Wie dem Leben zu begegnen sei, habe ihn sein Vater gelehrt: "Nur nicht über den Tellerrand schauen - da ziehts!" Ein Leitspruch, dem die Kunstfigur Heinz Becker auch als "Kosmopolit" treu geblieben ist.
Bad Salzuflen. Seine Weltsicht bleibt geprägt vom konservativen Dorfleben in der saarländischen Provinz. Eben von dort aus, wo der eigene Beitrag zur Weltverbesserung durch die sorgsame Pflege des Kleingartens erschöpfend geleistet ist, lassen sich die großen Zusammenhänge noch unverstellt betrachten.
Etwa Ursache und Wirkung der Wirtschaftskrise, die ohnehin gerade zusammenbricht. Ob trotz oder wegen der "Milliarden-Hilfspakete, die Millionen kosten", bleibt unklar. Sicher ist nur: "Wenn einer aus dem Flugzeug fällt, dann kann man dem noch so viele Fallschirme hinterherwerfen - das hilft dem gar nix mehr. Nachher kann man ihn höchstens noch damit zudecken."
Die sezierenden Betrachtungen der politischen Geschehnisse im Lande ergeben sich aus der explosiven Mischung von gefährlichem Halbwissen und ungetrübter Selbstüberzeugung. Heinz Becker zweifelt nicht, er legt zurecht. Der konsequent bis zur Unverständlichkeit ausgesprochene saarländische Dialekt des Mannes mit der Schiebermütze sichert, dass seine Sicht der Dinge - so weit hergeholt die auch sein mag - doch stets im dörflichen Kontext verhaftet bleibt. Klar, hier und da versteht auch er mal etwas falsch, wie die Sache mit den Steuerflüchtlingen: "Ich dachte immer, bei Flüchtlingen ist das so: Die flüchten und lassen alles zurück."
Deutlich klarer sieht der Kleinbürger die Angelegenheit mit der Integration: "Wenn die Ausländer sich mehr anpassen würden, müssten wir auch weniger integrieren. Es kann ja niemand von einem Juwelier verlangen, dass er Türkisch lernt, nur damit er bei einem Überfall weiß, was der Türke von ihm will."
Die latent schlummernde Ausländerfeindlichkeit in den Worten des kleinkarierten Spießbürgers lässt manchmal schwer schlucken, wirkt sie doch angesichts der sorgfältigen Charakterzeichnung der Figur entlang der Realität bedrohlich authentisch. Trotzdem wird bereits an der Stelle laut gelacht, an der er beiläufig erwähnt, ein Freund habe seinen deutschen Schäferhund "Bedolf" getauft. "Hätte er ihn Adolf genannt, hätte er das Hundetraining gleich beim Verfassungsschutz absolvieren können." Nur selten griff Becker nach der platten Pointe, etwa wenn er über seine Ehefrau, von der er stets als ein Etwas spricht, schwätzte: "Wenn es die Miss World und die Miss Germany gibt, dann wär das Hilde wohl eher die Miss Glückt!"