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Ein Bauer im Immobiliengeschäft

LZ-Serie Gutshaus-Geschichten I: Der Hof Nacke in Ehrsen lebt schon lange nicht mehr allein von der Landwirtschaft

Gern gesehene Gäste: Natalia und Dominik besuchen die Grünau-Schule auf Hof Nacke. Wenn sie nicht gerade Kirschen pflücken, kommen sie gern zum Plaudern bei Bauer Albrecht Nacke vorbei. Fotos: KantelbergIdylle: Vorbei an Gutshaus und Schulgarten führt der Weg zu den alten Kötterhäusern.
Gern gesehene Gäste: Natalia und Dominik besuchen die Grünau-Schule auf Hof Nacke. Wenn sie nicht gerade Kirschen pflücken, kommen sie gern zum Plaudern bei Bauer Albrecht Nacke vorbei. Fotos: KantelbergIdylle: Vorbei an Gutshaus und Schulgarten führt der Weg zu den alten Kötterhäusern.

Bad Salzuflen (kk). Sie erzählen Geschichten, sind Hingucker und machen neugierig: Gutshäuser und alte Höfe haben nicht nur ihr Umfeld, sondern auch ihre Bewohner geprägt. Die LZ bietet einen Blick hinter die Kulissen. In der Serie "Gutshaus-Geschichten" stellen wir einige der interessantesten Anwesen in Bad Salzuflen vor. Heute geht es auf den Hof Nacke nach Ehrsen.

Leben auf 500 Quadratmetern? Nicht immer ein Vergnügen. Wo sich noch Anfang der 60er Jahre täglich 20 Menschen am Mittagstisch trafen, ist es still geworden. Nur noch wenige Räume des weitläufigen Gutshauses Nacke werden regelmäßig genutzt.

Das Gut Nacke, das ist Ehrsen. "Natürlich sind wir hier tief verwurzelt", sagt dann auch Albrecht Nacke, der den Hof seit 30 Jahren führt. Sein Stammbaum auf dem Hof geht bis zum Jahr 1836 zurück. Damals heiratete Simon August Nacke in zweiter Ehe Juliane Büxten. Aus der Ehe gingen die nachfolgenden Generationen und Hoferben Wilhelm (1839 bis 1911), August (1882 bis 1931) und Annemarie (1920 bis 2008), die Mutter von Albrecht Nacke, hervor.

Erlebten Albrecht Nacke und seine Brüder in ihrer Kindheit den landwirtschaftlichen Betrieb noch in voller Blüte, so nimmt er heute nur noch ein Drittel der Arbeitskraft ein. Als Haupterwerbszweig hat sich über die Jahre das Immobiliengeschäft herauskristallisiert. Auf dem Hof hat der Landwirt Gebäude an die Stiftung Grünau, Obst- und Holzhändler abgetreten; hinzu kommen die vermieteten Kötterhäuser und Baugrundstücke.

1921 wurde das alte westfälische Bauernhaus abgerissen und das heutige Gutshaus errichtet. Damals entstand der Hof in seiner U-Form mit Scheune, Verwaltungswohnungen und Sommer-Kuhstall. Das älteste Gebäude der Anlage ist der Speicher, 1801 erbaut, der von der Stiftung Grünau als Schule genutzt wird. Spielplatz, Schulgarten - der Hof ist für alle Jungen und Mädchen offen, "wenn sie sich an die Regeln halten", sagt Albrecht Nacke und freut sich ganz offensichtlich an dem Leben, das die jungen Leute auf das Anwesen bringen.

Damals erinnert sich der 59-Jährige an seine Kindheit, "waren Melker, Landarbeiter, Köche, Haushaltshilfen, Verwalter und bis 25 Aushilfen für die Feldarbeit beschäftigt" und der große Esstisch in der Küche jeden Tag eng besetzt. Heute leben sie noch zu viert in dem großen Haus, nachdem Mutter Annemarie Nacke im vergangenen Jahr gestorben ist.

Im vorderen Salon hängen die Bilder der Vorfahren: Urgroßervater, Großvater, Mutter - auf Öl gebannt. Dunkle Täfelung, knarzende Dielen, Kachelofen und offener Kamin in der Deele. Der eigentliche Lebensmittelpunkt aber, der liegt oben, sagt Bauer Nacke und führt die Treppe hinauf in die helle große Küche, wo sich die Familie trifft.

Leben auf dem Traditionshof - das ist Privileg, aber auch Verpflichtung. "Ich habe den Hof nur von meinen Kindern geliehen", sagt Nacke. Und so ist schon lange klar, dass der älteste Sohn den Besitz übernehmen wird. Auch er wird dann vor allem die Immobilien verwalten, doch für die Ehrser stets der Bauer Nacke bleiben.

Die nächste Gutshaus-Geschichte kommt aus Lockhausen. Leben auf Gut Vinnen: Das Ehepaar Lampenscherf gewährt einen Einblick in das Hofleben.

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