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Blomberg

Lebensgemeinschaft Dalborn setzt auf soziales Miteinander

Blomberg-Dalborn. Jeden Mittag wird es im Schankraum der ehemaligen Gaststätte Alter Jäger in Dalborn richtig voll. Täglich kommen dort die Bewohner, Mitglieder, Gärtner der Solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) und Freunde zusammen, um gemeinsam zu essen. "Das ist eine sehr gemeinschaftsstiftende Angelegenheit, die vielen sehr wichtig ist. Jeder ist hier mittags willkommen", sagt Frank Merkord.

Er ist einer von fünf Menschen, die die sogenannte Lebensgemeinschaft Dalborn aus der Taufe gehoben haben. Sechs Jahre ist es her, dass ein Hof in dem kleinen Dorf gekauft, umgebaut und bezogen wurde. "Die Entscheidung, diesen Schritt zu gehen, hatte eine ziemlich lange Vorlaufzeit", erinnert sich Merkord. In zahlreichen Treffen und Gesprächen mit verschiedenen Menschen war die Idee entstanden, das Leben in Zukunft gemeinsam in einer Genossenschaft bestreiten zu wollen. Ein soziales Miteinander zu pflegen, ökologisch bewusst zu leben und Ressourcen zu schonen, das sind die Grundideen der Lebensgemeinschaft Dalborn. Am Ende waren es fünf Männer und Frauen, die den ersten Schritt wagten und die Lebensgemeinschaft als Genossenschaft gründeten. Der gehörten und gehören nach wie vor nicht nur die Bewohner, sondern auch viele Fördermitglieder an. "Viele haben uns bei dem Schritt unterstützt", berichtet Anna Hauenschild, die ebenfalls seit Anfang an mit dabei ist.

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Das sagt Dalborns Ortsvorsteher

"Die Lebensgemeinschaft ist mit ihren Aktivitäten sicherlich sehr rege", sagt Dalborns Ortsvorsteher Wilhelm Sigges. Es gebe erste gemeinsame Aktivitäten mit Alteingesessenen. Unter anderem seien Bewohner der Lebensgemeinschaft im Dorfausschuss dabei, der in der Kulturkneipe Alter Jäger tage. Allerdings gebe es bei einigen Kleinigkeiten auch immer wieder Reibungspunkte. "Die Älteren von uns wünschen sich, dass die Neuen manchmal etwas mehr auf unsere Belange Rücksicht nehmen", sagt Sigges. "Wichtig ist aber, dass wir alle, alte und neue Dorfbewohner, noch stärker aufeinander zugehen."

Inzwischen ist die Lebensgemeinschaft, die Anfang des Jahres wie berichtet den Mietzner-Förderpreis bekommen hatte, längst gewachsen. Zwölf Frauen und Männer sowie zwei Kinder bewohnen zwei nebeneinanderliegende Höfe - in unterschiedlicher Weise. "Einige leben wie in einer großen WG zusammen. Andere entweder zu zweit oder allein in separaten Wohnungen mit eigener Küche und Bad", berichtet Hauenschild. Viele Dinge werden gemeinsam besprochen und bewerkstelligt - vom Einkauf bis hin zu größeren Veränderungen auf den beiden Höfen.

Und die werden spätestens dann nötig, sobald die Lebensgemeinschaft weiter wachsen sollte. "Es gibt Anfragen aus ganz Deutschland", sagt Merkord. In einer längeren, teils mehrjährigen Phase des Kennenlernens werde dann ausgelotet, ob Bewohner und neue Mitglieder zueinander passen und ob die Lebensgemeinschaft wirklich etwas für sie ist. "Vor kurzem sind zwei Menschen in ein Nachbardorf gezogen, die gerade in dieser Kennenlernphase sind und sich vorstellen können, Teil der Lebensgemeinschaft zu werden", erzählt Frank Merkord.

Deren Mitglieder versuchen, sich beispielsweise soweit es geht selbst zu versorgen, etwa durch die SoLaWi (siehe weiteren Bericht). Nur ein Projekt, das aus der Lebensgemeinschaft hervorgegangen ist. Ein weiteres ist der Kulturverein, der Konzerte, Lesungen und andere Veranstaltungen in der ehemaligen Gaststätte Alter Jäger organisiert. Die war nach ihrer Schließung von einem Unterstützer der Lebensgemeinschaft gekauft worden und steht der Allgemeinheit zur Verfügung.

SoLaWi und Kulturverein seien dabei nicht ein Teil der Lebensgemeinschaft, sondern eigenständige Projekte, betonen Merkord und Hauschild. Ähnlich wichtig sei es ihnen und den anderen Mitgliedern der Lebensgemeinschaft, ein Teil des Dorflebens zu sein. "Wir sind keine Aussteiger, die sich abschotten. Ich sehe uns als Einsteiger einer sozialen Architektur mit viel Gemeinschaft und gegen die Anonymität, wie es sie etwa in Großstädten gibt", sagt Merkord.

Die Bewohner der Lebensgemeinschaft gingen ganz normalen Jobs nach und seien als Lehrer, Psychologen, Biologen, Gärtner oder Heilpraktiker tätig. Nur ihr Alltag sehe etwas anders aus als der vieler anderer Menschen. "Wir sehen uns als Teil der Gesellschaft und wollen Akzente setzen", sagt Merkord. "Jeder der will, kann mitmachen. Oder auch nicht."

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