Bad Salzuflen. Ein Lächeln huscht über das Gesicht von Andreas Buchholz (45). Er hat gerade ein Fahrzeug mit Hybridantrieb gewartet – alles in Ordnung. Zufrieden schließt er die Motorhaube. Für den Kfz-Technikermeister und Geschäftsführer sowie sein zehnköpfiges Team des Autohauses Buchholz in Schötmar gehört Verkauf, Reparatur und Wartung von Autos mit alternativen Antrieben längst zum Tagesgeschäft. Doch was bedeutet dieser Technologiewandel für die rund 20 Kfz-Werkstätten in Bad Salzuflen?
Der Jahresbericht des Kraftfahrtbundesamtes weist für das Jahr 2020 die Neuzulassung von mehr als 735.000 Fahrzeugen aus, die mit Elektro-, Hybrid-Antrieb oder Erd- und Flüssiggas angetrieben werden. Das ist ein Marktanteil von 25 Prozent aller Neuzulassungen. Befeuert wird dieser Trend durch Fördermaßnahmen von Staat und Herstellern.
Förderung durch den Staat
So wird laut Automobilclub ADAC der Kauf eines reinen Elektroautos mit bis zu 9000 Euro und der eines Plug-in-Hybrid-Fahrzeugs mit bis zu 6750 Euro bezuschusst. Weitere Förderungen gibt es für das Einrichten privater Ladestationen. Werkstätten, die Autos mit alternativem Antrieb warten wollen, müssen zunächst in entsprechende Werkzeuge und Ladestationen investieren. „Wir sprechen je nach Werkstattgröße von Summen im mittleren vier- bis fünfstelligen Bereich" sagt Andreas Buchholz.
Eine Investition, die durchaus sinnvoll ist, glaubt Dirk Eilers, Obermeister der Innung des Kfz- und Mechanikerhandwerks Lippe. „Die Werkstätten müssen einfach mit der Zeit gehen und ihre Beratungskompetenz im Bereich Elektro- und Hybridfahrzeuge voll ausspielen und dürfen sich diesen Technologien nicht verschließen", so Eilers.
Weniger Inspektionen
Dennoch werde sich das Geschäft verändern. Die klassische Inspektion bei einem Verbrenner koste im Schnitt 350 Euro, bei einem Elektroauto nur rund 70 Euro. Von Tesla, einem der führenden E-Auto-Hersteller, heißt es beispielsweise, eine Jahresinspektion sei nicht notwendig, da der Fahrer per Ferndiagnose auf Fehler am Fahrzeug hingewiesen werde. „Im Vergleich zum klassischen Benzin- oder Dieselfahrzeug ist die Wartung eines reinen Elektrofahrzeuges für den Halter günstiger, weil dieser Autotyp klassische Verschleißteile wie Kupplung, Getriebe oder Auspuff nicht hat. Das bedeutet für die Fachwerkstatt Umsatzeinbußen", sagt Andreas Buchholz.
Allerdings seien die Wartungsrechnungen eines Hybridfahrzeugs mit denen eines Benziners oder Diesels schon wieder vergleichbar, da bei diesen Varianten ähnlich viele Komponenten verbaut seien. Dennoch: Unterm Strich wird es wohl weniger zu reparieren geben. „Mittel- bis langfristig wird das Einfluss auf die Mitarbeiterzahl bei den Werkstätten haben", sagt Dirk Eilers von der Innung. Die Zahl der Beschäftigten werde sich deutlich reduzieren.
Das Berufsbild der Mechatroniker verändert sich
Auf der anderen Seite wird das geforderte Know-how komplexer. Für die Werkstätten reicht es daher nicht aus, nur in Technik zu investieren, um alternative Antriebe warten zu können. Kfz-Meister Thomas Arend (51), Betreiber einer freien Werkstatt in Lockhausen mit fünf Mitarbeitern, spricht das Thema Qualifikation an. „Es dürfen nur Mitarbeiter an diesen Autos arbeiten, die zuvor spezielle Hochvolt-Lehrgänge absolviert haben." Darin wird die Arbeit unter hohen Spannungen und der Umgang mit Spezialwerkzeugen geschult.
Aufgrund der vielen elektronischen Bauteile verändert sich das Berufsbild des Kfz-Mechatronikers immer weiter. Entsprechend hohe Erwartungen werden an junge Bewerber gestellt: „Ein sehr guter Realschulabschluss mit Topleistungen in Mathe, Physik und Chemie sollte es schon sein", sagt Andreas Buchholz. Sein Kollege Thomas Arend sieht in der E-Mobilität durchaus auch eine Chance für die Werkstätten. „Das Thema ist für die meisten unserer Kunden noch völliges Neuland", sagt er. Bei der Frage, welchen Antrieb das nächste Auto haben soll, sei der Beratungsbedarf hoch.
Die Kfz-Spezialisten könnten mit ihrer großen Erfahrung bei der Kaufentscheidung helfen, betont er. Werkstättenbetreiber wie Andreas Buchholz und Thomas Arend hoffen jedenfalls, dass der technologische Wandel auf lippischen Straßen weiterhin durch Fachwerkstätten begleitet wird.
Antriebsarten
Elektroautos werden von einem oder mehreren Elektromotoren angetrieben, die ihren Fahrstrom aus dem Lithium-Ionen-Akku des Fahrzeugs beziehen. Je nach Akkugröße und technischer Ausstattung des Fahrzeugs kann ein Elektroauto innerhalb von 20 Minuten an einer Gleichstrom-Schnellladesäule wieder auf 80 Prozent seiner Akkukapazität aufgeladen werden. Die Reichweite aktueller Fahrzeuge beträgt 100 bis 450 Kilometer.
Hybrid-Fahrzeuge haben zusätzlich zum Benzinmotor und -tank einen (kleineren) Lithium-Ionen-Akku und einen Elektromotor verbaut, der je nach Betriebszustand und/oder Fahrzeugkonzept den Verbrennungsmotor nur unterstützt oder das Fahrzeug (über kurze Strecken) rein elektrisch fortbewegt. Bei Plug-in-Hybriden lässt sich der Lithium-Ionen-Akku per Stecker laden. Bei klassischen Hybriden passiert das nur während der Fahrt.