Zwei Vereine betreiben Moscheen im Kreis Lippe

Milli Görüs und Ditib stehen hinter elf muslimischen Gotteshäusern im Kreisgebiet

Erol Kamisli

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Milli Görüs und Ditib stehen hinter elf muslimischen Gotteshäusern im Kreisgebiet
Milli Görüs und Ditib stehen hinter elf muslimischen Gotteshäusern im Kreisgebiet

Kreis Lippe. Die von einem Brandanschlag betroffene Moschee in Bad Salzuflen ist eine von vieren in Lippe des Vereins Milli Görüs, der vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Zudem gibt es sieben weitere Ditib-Moscheen im Kreisgebiet.

Trotz der unterschiedlichen Bewertung durch die Sicherheitsbehörden arbeitet Hauptkommissar Joachim Peters von der Kreispolizeibehörde Lippe seit 2000 eng mit beiden Organisationen zusammen. Seit drei Jahren ist er offiziell Kontaktbeamter zu islamischen Institutionen. "Die Kontakte sind wirklich sehr gut, und wir arbeiten auf einer vertrauensvollen Basis", betont Peters. Vor einigen Wochen sei er gemeinsam mit den Vereinsvertretern nach Berlin gefahren, um sich den Bundestag anzuschauen und mit Abgeordneten zu diskutieren. "War wirklich schön", betont Kontaktbeamter Joachim Peters.

Auf die Frage, ob es ihn nicht störe, dass Einrichtungen, mit denen er zusammenarbeite, vom Verfassungsschutz beobachtet würden, antwortet er pragmatisch. "Wir leben hier mit den örtlichen Gegebenheiten, und nicht jeder Muslim, der solch eine Einrichtung besucht, ist radikal", so Peters. Er plädiere für Differenzierungen und sei gegen Allgemeinplätze.

Insgesamt sind es elf Moscheen und zwei Kulturvereine - afghanisch und alevitisch -, die sich um religiöse Angelegenheiten kümmern. Andere Vereine und Organisationen sind den Behörden nicht bekannt. Hinter vier Moscheen in Detmold, Lage, Lemgo und auch die Vahdet-Moschee in Bad Salzuflen steht die Organisation Milli Görüs ("Nationale Sicht"). In vielen Staaten und Ländern ist die Organisation wegen islamistischer Tendenzen umstritten - sie taucht unter anderem in den Verfassungsschutzberichten des Bundes- und Landesinnenministeriums auf. Darin heißt es, dass die "Islamische Gemeinschaft Milli Görüs e.V." (IGMG) mit 31.000 Mitgliedern die größte islamistische Organisation Deutschlands sei.

Aufgrund ihrer zahlreichen Einrichtungen und vielfältigen Angebote erreiche sie jedoch einen weitaus größeren Personenkreis, wobei nicht alle Mitglieder und Anhänger der IGMG islamistische Ziele verfolgten oder unterstützten. Das NRW-Innenministerium attestiert der Bewegung antisemitische Züge und eine deutliche Gegnerschaft zur demokratischen Grundordnung. Die Verfassungsschutzämter sind der Überzeugung, dass die IGMG ein antidemokratisches Staatsverständnis zeigt sowie westliche Demokratien ablehnt. Gerichtsprozesse, die die IGMG gegen diese Feststellungen geführt hat, wurden von ihren Anhängern verloren.

Die Organisation bestreitet, eine Form des Islam zu propagieren, die gegen die politisch-gesellschaftliche Integration der in der Bundesrepublik lebenden Menschen türkischer Abstammung gerichtet ist. Die IGMG versuche über einen umfangreichen Katalog von Angeboten wie Korankursen, Hausaufgabenbetreuung, Ferienlager oder Sportaktivitäten, Muslime durch alle Lebensbereiche an sich zu binden und mit der politischen Ideologie zu indoktrinieren, so der NRW-Verfassungsschutzbericht.

Die Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religionen (Ditib) steht hinter sieben lippischen Moscheen - in Augustdorf, Lügde, Detmold, Lage, Horn-Bad Meinberg, Lemgo und Bad Salzuflen - und wird nicht von den Sicherheitsbehörden beobachtet. Sie wurde Anfang der 80er Jahre vom türkischen Staat gegründet.

Zum einen sollte Ditib die religiöse Betreuung der Gastarbeiter in Deutschland sichern. Man wollte dieses Thema nicht Vereinen überlassen, die Oppositionsparteien nahestanden und auf die die türkische Religionsbehörde keinen Einfluss hatte. Zum anderen hatte Ditib den Auftrag, dafür zu sorgen, dass die Auswanderer ihrer Heimat nicht verloren gehen.

Formal ist die Organisation ein Verein, faktisch aber der verlängerte Arm des türkischen Amts für religiöse Angelegenheiten (Diyanet): Die Imame werden von dort bezahlt; der Vorsitzende des Vereins war bisher immer ein türkischer Diplomat. Mit mehr als 850 Moscheegemeinden, von denen viele mittlerweile die Hinterhöfe verlassen haben und in stattliche Neubauten umgezogen sind, unterhält sie 40 Prozent der muslimischen Gebetshäuser in Deutschland.

"Wir sind besorgt über die Übergriffe auf unsere Moscheen", sagt Ditib-Generalsekretär Dr. Bekir Alboga. Seine Organisation sei 1984 mit 230 Moscheegemeinden gestartet und habe in 30 Jahren sehr viel Zuspruch erfahren. "Wir haben ein gemäßigtes Islamverständnis und agieren völlig transparent", fügt er hinzu. Zu Milli Görüs wolle er nichts sagen. "Es könnte falsch verstanden werden", so Dr. Alboga.

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