Leichenfund in Hille: Mutmaßlicher Täter schweigt zu den Vorwürfen

Stefan Koch und Nina Könemann

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Jörg W. wird verdächtigt, den 30-jährigen Stadthäger Fadi S. auf einem heruntergekommenen Gehöft in Neuenbaum getötet zu haben. - © Stefanie Dullweber
Jörg W. wird verdächtigt, den 30-jährigen Stadthäger Fadi S. auf einem heruntergekommenen Gehöft in Neuenbaum getötet zu haben. (© Stefanie Dullweber)

Hille. Nach der Festnahme des 51-jährigen Hillers Jörg W. in einem bayerischen Ort kurz vor der österreichischen Grenze ermittelt die zuständige Mordkommission derzeit in alle Richtungen. Jörg W. wird verdächtigt, den 30-jährigen Stadthäger Fadi S. auf einem heruntergekommenen Gehöft in Neuenbaum getötet zu haben. Die Leiche des zweifachen Familienvaters wurde am Freitag dort gefunden. Bereits am Sonntag vergangener Woche hatte die Familie des Opfers den Mann als vermisst gemeldet.

Wie die Polizei in Stadthagen auf Anfrage des Mindener Tageblatts (MT) bestätigte, wurde nach Aufgeben der Anzeige mit einem Großaufgebot nach dem Vermissten gesucht. Warum gleich zu Beginn alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, dazu äußert sich die Polizei derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen nicht.

Laut MT-Informationen hatte die Polizei bereits am Donnerstag - schon einen Tag vor Auffindens der Leiche - nach dem 30-jährigen Stadthäger in Hille gesucht. Mit Hilfe eines Helikopters und Leichenspürhunden sollen die Ermittler das Anwesen des mutmaßlichen Täters Jörg W. durchkämmt haben. Die Polizei Bielefeld bestätigte diese Suche auf Anfrage nicht, und verwies auf laufende Ermittlungen.

Der Täter selbst schweigt laut Auskunft der Bielefelder Polizei derzeit zu den Vorwürfen. Er sitzt in Bayern in Untersuchungshaft und soll im Laufe der Woche in den Norden verlegt werden, so der zuständige Staatsanwalt Veit Walter. Wann er offiziell verhört wird, dazu machte Walter keine Angaben. Auch zu den weiteren Ermittlungen äußerte er sich nicht. Ebensowenig zu der Frage, in welcher Beziehung Opfer und mutmaßlicher Täter zueinander standen und wieso Jörg W. des Mordes verdächtigt wird.

Die Polizei Bielefeld sucht außerdem weiter nach dem 71-jährigen Besitzer des Gehöfts, auf dem die Leiche gefunden wurde. Er wird seit etwa einem Jahr vermisst wird. Ob auch er einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel, ist derzeit noch unklar. Voraussichtlich am Montag oder Dienstag wollen die Ermittler das Anwesen in Neuenbaum noch einmal mit Leichenspürhunden aufsuchen.

Die Familie des Opfers, eine libanesische Großfamilie aus Stadthagen, hielt am Wochenende gleich mehrere Trauerfeiern ab. Laut Auskunft der Polizei Schaumburg sind Angehörige in ganz Norddeutschland verteilt. Am Freitag war den Angehörigen aus Stadthagen die Todesnachricht überbracht worden. Sie machten den Beamten daraufhin Vorwürfe nicht angemessen gearbeitet zu haben und damit am Tod des Familienvaters eine Mitschuld zu tragen. Als die Stimmung emotionaler wurde, zogen sich die Beamten aus Gründen der Deeskalation zurück. Die Polizeiwache in Stadthagen wurde daraufhin von Beamten aus Minden gesichert.

Die Lage habe sich mittlerweile beruhigt, so die Polizei. Die Familie werde nicht beobachtet und habe auch nicht unter Beobachtung gestanden. Dem sei ein klärendes Gespräch mit einem von der Familie autorisierten Ansprechpartner vorausgegangen. Im Internet gab es außerdem Todesdrohungen von Angehörigen gegen die Familie des mutmaßlichen Täters. Die Polizei teilte auf Anfrage mit, dass die Äußerungen Teil der Ermittlungen seien. "Auch Gefahrenabwehr gehört zu unseren Aufgaben", so Staatsanwalt Veit Walter.

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