Schulministerin Sylvia Löhrmann informiert sich über Arbeit des Freilichtmuseums

Politische Bildung als Auftrag

Gunter Held

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Oerlinghausen. Die Zeit des Nationalsozialismus aufzuarbeiten und in Bezug zum Rechtsextremismus heute zu setzen, ist Teil der Arbeit des Archäologische Freilichtmuseums. NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann ließ sich das erklären.

Erinnerungskultur ist Sylvia Löhrmann ein persönliches Anliegen. Als NRW-Schulministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes nimmt sie sich Zeit, um Gruppen bei Besuchen von Kriegsgräberstätten oder ehemaligen Konzentrationslagern zu begleiten. „Diese Opferorte lösen immer tiefe Betroffenheit aus“, sagte sie. 

Information
Preis für Museumsleiter

Roeland Paardekooper, Leiter des Archäologischen Freilichtmuseums, erhält den Museum-Horizon-Preis des schwedischen Hans-Manneby-Gedächtnisfonds für seinen Beitrag zur Professionalisierung der Archäologischen Freilichtmuseen auf den Gebieten Finanzmanagement, Interpretation und Öffentlichkeitsarbeit. Mit seiner Arbeit setzt er sich ein für eine dauerhafte internationale Zusammenarbeit und eine lebendige Vermittlung der Frühgeschichte.

Mit dem Archäologischen Freilichtmuseum besuchte sie gestern zwar keinen Opferort, aber einen Ort, an dem die Nazis ihr spezielles Bild der Germanen stilisierten. Museumsleiter Karl Banghard arbeitet seit gut einem Jahr die Geschichte des 1936 als Germanengehöft gegründeten Museums auf und setzt es in Bezug zur heutigen Gesellschaft.

Moritz Ilemann, Vorsitzender des Museumsvereins, sagte zum Selbstverständnis des Freilichtmuseums: „Wir wollen zusätzlich zu unserem ,Leben in der Steinzeit‘ ein Zentrum für politische Bildung hinsichtlich des Nationalsozialismus und dessen Ableger in der heutigen Gesellschaft errichten.“ Mehrfach nahm er Bezug auf Berichte in der LZ über Neonazis und eine Gerichtsverhandlung, in der Ende vergangenen Jahres das Museum vom Neonazi-Funktionär Bernd Stehmann verklagt worden war, weil Museumsmitarbeiter ihm Hausverbot erteilt hatten. Die Klage wurde abgewiesen (die LZ berichtete).

Karl Banghard erklärte, der zunächst positiv besetzte Begriff der Germanen sei schnell von rechtsextremen Gruppen für deren Zwecke vereinnahmt wurden. Er zeigte Löhrmann Bilder aus dem polnischen Wolin, wo eines der größten Wikingertreffen Europas stattfindet.

„Dort fand ein riesiger Aufmarsch der extremen Rechten statt“, sagte er. Zuhauf seien dort Besucher mit Naziemblemen zu sehen. Offen würden dort Schmuckperlen mit Hakenkreuzen angeboten, was in Deutschland strafbar ist. Die rechte Szene mache sich die Wikinger zu eigen. „Dabei haben Hakenkreuze rein gar nichts mit Wikingern zu tun“, sagte er.

Um die Rolle des Museums während der Nazizeit zu verdeutlichen, sollen einige Häuser des Museums mit einer Glasscheibe geteilt werden. Auf der einen Seite wird das Haus so eingerichtet, wie es in der Nazizeit ausgesehen hat, auf der anderen Seite wird gezeigt, wie es wohl tatsächlich ausgesehen haben mag. Die Erklärungen werden in der Mitte zu sehen sein.

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