Feuerwehrpersonal und Anwohner bilden eine Kette. - © Feuerwehr Bad Salzuflen

Bad Salzuflen
90 Einsätze im Kreis Lippe: Unwetter trifft Bad Salzuflen mit großer Wucht

Feuerwehrpersonal und Anwohner bilden eine Kette. (© Feuerwehr Bad Salzuflen)

Kreis Lippe. Vollgelaufene Keller und verschmutzte Straßenzüge haben die Feuerwehren im Kreis Lippe am Samstagabend auf Trab gehalten. Knapp 90 Einsätze zählte die Leitstelle der Feuerwehr wegen des Unwetters, das in den Abendstunden über den Kreis Lippe hinweggezogen war. Am stärksten von der Gewitterzelle betroffen war der Süden Bad Salzuflens. Die gute Nachricht vorab: Personen kamen nicht zu Schaden.

Vor allem im Ortsteil Holzhausen versanken die Straßen nach 18 Uhr in den Wassermassen. Bis kurz nach Mitternacht war allein die Feuerwehr Bad Salzuflen laut Mitteilung 60 Mal im Einsatz. Überflutete Kellerräume und Straßenzüge bildeten das Gros der Einsätze, die vorwiegend in Holzhausen, Retzen, Hölsen und Wüsten stattfanden. Heraus stach dabei eine Überflutung am Meierweg. Dort war der kleine Moddenbach unterhalb des Industriegebiets in Holzhausen zu einem großen Fluss mutiert, der über die Ufer trat und den Garten eines Wohnhauses vollends unter Wasser setzte.

Mit vereinten Kräften konnten 30 Wehrleute und Anwohner noch verhindern, dass auch ein gerade erst renoviertes Einfamilienhaus den Wassermassen zum Opfer fiel.
Auch in den südlich an Bad Salzuflen grenzenden Ortsteilen in Lage wurden überflutete Kellerräume gemeldet. In Kalletal kämpften die Einsatzkräfte vor allem mit verschmutzten Fahrbahnen.

Im Ortsteil Asendorf hatte sich in einem Graben derart viel Wasser angestaut, dass es ein nebenstehendes Gebäude zu überfluten drohte. Hier konnten Einsatzkräfte der Löschgruppe Lüdenhausen Schlimmeres verhindern. Weitere Einsätze gab es in Oerlinghausen (5), Leopoldshöhe (3) und Extertal (1).

Feuerwehrbericht aus Bad Salzulen

Ungewöhnlich stark ist der Süden Bad Salzuflens vom Unwetter am Samstagabend getroffen worden. Im Ortsteil Holzhausen versanken Straßen in den Wassermassen. Am Meierweg wurde aus einem kleinen Bach ein großer Fluss, der einen Garten mit sich riss.

Den gesamten Samstag über hatten die Kräfte auf der hauptamtlichen Wache sowie der diensthabende Einsatzleiter die Wetterkarten genau im Blick. Schnell wurde klar, dass das aufkommende Gewittergebiet auch Bad Salzuflen treffen könnte. "Nachdem der Deutsche Wetterdienst bereits für Leopoldshöhe die höchste Warnstufe ausgegeben hatte, haben wir auch für unsere Stadt beschlossen, die Einsatzkräfte in erhöhte Bereitschaft zu versetzen", sagte Einsatzleiter Marc Frodermann.

Um kurz vor 18 Uhr waren sowohl auf der Feuerwache an der Oerlinghauser Straße, als auch in einigen Gerätehäusern der Stadt die Feuerwehrleute auf ein mögliches Unwetter vorbereitet.

Überflutete Straßenzüge - © Feuerwehr Bad Salzuflen
Überflutete Straßenzüge (© Feuerwehr Bad Salzuflen)

Lange warten mussten sie nicht: Nur zehn Minuten später markierte ein Blitzeinschlag in einem Haus am Hülsenweg den Auftakt eines unruhigen Abends. Immer mehr Meldungen über vollgelaufene Keller kamen herein, ganze Straßenzüge standen unter Wasser. Vorwiegend betraf das die Ortsteile Holzhausen, Retzen und Hölsen. Später folgte noch Wüsten.

Der Blitzeinschlag im Hülsenweg ist vergleichsweise glimpflich ausgegangen, die Anwohner in der Straße "Wettbreden" trauten ihren Augen jedoch kaum: Binnen weniger Minuten liefen hier mehrere Keller voll. Die Feuerwehr hatte dort alle Hände voll zu tun. Auf der Ostwestfalenstraße floss derweil in Höhe der Abfahrt Retzen Erde und Schlamm auf die Fahrbahn. Die Straße musste für die Reinigung kurzzeitig gesperrt werden.

Koordiniert von der Einsatzzentrale wurden alle eingehenden Meldungen bewertet und die Kräfte entsandt. Einsatzleiter Marc Frodermann war bei größeren Schadenslagen an Ort und Stelle. So musste er auch am Meierweg aktiv werden. Der sonst so beschauliche Moddenbach hatte sich unterhalb des Industriegebiets von Holzhausen durch den kurzen, aber heftigen Starkregen in einen größeren Fluss verwandelt und trat über seine Ufer. Er überflutete gänzlich den Garten eines Wohnhauses und floss weiter in das gerade erst renovierte Einfamilienhaus.

Die Feuerwehr besorgte vom städtischen Baubetriebshof Sandsäcke und versuchte, damit den Dammbruch zu sichern. In einer Menschenkette, bei der sich auch die betroffenen Anwohner beteiligten, wurde mit viel Muskelkraft dem Wasser Einhalt geboten. Zusätzlich sorgten zwei leistungsstarke Feuerlöschpumpen dafür, dass das Wasser nicht weiter in das Haus fließen konnten. Zwischenzeitlich waren alleine dort etwa 30 Kräfte gebunden.

Mit einer Menschenkette werden Sandsäcke gegen die Fluten verteilt. - © Feuerwehr Bad Salzuflen
Mit einer Menschenkette werden Sandsäcke gegen die Fluten verteilt. (© Feuerwehr Bad Salzuflen)

Der Einsatz am Meierweg bildete zugleich das vorläufige Ende des Unwetterabends, der bis weit nach Mitternacht ging. Neben den hauptamtlichen Kräften, dem Kommandodienst, sowie den Löschzügen Holzhausen und Schötmar/Werl-Aspe, wurden auch die Einheiten aus Retzen, Wüsten, Lockhausen, Wülfer-Bexten und Biemsen-Ahmsen insgesamt 60 Mal zur Hilfe gerufen. Das ganze in nur sieben Stunden. Auch am Sonntag sind die Einsatzkräfte der Bad Salzufler Feuerwehr in Bereitschaft.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2020
Inhalte von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

von Daniel Hobein und Niklas Böhmer

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!