. "Die Übungen helfen mir."

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