Gerhard Schröder ist Ehrengast in Bexten

Heimatverein Bexten und der Lippische Heimatbund feiern Jubiläum

Von Daniel Hobein

Stimmung im Festzelt: Die Gruppe "Ten Sing" aus Knetterheide unterstützt mit Musik- und Tanzeinlagen die Feierlichkeiten in Bexten. - © Foto: Hobein
Stimmung im Festzelt: Die Gruppe "Ten Sing" aus Knetterheide unterstützt mit Musik- und Tanzeinlagen die Feierlichkeiten in Bexten. (© Foto: Hobein)
Bad Salzuflen/Wülfer-Bexten. Der Lippische Heimatbund hat am Samstag einen prominenten Gast begrüßt: Altkanzler Gerhard Schröder ließ es sich nicht nehmen, in Bexten dabei zu sein.

Anlässlich des Doppeljubiläums 975 Jahre Bexten und 25 Jahre Heimatverein Bexten hatte der Lippische Heimatbund dorthin zu seiner Jahreshauptversammlung eingeladen. Schröder hatte zugunsten des Besuches in dem Dorf seiner Kindheit - er lebte dort bis zum 13. Lebensjahr - sogar auf Karten für das Champions-League-Finale in London verzichtet.

Doch der Altkanzler kam nicht nur als Festredner, sondern die Bexter begrüßten ihn voller Herzlichkeit als alten Freund. Schnell hatte sich eine Kaffeerunde am Tisch gefunden. Klassenkameradin Marianne Holzkamp hatte ein Poesiealbum dabei; Schröder amüsierte sich köstlich über die Einträge. Mit anderen Mitschülern erinnerte er an alte Zeiten, ans Fußballspielen, an Ärger mit den Lehrern...

Auch Taller waren gekommen und schwelgten bei bester Stimmung im Garten des "Waldkruges" in Erinnerungen. Dutzende Male klickten Fotoapparate, der gut gelaunte Schröder ließ sich ein ums andere Mal mit alten Weggefährten ablichten. "Schließlich fing das hier alles an", schmunzelte er. Zur Erkundung des Fußballplatzes kam es gar nicht mehr, aber die Tanzlinde zu bewundern, dafür blieb etwas Zeit.

Seine kurzweilige und humorvolle Festrede garnierte der Altkanzler mit allerhand Episoden aus der "bescheidenen, aber guten" Kindheit und einigen ironischen Seitenhieben. Zum Tanzlindendorf müsse Bexten ernannt werden, keinesfalls aber Wülfer-Bexten, forderte er mit einem Seitenhieb auf die alte Rivalität der beiden Dörfer, die einen Ortsteil bilden. Ernstere Töne schlug er an, als er das Ehrenamt und die "neue Kultur des Gemeinsinns" würdigte. "Sie spenden der Allgemeinheit etwa sehr Wertvolles: Ihre Zeit, Ihre Ideen, Kreativität, Ihren guten Ruf und Vermögenswerte." Zehntausende Projekte im Land setzten dort an, wo der Staat es nicht mehr tue. "Und Sie gehören zu den Menschen, die sich engagieren, diese Arbeit würdige ich ausdrücklich." Heimatvereine setzten sich mit den Sitten und Gebräuchen, aber auch den Veränderungen der Heimat auseinander - eine für den Ort, die Region und die Menschen sehr wichtige Arbeit. Ohne aktive Vereine gebe es kein dörfliches Leben.

Gerne ließ Schröder sich als Mitglied im Heimatverein Bexten eintragen - schließlich wisse er, wo er herkomme und auch, wo er hingehöre, beteuerte er und erntete viel Applaus. Vorsitzender Karl-Heinz Kampe sowie Friedrich Brakemeier als Chef des Lippischen Heimatbundes begrüßten ihr neues Mitglied stolz und hefteten ihm die Nadel ans Revers.

Die Glückwünsche fürs Dorfjubiläum überbrachte seitens des Kreises Landrat Friedel Heuwinkel. Die heimischen Bundes- und Landtagsabgeordneten der SPD, der langjährige Landrat und Schröders Fußballfreund Hans Pohl, der frühere Regierungspräsident Walter Stich sowie viele Bürgermeister aus Lippe waren dabei. Als weiteres neues Mitglied im Lippischen Heimatbund begrüßte Friedrich Brakemeier Landesverbandvorsteherin Anke Peithmann.

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