Werner Korzen schafft filigrane Zierfiguren aus Holz

Alexandra Schaller

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Umgeben von seinen bereits fertiggestellten Figuren macht sich Werner Korzen an sein nächstes Projekt. - © Alexandra Schaller
Umgeben von seinen bereits fertiggestellten Figuren macht sich Werner Korzen an sein nächstes Projekt. (© Alexandra Schaller)

Bad Salzuflen. Wenn Werner Korzen (67) durch den Wald geht, dann sieht er keine Fichten, Eichen oder Lärchen. Er sieht Eichhörnchen, Wildschweine, Eulen und Adler. Werner Korzen ist Holzschnitzer – und die Ideen zu seinen realistischen Holz-Tierfiguren hat er meist schon, wenn er die unterschiedlich gewachsenen Baumstämme betrachtet. Seit elf Jahren steht er alljährlich auf dem Weihnachtstraum und erzeugt mit seinen Kettensägenarbeiten und den Holzfiguren große Augen bei den Besuchern.

Seine Liebe zum Rohstoff Holz wird schon als kleiner Junge geweckt. Die Familie hat wenig Geld, und sein Vater zaubert als Tischler immer wieder „Sachen aus dem Nichts", erinnert sich Korzen. Einmal bekommt er zu Weihnachten eine Art Musikinstrument aus Holz und mit Saiten bespannt geschenkt. „Das werde ich nie vergessen."

Umgeben von seinen bereits fertiggestellten Figuren macht sich Werner Korzen an sein nächstes Projekt. - © Alexandra Schaller
Umgeben von seinen bereits fertiggestellten Figuren macht sich Werner Korzen an sein nächstes Projekt. (© Alexandra Schaller)

Doch Werner Korzen wird vorerst nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten. 40 Jahre lang arbeitet er als OP-Pfleger im ehemaligen Gesundheitszentrum in Schötmar. 1984 baut er sich und seiner Familie ein Haus in Kalletal-Talle, und erstmals wagt sich Werner Korzen an die Motorsäge. Er startet mit Garten- und Blumenbänken sowie Tischen aus Naturhölzern. Und die kommen an: „Immer wieder wurden wir von Dorfbewohnern oder Wanderern auf die Möbel angesprochen", erzählt Korzen. Und immer wieder fertigt er nun auch für andere solche Stücke.

Schließlich besorgt er sich einen Gewerbeschein – inzwischen betreibt eine Tischlerei in Lemgo-Matorf und lebt von seinen Holzarbeiten. Heute beliefert er nach seiner Aussage alle gut 120 AWO-Kindergärten in Ostwestfalen-Lippe mit großen und kleinen Sitzgelegenheiten für die Gärten.

Nicht nur Handwerk, sondern Kunst

Doch der Mann mit dem lustigen Zwirbelbart, dem freundlichen Lächeln und dem festen Händedruck kann noch mehr. Als vor 15 Jahren aus den USA der Trend der geschnitzten Holzfiguren nach Deutschland überschwappt, springt Werner Korzen auf den Zug auf und wagt sich an erste Tierfiguren. Er beginnt mit Pilzen und Eichhörnchen, heute schnitzt er sogar lebensgroße Adler oder Wildschweine. Kosten: von 5 Euro für einen Pilz bis 600 Euro für ein Wildschwein. Zeitaufwand: eine halbe Stunde für ein Eichhörnchen, einen ganzen Tag für einen Adler. Denn schließlich müssen die Tierchen nach dem Aussägen noch mit einer Lasur und einem Skulpturenwachs bestrichen werden, damit sie der Witterung besser standhalten und sich gerade bei Hitze keine Risse im Holz bilden. Besonders stolz ist Werner Korzen, wenn er von gelernten Bildhauern oder Forstarbeitern ein Lob ausgesprochen bekommt. „Die haben schließlich Ahnung", sagt er und lacht.

Besonders schwierig ist das Aussägen von Tieren mit vier Beinen. „Ein Schaf hat zum Beispiel einen wuchtigen Körper, aber dünne Beinchen." Da müsse man aufpassen, dass die Proportionen stimmen und nichts abbricht. Meistens sind solche Malheure aber zu kitten: „Das Gute am Holz ist, dass man vieles wieder zusammenleimen kann", sagt Werner Korzen. In all der Zeit ist es ihm nur zwei Mal passiert, dass er ein Werk nur noch als Brennholz nutzen konnte. „Wenn man sich versägt, kann man vieles auch retten, indem man die Figur einfach etwas kleiner macht", sagt er.

Figuren aus Kalletaler Holz

Zu 95 Prozent holt sich Werner Korzen sein Lärchen- oder Douglasienholz aus Kalletaler Wäldern – auf den Einsatz von heimischen Hölzern legt er großen Wert. 80 bis 100 Festmeter verbraucht er pro Jahr. „Gerade Lärche eignet sich gut für Möbel, da es das haltbarste der heimischen Hölzer ist", sagt Korzen. Während er im Wald auf eine Benzinsäge setzt, surrt in der heimischen Werkstatt und auch auf den Vorführungen auf dem Salzhof immer eine Elektrosäge. „Die stößt keine Abgase aus und ist leiser." Zudem habe er sich an die Arbeit damit gewöhnt.

Inzwischen ist er bei den hiesigen Waldbauern und Forstämtern bekannt wie ein bunter Hund – viele seiner Bäume sucht er sich selbst aus, fällt sie, schneidet sie auf Länge oder in erste Grundformen und transportiert sie in die heimische Werkstatt, wo es dann mit den eigentlichen Schnitzarbeiten weitergeht. „Diese Abwechslung ist toll. An 365 Tagen im Jahr bin ich froh, dass ich diese Arbeit machen darf", sagt Werner Korzen.

Ohne seine Familie wäre das nicht möglich – auch wenn seine beiden Söhne bislang kein Interesse an eigenen Sägearbeiten zeigen. Besonders seine Frau habe ihn von Anfang an unterstützt – sei es während seiner teils zeitraubenden Arbeit als leitender OP-Pfleger, sei es wenn er heute sieben Tage die Woche in seiner Werkstatt steht. Wenn er davon erzählt, wie viele Freiheiten ihm seine Frau lasse, stehen ihm fast die Tränen in den Augen. Familie geht ihm über alles. Und so hätte er sich auch gewünscht, sein Vater hätte seine Holzarbeiten noch bestaunen können. Werner Korzen ist sich sicher: „Er wäre begeistert gewesen."

Auf dem Bad Salzufler Weihnachtstraum ist Werner Korzen bis zum 29. Dezember zu finden. Von Freitag bis Sonntag finden regelmäßig über den Tag verteilt Schnitzvorführungen statt, die entweder von Korzen selbst oder einem seiner beiden Helfer gezeigt werden. Werner Korzen bietet auch Holzschnitzkurse an, in denen die Teilnehmer mit leichten Figuren wie Pilzen, Wichteln oder Eichhörnchen anfangen. Wer Interesse hat, kann sich unter Tel. 0171 4037765 oder per Mail an werner.korzen@t-online.de melden.

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