Blomberg. Mitten in der Nacht spontan ein Taxi auf dem Land zu bekommen, ist nicht unmöglich, wird aber immer schwieriger - vor allem im lippischen Osten. Seit dem Jahreswechsel hat das Unternehmen „Blomberger Taxi“ nicht nur seinen Namen abgelegt, sondern den regulären Taxibetrieb komplett eingestellt. Die Entscheidung haben sich die Geschäftsführer Andreas Schulte und Alexander Lichtenberg nicht leicht gemacht. Doch die Branche steckt in einer Krise, das erleben auch die Mitbewerber. Der tiefe Fall des Taxi-Geschäftes ging mit der Corona-Pandemie los, so erlebten es die beiden Geschäftsführer mit ihrem eigenen Betrieb. „Kurz nach Corona wurden die Nachfragen immer weniger, es gab auch immer weniger Kneipen, die überlebt hatten“, sagt Alexander Lichtenberg. Das wirkte sich zwangsläufig aufs Geschäft aus. „Natürlich hatte man seine Dorffeste wie Wilbasen, da war der Umsatz dann noch da - an allen anderen Tagen des Jahres fehlte er aber.“ Wenn Fahrer während einer Nachtschicht gerade mal 50 bis 100 Euro machten, sei das nicht mehr verhältnismäßig. Daher reduzierte das Ex-Taxiunternehmen den Betrieb zunächst auf bis 23 Uhr - nun gab es den endgültigen Schnitt. Seit Jahresbeginn fokussiert sich das Unternehmen unter dem neuen Namen „MobilPartner -Transfer mit Herz“ auf Krankenfahrten, Flughafentransfers oder Fahrten, die zuvor individuell online gebucht wurden. Der Hauptsitz liegt nun in Horn-Bad Meinberg. Branche in der Krise? Die Taxi-Konzession haben die Geschäftspartner ganz abgegeben, deshalb musste ein neuer Name her - auch die gängige Taxiuhr hat ausgedient. Wird eine Fahrt nun online vorab gebucht, geht das nur noch mit Festpreis. Die spontane Verfügbarkeit 24/7 gibt es also nicht mehr. Schon bevor sie das Taxigeschäft abgestoßen hätten, erklären die beiden, hätten sie mit den Krankenfahrten rund 70 Prozent des Umsatzes gemacht. Hier fließe jetzt die ganze Kraft hinein - inzwischen seien auch Liegetransporte sowie Rollstuhl- und Tragefahrten möglich. Lesen Sie auch: Detmolder Traditionsbetrieb Taxi Limberg in finanziellen Nöten Aber was bedeutet der Wegfall des Taxi-Angebots für die Mobilität im ländlichen Raum? Andreas Schulte und Alexander Lichtenberg glauben nicht, dass den Blombergerinnen und Blomberger mit einem Taxibetrieb weniger etwas fehlen wird. Der Bedarf sei letztendlich einfach nicht da, sonst hätten sich inzwischen außerhalb der Geschäftszeiten Hunderte Anrufe auf dem Anrufbeantworter sammeln müssen. Das sei aber nicht passiert. „Nur in einer Nacht hatten wir am nächsten Morgen etwa 30 Anrufe von ein und derselben Mobilnummer auf dem AB, das ist also die Ausnahme.“ Dabei habe es sich wahrscheinlich um jemanden gehandelt, der das neue Konzept nicht kannte - oder unglücklich gestrandet sei, schätzt Lichtenberg. Der wirklich große Aufschrei blieb aber aus. Hohe Kilometerpreise schrecken Kunden ab Sein Partner Andreas Schulte schätzt, dass es mit der Branche nicht mehr lange gut gehen wird. „Meine Prognose ist, dass es das Taxigeschäft im ländlichen Raum in ein paar Jahren nicht mehr gibt.“ Der vom Kreis festgesetzte Kilometerpreis von 2,60 Euro sei für die Kundschaft kaum noch attraktiv. Sich vom Bahnhof in Detmold bis nach Diestelbruch ein Taxi zu nehmen, kostet inzwischen 25 Euro - wenige leisteten sich diesen Luxus noch. Die Unternehmen selbst haderten dagegen mit den Personalkosten. Schulte: „Wir kriegen das einfach nicht mehr geleistet, schließlich müssen wir Löhne zahlen, es wird ja nichts subventioniert.