Blomberg rehabilitiert Opfer der Hexenprozesse

Alheyd Pustekokes Schicksal gibt den Anstoß

Manfred Brinkmeier

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Tod auf dem Scheiterhaufen: Zur Erinnerung an Alheyd Pustekoke steht dieser Brunnen auf dem Blomberger Marktplatz. - © Manfred Brinkmeier
Tod auf dem Scheiterhaufen: Zur Erinnerung an Alheyd Pustekoke steht dieser Brunnen auf dem Blomberger Marktplatz. (© Manfred Brinkmeier)

Blomberg. Die Blomberger Politiker haben in einer Erklärung die Opfer der Hexenprozesse rehabilitiert. Sie sind damit einer Anregung von Hartmut Hegeler aus Unna gefolgt. Zugleich schlossen sie sich damit der Kernaussage der sogenannten „Blomberger Erklärung“ an.

Der ehemalige Pfarrer Hartmut Hegeler hat sich der Rehabilitation der vermeintlichen Hexen verschrieben. So wandte er sich auch an die Stadt Blomberg und bezog sich in seinem Brief auf den Brunnen mit der Figur von Alheyd Pustekoke auf dem Marktplatz, der ihn an die Hexenprozesse erinnere. Alheyd Pustekoke war am Tag vor Pfingsten 1460 verbrannt worden, weil sie bekanntlich Hostien gestohlen hatte. Das galt als Sakramentsschädigung.

Pfarrerin Bettina Hanke-Postma und Pfarrer Hermann Donay verweisen deshalb darauf, dass aus Sicht von Historikern fraglich sei, ob der Prozess gegen Alheyd Pustekoke als ein „Hexenprozess“ einzuschätzen sei. Hintergrund für das rigorose Vorgehen sei vielmehr eine ausgeprägte Judenfeindlichkeit gewesen.

Aber letztlich hat es auch in Blomberg Hexenprozesse gegeben, wenn auch nur wenige: Es handelte um Ilse Winter und Gese Henneke aus Donop sowie Cahtarina Hilker aus dem damals so geschriebenen Kleinen Marpe.

Die Opfer der Prozesse seien nie rehabilitiert worden, beklagt Hegeler. Damit sei das erlittene Leid und geschehene Unrecht nie öffentlich anerkannt worden. Es müsse deutlich gesagt werden, dass es keine „Hexen“ gegeben habe. Vielmehr seien Menschen durch die Folter zu „Hexen“ gemacht worden.

Schon damals habe es Menschen wie den Jesuiten Friedrich Spee von Langenfeld gegeben, die gegen die Hexenprozesse ihre Stimme erhoben hätten und deren Verhalten bis heute Vorbildfunktion habe. Hegeler hält es deshalb für wichtig, dass die Stadt eine öffentliche Erklärung abgebe, da auch in der Gegenwart Feindseligkeiten und Vorurteile, Gerüchte und Verdächtigungen gegen Menschen oft zu ihrer gesellschaftlichen Ächtung und Ausgrenzung führen.

Blomberg könne damit ein symbolisches Zeichen gegen körperliche und geistige Gewalt setzen. Hegeler: „Die öffentliche Rehabilitation der durch die Hexenprozesse zu Tode gekommenen Personen stellt eine klare und deutliche Willensbekundung gegen jegliche Missachtung der Menschenwürde und Menschenrechte in unserer Zeit dar.“

Die Blomberger Politiker folgten seiner Argumentation und fassten einstimmig den Beschluss, „die in der Zeit der Hexen- und Zaubererverfolgung unschuldig gequälten und ermordeten Menschen“ zu rehabilitieren. Dies sei „ein Akt im Geiste der Erinnerung und Versöhnung“. Wenngleich die Stadt nicht Rechtsnachfolgerin der damals Verantwortlichen sei, so bestehe dennoch eine ethische Verpflichtung gegenüber den Opfern und ihren Familien.

Pfarrerin Bettina Hanke-Postma und Pfarrer Hermann Donay unterstützen den Beschlussvorschlag von Hartmut Hegeler. Sie erinnern daran, dass es in Lemgo Prozessakten zu 209 Hexenprozessen aus der frühen Neuzeit gibt, in der übrigen Grafschaft Lippe gibt es Akten zu 221 Verfahren.


Info: "Blomberger Erklärung"

Ausgehend von den historischen Gegebenheiten, haben Kirchenvertreter am 13. Mai 2012 die theologische „Blomberger Erklärung“ zur unzerstörbaren Menschenwürde verfasst. „Wir setzen uns dafür ein, dass Menschen weder diskriminiert noch verteufelt, noch unschuldig verurteilt werden. Wir unterstützen die weltweiten Bemühungen, die Folter und die Todesstrafe in jedem Land abzuschaffen. Für die Verwirklichung der Menschenrechte treten wir ein“, heißt es in der „Blomberger Erklärung“ der Geistlichen zum Schluss. Es ist eine der Kernaussagen, der sich die Stadt Blomberg nunmehr angeschlossen hat.

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