Bad Salzuflen. Sophia Schovenberg, Jahrgang 1934, feiert ihr fast fünfzigstes „Kur-Jubiläum“. Sie komme seit 48 Jahren zur Festigung der Gesundheit nach Bad Salzuflen, wie die 86-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt. Sie habe viele Ärzte und Therapeuten überlebt oder „in Rente geschickt“. Im Jahr 1973 reiste die Landwirtin demnach erstmalig nach Bad Salzuflen. Untergebracht war sie zunächst in der Villa Elisabeth am Schliepsteiner Tor. Riesenbuch statt Computer Damals habe man sich in der Kurverwaltung anmelden müssen, um dort seine Termine zu bekommen. „Die Mitarbeiterin hatte ein Riesenbuch, damit war sie schneller als heute am Computer“, erinnert sich Sophia Schovenberg. Sowohl Therapeuten als auch Anwendungen wie Massagen, Fango, Wassergymnastik und Bäder seien dort verzeichnet gewesen. „Die Kärtchen für Anwendungen sahen aus wie Kinokarten, für jede Anwendung gab es eine andere“, so die Seniorin. Im Jahr 1973 seien so viele Gäste da gewesen, dass „wir wie die Hühner auf der Stange auf Anwendungen gewartet haben“, wie Schovenberg berichtet. „In einem Raum waren zwei Vorhänge für zwei Kabinen, zwei Patienten und ein Masseur, das war einfacher für die Mitarbeiter. Heute rennen die Masseure wie die Hasen von einer Kammer zur anderen.“ Viele Ausgehmöglichkeiten Als Frühaufsteherin sei sie schon morgens um 6.30 Uhr für die ersten Anwendungen im Badehaus gewesen. Gerne erinnert sie sich auch an die Ausgehmöglichkeiten. „Bei den Seeterrassen gab es jeden Abend Tanz, im Kurhaus zwei- bis dreimal die Woche. Dort gab es allerdings Weinzwang, da waren wir seltener“, erzählt sie. Gefeiert wurde trotzdem: Von der Villa Elisabeth bis zum Wappenkrug sei es nicht weit gewesen. „Da gab es Gabiko, einen ganz billigen Korn“, berichtet sie lachend. Mit einer Gruppe von Landwirten, die aus den verschiedensten Ecken Deutschlands stammten, habe sie sich über viele Jahre immer wieder getroffen. „Abschied wurde in den Ritterstuben und im Stumpfen Turm so heftig gefeiert, dass der Wirt uns bremsen musste.“ Abendessen Punkt 18 Uhr Viel von Lippe habe sie damals allerdings nicht gesehen. Ihr Aufenthalt habe sich mehr oder weniger auf Bad Salzuflen konzentriert. „Für Ausflüge hatten wir keine Zeit und um 18 Uhr gab es Abendessen. Pünktliches Erscheinen war Pflicht! Das würde sich heute keiner mehr gefallen lassen.“ Nachmittags ging es gleichwohl zumindest mal raus zur Asenburg, wie Schovenberg erzählt: „Da gab es Windbeutel, ein Riesenteil mit Schwan.“ Und weiter: „Beim kleinen Bismarck gab es selbstgebrannten Korn im Gläschen. Von dort konnte man ins Grüne gucken. Das Gläschen wurde nur mit einem Handtuch durchgewischt, bevor der nächste daraus trank.“ Neuer Kurpark gefällt ihr nicht Mit den Jahren habe sich viel verändert. „Jetzt kann man nur noch im Vitalzentrum inhalieren, früher gab es noch das Inhalatorium, wo man in der Reihe saß.“ Im Winter sei im Parksanatorium inhaliert worden. „Dann wurde das Rehavital gebaut“, so Schovenberg. Und wie gefällt es ihr heute? Mit dem umgestalteten Kurpark ist Schovenberg nicht so recht zufrieden. „Der Kurpark ist steril und nackig, das gefällt mir nicht, nur Stiefmütterchen und Gestrüpp.“ Sie würde sich auch eine bessere Anbindung an den Hoffmannspark wünschen. „Wie soll man als Kurgast ohne Fahrzeug zum Marktkauf kommen und wie trage ich die Einkäufe von da nach hier?“, fragt sie. Besonders vermisst sie das Schuhhaus Tiemann. „Hier hatte ich immer Zeit zum Einkaufen. Zuhause gab es Ackerbau und Viehzucht, da hatte ich dafür keine Zeit.“ Dennoch will Sophia Schovenerg Bad Salzuflen nicht missen: „Die Kur hat mir gut getan und tut mir immer noch gut.“