“ Im lippischen Osten rund um Blomberg, Lügde und Schieder-Schwalenberg sind nach dem Ende des Blomberger Taxis nur noch zwei Unternehmen unterwegs - einmal das Taxi RiDa-Car mit Hauptsitz in Lügde, das auch Fahrgäste aus Bad Pyrmont bedient, daneben der Traditionsbetrieb Taxi Kehe, der in Blomberg und Schieder-Schwalenberg fährt. Beide blicken unterschiedlich auf die Situation. Bei Oliver Scholz und seine Frau ist es mehr als 25 Jahre her, dass sie den Taxibetrieb Kehe in Schieder-Schwalenberg übernommen haben. Obwohl die Konkurrenz schrumpft, sieht Scholz die Branchensituation kritisch. Der gelernte Holzbearbeitungsmechaniker ist inzwischen 55 Jahre alt und will weiterfahren, solang es geht. „Ich weiß nicht, wie lang ich das noch gesundheitlich durchhalte.“ Besonders für die Nachtschichten sei es schwer, Personal zu finden, das meiste bliebe daher an ihm und seiner Frau hängen. Kaum Freizeit für Taxiunternehmer Pausen gäbe es in dieser Art der Selbstständigkeit kaum - erschwerend komme hinzu, dass die Umsätze immer weiter nachließen. „Man muss schon sagen, dass die guten Stunden weniger und die schlechten dafür immer mehr werden“, sagt Scholz. Dass sein direkter Konkurrent das Taxigeschäft daher komplett eingestellt habe, könne er nachvollziehen. Die Zeiten hätten sich eben sehr geändert. Früher hätte Oliver Scholz drei Autos übers Wochenende wunderbar durchfahren lassen können und da seien noch zusätzlich andere Taxi-Betriebe unterwegs gewesen. Diese Ära sei allerdings schon lange vorbei. Inzwischen fährt Taxi Kehe nur noch am Freitag und Samstag durchgehend. Anders lohne es sich nicht. „Das Leben wird teurer - und die Menschen leisten sich Taxifahrten einfach nicht mehr.“ Wirklich 24 Stunden an sieben Tagen die Woche erreichbar ist daher in Ostlippe nur noch Taxi RiDa-Car, das sowohl für Lügde als auch für Bad Pyrmont fährt. Hier trifft man auf Optimismus: Geschäftsführer Michael Danzinger ist überzeugt, dass seine Tochter das Unternehmen nach seinem Ruhestand noch viele Jahre weiterführen kann. „Wir haben hier im ländlichen Raum immerhin nicht das Problem mit Uber, das macht Fahrern in Großstädten zu schaffen.“ Zwar habe der Taxibetrieb insbesondere durch das Kneipensterben in Lügde nachgelassen, gibt Danzinger zu, dennoch sieht er seinen seit 1999 laufenden Betrieb weiterhin gut aufgestellt. Vier Wagen sind 24/7 in Lügde unterwegs, fünf in Bad Pyrmont. Tagsüber liefen vor allem die Dialysefahrten oder Kooperationen mit Krankenhäusern gut, daneben transportiere RiDa-Car täglich 250 Schulkinder in Pyrmont. „Wir haben 90 Angestellte“, sagt Danzinger. „Und es rechnet sich.“ Taxis auf dem Land: „Die Leute sind ja aufgeschmissen“ Dass das Blomberger Taxi seine Konzessionen komplett abgegeben hat, kann Danzinger nicht nachvollziehen, aber das müsse jeder selbst durchrechnen. „Da geht es auch um die Besteuerung, Taxi-Fahrten lassen sich mit sieben Prozent abrechnen, dagegen muss jede Transportfahrt mit 19 Prozent versteuert werden“, sagt er. Mit einem Taxi bliebe daher am Ende mehr übrig. Das Aus eines Anbieters falle letztendlich auf die Kundschaft zurück. „Für die Gäste tut es einem leid“, sagt Michael Danzinger. „Die Leute sind ja aufgeschmissen.“ Wenn in seiner Zentrale etwa nachts ein Anruf aus Blomberg eingehe, müsse er allein 25 Euro für die Anfahrt draufschlagen. Das sei nun mal nicht sein Gebiet. Je weniger Autos fahren würden, desto schwieriger werde die Situation. Und die Mitbewerber scheinen immer weniger zu werden. Auch im angrenzenden Barntrup habe ein Taxi-Anbieter den Betrieb eingestellt. Den Taxiservice von Uwe Wehmeier in Schieder-Schwalenberg, dessen Angebot immer noch über Google beworben wird, gibt es sogar schon seit drei Jahren nicht mehr. Seitdem ist der Inhaber im Ruhestand, sagt er selbst am Telefon. Wie es mit der Branche langfristig weitergeht, scheint also in den Sternen zu stehen. Mit einem Aufwind rechnet kaum jemand mehr. Einige geben daher auf, andere verschieben - wie Mobilpartner - den Fokus oder versuchen zumindest, durchzuhalten. Immerhin: Ganz aufgeschmissen ist man als Fahrgast auf dem Land (noch) nicht.