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Augustdorf

Das Gesicht der Bundeswehr ist in Augustdorf stationiert

Augustdorf/Hövelhof. An der Bushaltestelle, der Straßenkreuzung oder im Nachrichtenmagazin: Manchmal passiert es, dass Annika Fleer sich selbst begegnet. Oder dass ihr Freunde aus ganz Deutschland Bilder mailen, große Plakatwände, auf denen die 26-Jährige zu sehen ist, wie sie Medikamente aus einem Regal nimmt. „Wer verteidigt eigentlich die Abwehrkräfte unseres Landes?“ ist darunter zu lesen.

Annika Fleer zum Beispiel. Vor gut drei Jahren ist die Hövelhoferin in den Dienst der Bundeswehr eingetreten. Jetzt ist die in Augustdorf stationierte Soldatin deren Gesicht für eine bundesweite Werbekampagne.

Vom Feldwebel zum Model - wie geht das? Annika Fleer lacht: „Wir saßen dienstags wie immer in einer Beseprechung, da tauchte diese Mail auf: Werbegesichter gesucht. Und ich hab gedacht, das ist doch ganz witzig.“ Die 26-Jährige füllte einen Fragebogen aus – erst einmal nur so zum Spaß. Und schickte ein Foto mit: Sie gemeinsam mit dem Skelett, das im Aufenthaltsraum des Sanitätsversorgungszentrum in der Augustdorfer Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne in der Ecke steht und grinst.

Das gefiel den Machern der Kampagne offenbar. Kurz darauf folgte ein halbstündiges Telefoninterview - „da war ich einfach wie ich bin, ganz locker - und am Ende dachte ich, ups, das war’s dann wohl, ich bin raus.“
War sie aber nicht, im Gegenteil: Im August folgte die Einladung zum Fotoshooting im Bundeswehrkrankenhaus Ulm. „Einen ganzen Tag hat das gedauert. Fünf Stunden habe ich allein an dem Regal gestanden“, erinnert sie sich. Doch es habe auch riesigen Spaß gemacht.

Die Geschichte, die in der Werbekampagne erzählt wird, ist die wahre Geschichte der Annika Fleer: Nach dem Realschulabschluss begann sie eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten, arbeitete einige Jahre in der Praxis Dr. Güttner in Oerlinghausen-Lipperreihe. Zufällig erfuhr sie von den Möglichkeiten, die ihr die Bundeswehr bieten könnte: „Das war bei einer Familienfeier, da fragte eine entfernte Verwandte, die selbst Oberfeldärztin ist, ob das denn nichts für mich wäre.“

Annika Fleer sprach mit dem Karriereberater der Bundeswehr in Detmold, begann Ende 2012 mit einem eisernen Sport- und Fitnessprogramm, um den Einstellungstest im April zu schaffen. Alles lief wie am Schnürchen. Im Oktober 2013 startete ihre „grüne“ Grundausbildung in Ahlen: „So richtig mit Gesicht schwarz machen und allem drum und dran. Da musste man sich echt überwinden“, erinnert sie sich lachend.

Aber es sei auch eine „super Herausforderung“ gewesen: „Wenn man nach einem 30-Kilometer-Marsch mit vollem Gepäck zum Kasernentor hereinkommt, das ist schon ein tolles Gefühl.“ Die körperliche Anstrengung gefiel ihr ebenso wie die Kameradschaft und die Ausbildung an der Waffe.

Annika Fleer ist Teil einer Bundeswehrkampagne. Als Model bewarb sie sich mit einem Selfie aus dem Aufenthaltsraum des Sanitätszentrums Augustdorf, wo ein Skelett in der Ecke steht. - © Vera Gerstendorf-Welle
Annika Fleer ist Teil einer Bundeswehrkampagne. Als Model bewarb sie sich mit einem Selfie aus dem Aufenthaltsraum des Sanitätszentrums Augustdorf, wo ein Skelett in der Ecke steht. (© Vera Gerstendorf-Welle)

So hat die ledige, junge Frau in den vergangenen drei Jahren viele Lehrgänge absolviert, inzwischen ist sie Oberfeldwebel, die fünfmonatige Ausbildung zur Fachwirtin für ambulante medizinische Versorgung hat sie ebenfalls bestanden. Im Sanitätsversorgungszentrum in Augustdorf, in dem die rund 2.600 Soldaten des Standortes betreut werden, leitet sie das Büro des Truppenarztes, ist seine rechte Hand. Zu ihren Aufgaben gehören zum Beispiel die Vorbereitung der Eignungstests und Untersuchung der Soldaten.

Für 13 Jahre hat sich Annika Fleer bei der Bundeswehr verpflichtet – dann ist sie Mitte 30 und könnte in einen zivilen Beruf zurückkehren. Aus heutiger Sicht plant sie das jedoch nicht. Sie möchte Berufssoldatin werden. Und ihr nächstes Ziel? „Ein freiwilliger Auslandseinsatz – zum Beispiel im Kosovo oder in Afghanistan.“ Was die Kameraden dort leisteten, sei „wirklich stark“.

Information
Bundesverteidigungsministerium sucht Nachwuchs
Die Kampagne unter dem Motto „Mach, was wirklich zählt" wird von der Agentur Castenow Communications im Auftrag des Bundesverteidigungsministeriums umgesetzt.

Der Sanitätsdienst ist ein Teilbereich der Kampagne. Daran haben fünf Protagonisten teilgenommen. Haushaltsmittel in Höhe von 2,5 Millionen Euro standen zur Verfügung.

Die Kampagne dient der Personalgewinnung: Derzeit sind rund 300 offene militärische Stellen für Ärzte und rund 460 offenen Stellen für Gesundheits- und Krankenpfleger zu besetzen. Es gibt 31 verschiedene Berufe im Sanitätsdienst.

Ende Oktober 2016 waren von den rund 176.800 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr mehr als 19.600 im Zentralen Sanitätsdienst tätig, davon rund 8.000 Soldatinnen.
www.bundeswehrkarriere.de

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