Heimatverein Blomberg präsentiert Ausstellung zur Geschichte des Schusterhandwerks

Torben Gocke

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Wie anno dazumal: Das historische Werkzeug hat Bernhard Claassen als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. - © Marianne Schwarzer
Wie anno dazumal: Das historische Werkzeug hat Bernhard Claassen als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. (© Marianne Schwarzer)

Blomberg. Als „gut und preiswert“ waren Schuhe aus Blomberg einst gefragt. Ihre Erfolgsgeschichte reichte bis in die Zeit der Industrialisierung hinein. In der Stadtbücherei widmet sich jetzt der Heimatverein mit einer Dauerausstellung dem Thema.

Gegen die Massenware aus den Fabriken hatten die Handwerker im beginnenden 19. Jahrhundert keine Chance. Nach und nach verschwanden die Schuster aus der Stadt und Industrieware füllte die Regale in den Läden der Stadt.

Das ist auch heute so, Handarbeit ist kaum noch gefragt, weil zu teuer: „Wenn ein Meister heute etwas für Sie anfertigt, dann müsste er am Ende wohl gut das Zehnfache von dem verlangen, was Sie im Laden für ein Paar aus der Fabrik bezahlen“, erklärte am Sonntagnachmittag der gelernte Schuster Bernhard Claassen bei der Ausstellungseröffnung.

So hat auch er das Handwerk an den Nagel gehängt. Er hat die Exponate zur Verfügung gestellt, die er im Laufe der Jahrzehnte gesammelt hat. Zu sehen ist neben allerlei Werkzeug und einer beeindruckenden Nähmaschine unter anderem die für den zeitgenössischen Schuhhandwerker unerlässliche Lampe. „Die sogenannte Schusterkugel ist ein ausgeklügeltes System zur idealen Beleuchtung des Arbeitsplatzes“, erklärte Claassen „Der Handwerker nutzte dazu zwei mit Wasser gefüllte Glaskugeln, um das Licht aus einer dahinter liegenden Petroleumlampe diffus zu bekommen oder es zu fokussieren – je nach Bedarf.“

Dass sein Handwerk heute kaum noch eine wirtschaftliche Relevanz hat, akzeptiert Bernhard Claassen als gegeben, schließlich stimmen bei der Ware aus der Massenfertigung Preis und in der Regel auch Qualität, wie er meint.

Er bedauert jedoch die Mentalität, die dahinter steckt: „Wenn es nur noch darum geht, alles billiger zu bekommen, dann läuft etwas falsch.“ Ebenso falsch, wie kaputte Dinge – etwa Schuhe – „direkt wegzuschmeißen und durch etwas Neues zu ersetzen. Manchmal wäre es sicherlich richtiger, einen an sich noch guten Schuh zu reparieren.“ Leider jedoch werde auch dies angesichts immer günstigerer Neuware immer uninteressanter.

Mit der Stadtbücherei hat der Heimatverein in Blomberg ein Gebäude gefunden, welches wohl kaum besser für eine Ausstellung zum Schusterhandwerk geeignet sein könnte, da ist sich Historikerin Nadine Behrmann sicher, die die Ausstellung konzipiert hat. „Denn dieses Gebäude in der Kuhstraße 14 wurde originär als Werkstatt und Wohnhaus eines Schusters gebaut, im Jahr 1763.“

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