Bad Salzuflen-Lockhausen. Stolz auf das Erreichte und Demut, dass nichts selbstverständlich ist – wenn Andreas Fritsch an seinem Schreibtisch sitzt, hat er diese beiden Gegenpole auch optisch jederzeit vor Augen. Auf der einen Seite seine Auszeichnungen als Top-Manager im Dachser-Konzern mit weltweit mehr als 25.000 Mitarbeitern, auf der anderen Seite ein Bild, das auf den ersten Blick irritiert.
Eine trostlose, graue Kulisse; ein einsamer Ruderer, der zusätzlich ein überdimensioniertes Nashorn transportiert – es gibt mit Sicherheit fröhlichere Bilder für den Arbeitsalltag. Für Andreas Fritsch, der sich selbst als Genießer und seine vier Büro-Wände mit Blick auf die Natur und die riesige Logistikhalle als Wohlfühlort beschreibt, ist das kein Problem: „So habe ich mich gefühlt, als ich im Jahre 1990 als junger Niederlassungsleiter in Bielefeld angefangen habe. Das ist heute ein Mahnmal für mich, um nie zu vergessen, woher ich komme", erklärt der 54-Jährige.
Vor mittlerweile 37 Jahren hat der gebürtige Frankfurter direkt nach der Schule als Speditionskaufmann bei Dachser angeheuert. Nach vielen Seminaren und Fortbildungen folgte dann der Wechsel zum Standort OWL – ein Kulturschock. „Ich habe die Ostwestfalen aber schnell als tolle Menschen kennengelernt", kann er darüber heute lachen. Balsam auf die entwurzelte Seele war natürlich auch der berufliche Erfolg. Heute zählt die seit zwölf Jahren in Lockhausen beheimatete Niederlassung nach seinen Angaben zu den qualitativ hochwertigsten aller weltweit 428 Standorte des Speditions-Riesen.
Blickt er aus dem Fenster seines Büros, kann er einige der 160 Verladetore sehen, durch die täglich rund 2.000 Tonnen Ware wandern. Gearbeitet wird in der mehr als 10.000 Quadratmeter großen Umschlaghalle rund um die Uhr, wobei der frühe Morgen und der späte Nachmittag die Hauptzeit für die Ent- und Verladung ist. Große Monitore oder gar Listen, um das Tagesgeschäft zu kontrollieren, sucht man in seinem Büro vergeblich. Mit dieser Aufgabe betraut Andreas Fritsch seine Abteilungsleiter.
„Wir haben uns vor einem Jahr entschlossen, von viel Papier auf ein papierloses Büro umzustellen", erklärt er. Seitdem erledigt er seine Korrespondenz konsequent per PC oder Tablet. Das hat auch den Vorteil, dass er seine Unterlagen immer handlich bei sich hat. Angesichts der Tatsache, dass er 50 Prozent der Arbeitszeit auf Terminen und Sitzungen in Deutschland und darüber hinaus verbringt, ein großer Vorteil. So ist er unter anderem Sprecher der Dachser-Niederlassungsleiter in Europa.
Sein Büro indes wirkt nicht nur auf dem Schreibtisch ausgesprochen aufgeräumt. „Weniger ist manchmal mehr", sagt der 54-Jährige. Vier Bonsai-Bäumchen verleihen dem Raum eine grüne Note, fügen sich aber zugleich ins minimalistische Gesamtbild ein. Unter den drei besagten Urkunden stehen jeweils die dazugehörigen Preise auf einer Anrichte. Auch sonst nehmen Mitbringsel, die Andreas Fritsch von seinem Arbeitgeber bekommen hat, zentrale Plätze ein.
„Einmal im Jahr findet eine Weltkonferenz mit der oberen Management-Ebene und den Eigentümern statt. Da gibt es immer kleine Andenken mit einem Bezug zur Firma", erklärt er. So stehe ein Kompass für den gradlinigen Weg, die Skulptur einer Erdmännchen-Gruppe für die Achtsamkeit in der Gruppe.
Spricht und schwärmt der Top-Manager über seinen Arbeitgeber und die Dachser-Philosophie der lokalen Verantwortung im Rahmen zentraler Spielregeln, wird schnell deutlich, dass Arbeit für ihn mehr als Geldverdienen bedeutet. Im Umkehrschluss gibt er allerdings auch freiheraus zu: „Meine eigene Work-Life-Balance habe ich nicht gut im Griff. Wenn ich mir Zeit erarbeitet habe, investiere ich die gerne in neue Projekte."
Immerhin: Gefragt, welche Gegenstände er im Brandfall in Sicherheit bringen würde, nennt er an erster Stelle ein gerahmtes Foto, das ihn mit seiner Tochter zeigt – einer der wenigen persönlichen Gegenstände im Büro. Und was ist mit der Bayern-München-Tasse samt individuellem „Andreas"-Aufdruck? „Die kann ich ja nachkaufen", lacht der leidenschaftliche Fan des deutschen Rekordmeisters. Dann doch lieber das iPad in die andere Hand.
1. Ich bin derzeit sehr zufrieden, weil...
ich tolle Mitarbeiter um mich herum habe, die gemeinsam mit uns die Entwicklung professionell vorantreiben und die auch unter Stress noch lachen können.
2. Gegenwärtig läuft es bei uns gut, weil...
wir ein extrem gutes Herbstgeschäft haben. Der Herbst ist generell Speditions-Hauptsaison, aber diesmal ist es besonders gut.
3. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass...
junge Menschen ihre Zukunftschance nutzen, die sie bekommen – gerade auch im gewerblichen Bereich.
4. Meine Mittagspause verbringe ich...
ab und zu in der Kantine. Als Raucher aber auch öfter mal draußen oder mit einer Runde durch das Haus.