Detmolder Absolventin gründet Musikschule in Burkina Faso

Barbara Luetgebrune

Maria Behrens mit Schülern ihrer Musikschule in Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos. - © Maria Behrens
Maria Behrens mit Schülern ihrer Musikschule in Ouagadougou, der Hauptstadt Burkina Fasos. (© Maria Behrens)

Detmold. „Eigentlich", sagt Maria Behrens, „hat jedes Kind dort Lust, Musik zu machen." Dort, das ist Ouagadougou. 2015 unterrichtet die Absolventin der Detmolder Hochschule für Musik in der Hauptstadt von Burkina Faso an einer Grundschule und erlebt, wie die Schüler fasziniert sind von ihrem Geigenspiel. „400 Kinder, die unbedingt selbst Geige spielen wollten. Das haben wir dann über die folgenden Wochen gemacht, jeder durfte mal zehn Minuten spielen", erinnert sich Maria Behrens. „Das war aber viel zu wenig. Ich wollte gern eine langfristige Hilfe an den Start bringen." Sie gründet einen Verein und eine Musikschule, und gibt heute bereits 35 Kindern, zumeist aus armen Verhältnissen, kostenlosen Musikunterricht. Bald soll auch ganzheitliche Bildung auf dem Stundenplan stehen.

Das gesamte Projekt hat eine enge Verbindung zu Detmold. Genau gesagt gründet Maria Behrens mit ihren Mitstreitern nämlich sogar zwei Vereine. Neben dem Trägerverein in Burkina Faso gibt’s noch einen Förderverein mit Sitz in Detmold. „Den brauchten wir, um Spenden erhalten zu können", sagt die Musikerin. Eine der ersten größeren Spenden, die das Engagement in Ouagadougou überhaupt möglich machen, bekommt der Verein 2018 vom Rotary Club Detmold, Distrikt 1900. „So konnte ich Instrumente, zum Beispiel Ukulelen, kaufen, den Transport dafür und für viele gespendete alte Geigen bezahlen, vor Ort Räume anmieten und Musiklehrer einstellen", erzählt die Gründerin.

Als sie 2015 zum Unterrichten an die Grundschule in Ouagadougou geht, hat sie soeben ihr Referendariat am Leopoldinum in Detmold absolviert. „Ich wollte noch mal was anderes sehen, ehe ich dann voraussichtlich hier im Schuldienst gelandet wäre", sagt sie. Das ist inzwischen kein Thema mehr, ihre Zukunft sieht Maria Behrens in Burkina Faso. Was fasziniert sie so an ihrer Arbeit in dem westafrikanischen Land, wo sie selbst, so berichtet sie, sehr bescheiden lebe? Die Musikerin überlegt nur kurz. „Die Kinder", sagt sie. „Die sind so engagiert bei der Sache, sie wollen Musikunterricht haben, sie üben, wollen unbedingt weiter machen und sagen nach jeder Stunde Danke." Klar liege das zum Teil schlicht daran, dass die Kinder dort nicht so überflutet seien von Angeboten, wie das hier der Fall sei. Eine zentrale Rolle spiele aber auch eine grundsätzlich andere Einstellung zum Leben. „Die Menschen dorthaben fast nichts und geben trotzdem. Da ist so viel Dankbarkeit – es kommt ganz viel zurück."

Ihre Schüler sind zwischen 5 und 15 Jahre alt, einige kommen aus so armen Familien, dass ihre Eltern kaum in der Lage sind, das Schulgeld für den regulären Schulunterricht zu zahlen. Andere stammen auswohlhabenden Verhältnissen – „ihre Eltern wissen, wie wichtig Musik ist, und zahlen für den Unterricht. Die soziale Schere ist sehr groß", sagt Maria Behrens. „Aber gedacht ist das Projekt in erster Linie für Kinder, die sich den Unterricht nicht selbst leisten können."

Fleißige Schüler unterrichten weiter

Und die ihn als Chance sehen. Einer ihrer Schüler etwa hat so fleißig geübt, dass er nach vier Monaten selbst in der Lage war, Anfänger in ihren allerersten Geigen-Übungen zu unterrichten. Andere haben sich durch ihr Talent und ihren Eifer für ein Ensemble qualifiziert, das in einer Besetzung mit Geigen, Cello, Ukulelen, Keyboard, E-Bass, Djembé und Kalebasse regelmäßig Konzerteinladungen bekommt und bei öffentlichen Veranstaltungen auftritt. „Musik ist in Burkina Faso ein guter Weg, um sich zu präsentieren", sagt Maria Behrens. „Und die Schüler, die im Ensemble sind, empfinden es als große Ehre, dort mitzuspielen. Sie tragen Konzertkleidung, die eigens für sie geschneidert worden ist, und kommen an besondere Plätze wie die Deutsche Botschaft, den Sitz des EU-Botschafters oder auch ins zentrale Rathaus. Sie erleben Dinge, die sie ohne die Musik nicht erleben würden." Mit dem Ensemble, das bereits eine erste CD eingespielt hat, auf Konzerttour nach Deutschland zu gehen, am besten im Austausch mit einem deutschen Jugendorchester, das ist so ein Traum von Maria Behrens. Zukunftsmusik – bislang jedenfalls.

Zunächst steht die Ausweitung des Stundenplans auf dem Programm, so dass an der Schule in Ouagadougou demnächst nicht nur Musik, Kunst, Theater und Tanz unterrichtet werden kann (im Sommer übrigens zusätzlich in Form von Ferienkursen), sondern auch Workshops, die Bereiche wie Kochen, Hauswirtschaft, Gesundheit, Ernährung, Hygiene, Umweltschutz, Frauen- und Familienrecht oder Berufsfindung umfassen. Aktuell bauen Maria Behrens und ihre Mitstreiter, allen voran die Vize-Vereinschefin Laura Relitzki, eine Schulbibliothek auf – ein Container voll französischsprachiger Bücher, die sie hier als Spenden gesammelt haben, ist derzeit auf dem Weg nach Burkina Faso. Außerdem haben die beiden gerade 44 Pakete gepackt – der Inhalt: Instrumente, Noten, Spiel- und Malsachen, Kinderkleidung, aber auch 15 Laptops: „Eine Spende von Phoenix Contact", berichtet sie.

Die Corona-Auszeit – seit März ist die Musikerin aufgrund der Pandemie in Detmold – hat sie genutzt, um Sponsoren zu suchen, Förderanträge zu schreiben und viele bürokratische Dinge zu erledigen. Jetzt möchte sie aber dringend zurück nach Burkina Faso. Was sie vermisst? „Die Kinder!", sagt sie. Und das beruht ganz offensichtlich auf Gegenseitigkeit: „Ich kriege täglich Whatsapp-Nachrichten und Videos von ihnen. Ich weiß, welche Stücke sie gerade spielen, welche Lieder sie singen und was sie zu Mittag gegessen haben."

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